{"id":6904,"date":"2019-04-26T07:54:25","date_gmt":"2019-04-26T06:54:25","guid":{"rendered":"https:\/\/esperanto.berlin\/?page_id=6904"},"modified":"2020-08-19T21:56:22","modified_gmt":"2020-08-19T20:56:22","slug":"fontane-ffo","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/fontane-ffo\/","title":{"rendered":"Fontane mit dem Dampfschiff von Frankfurt (Oder) nach Schwerin"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p class=\"western\">Bei einem Titel wie \u201eWanderungen durch die Markt Brandenburg\u201c denkt man unwillk\u00fcrlich an lange Fussm\u00e4rsche \u00fcber staubige Landstrassen. Aber Theodor Fontane nutzte bei den Nachforschungen zu seinen Reiseberichten auch die Verkehrsmittel seiner Zeit: Fuhrwerke und die Eisenbahn.<\/p>\n<p class=\"kommentar-western\">Auch Wasserfahrzeuge, wie die Segeljacht \u201eSphinx\u201c f\u00fcr eine Tour auf der Dahme von K\u00f6penick nach Teupitz oder er liess sich in einem Kahn durch die Torfstiche im Wustrauer Luch staken. Die einzelnen Beitr\u00e4ge, die in Zeitungen erschienen, wurden sp\u00e4ter zu B\u00e4nden zusammengefasst, die sich an den Gew\u00e4ssern in Brandenburg orientieren: Spree, Havel und eben die Oder.<\/p>\n<p class=\"kommentar-western\">Ein Dampfschiff brachte ihn von Frankfurt (Oder) nach Schwedt. Das dauerte acht Stunden.<\/p>\n<p class=\"kommentar-western\">Die Oder war zu Fontanes Zeit kein Grenzfluss, sondern am \u00f6stlichen Ufer erstreckte sich die Neumark. Wenn er dabei die Orte ber\u00fchrte, die f\u00fcr die preussische Geschichte von Bedeutung waren, traf er nur auf deutsche Namen.<\/p>\n<p class=\"kommentar-western\">In seiner Beschreibung des Oderbruchs erinnert er auch an \u201eDie alten Bewohner\u201c und stellt fest \u201ewahrscheinlich waren alle seine Bewohner, bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts, von ziemlich unvermischter slawischer Abstammung\u201c, muss aber mit Bedauern feststellen, dass es dazu kaum schriftliche Quellen gibt.<\/p>\n<p class=\"kommentar-western\">Neben den Orten am westlichen Oderufer (Freienwalde, Gusow, Friedersdorf, Quilitz) beschreibt er auch Tamsel (Dabrozyn) im Kreis Gorzow Wielkopolski der heutigen Woidwodschaft Lebus, Zorndorf (heute Sarbinowo), das ihn vor allem wegen des Schlachtfelds von 1758 interessiert hat, und K\u00fcstrin, aber allein wegen der milit\u00e4rischen Bedeutung der Festung und der Katte-Trag\u00f6die, weniger wegen der Landschaft.<\/p>\n<p class=\"kommentar-western\">Im 21. Jahrhundert ist es schwierig die Reise von Fontane nachzuvollziehen. Passagierschiffe verkehren schon lange nicht mehr zwischen Franfurt und Szczecin. Nur das Motorschiff \u201eZefir\u201c f\u00e4hrt gelegentlich bis K\u00fcstrin und das auch nur, wenn es der Wasserstand erlaubt.<\/p>\n<p class=\"western\">Fontane h\u00e4tte durchaus die M\u00f6glichkeit gehabt, etwas \u00fcber die internationale Sprache Esperanto zu erfahren.<\/p>\n<p class=\"western\">Die Brosch\u00fcre von Zamenhof wurde im Sommer 1887 ver\u00f6ffentlicht. Also mehr als ein Jahrzehnt von Fontanes Tod am 20. September 1898 in Berlin. Obwohl schon von September 1889 bis Juni 1895 die Zeitschrift \u201eLa Esperantisto\u201c in N\u00fcrnberg herausgegeben wurde, war die Resonanz in der \u00d6ffentlichkeit eher gering.<\/p>\n<p class=\"western\">Weder Sprachwissenschaftler noch Esperantisten haben bisher einen Hinweis gefunden, dass Fontane etwas von Esperanto vernommen h\u00e4tte oder sich Gedanken zum\u201eWeltsprachproblem\u201c gemacht hat.<\/p>\n<p class=\"western\">Umgekehrt sind auch die Texte von Fontane, die bisher in Esperanto \u00fcbersetzt wurden, \u00fcberschaubar.<\/p>\n<p class=\"western\">In Buchform gibt es die Kriminalnovelle \u201eUnterm Birnbaum\u201c (Sub la pirarbo) in der \u00dcbersetzung von Reinhard Haupenthal aus dem Jahr 2001.<\/p>\n<p class=\"western\">Das Gedicht \u201eJohn Meynard\u201c wurde 1989 in die zweisprachige Sammlung \u201eTra(nskon)dukoj\u201c von Guido Holz im Verlag Armin Gmeiner mit 80 Gedichten aufgenommen.<\/p>\n<p class=\"western\">Der deutsch-polnische Esperanto-Kongress an Pfingsten 2020 in Frankfurt (Oder) bietet einen passenden Anlass, einige Texte zu \u00fcbersetzen, die sich auf nahegelegene Orte beziehen. Neben der bereits in \u00dcbersetzung vorliegenden Novelle \u201eUnterm Birnbaum\u201c kommt daf\u00fcr der Roman \u201eVor dem Sturm\u201c in Frage, in den real existierende Orte eingeflossen sind.<\/p>\n<p class=\"zitat-western\">Von Turganys Wohnung bis an den Flu\u00df waren kaum hundert Schritt. Eine sonnt\u00e4gliche Stille herrschte den Kai entlang, der in gro\u00dfen Abst\u00e4nden mit uralten Pappelweiden besetzt war. Eingefroren im Eise lagen Oderk\u00e4hne und gr\u00f6\u00dfere Kielboote, die nach Stettin hin geh\u00f6rten und hier vor der Zeit vom Winter \u00fcberrascht worden waren. Nach rechts hin lief die Br\u00fccke \u00fcber den Flu\u00df, zwanzig Joche oder mehr, zwischen denen unsere Freunde des gro\u00dfen, zum Br\u00fcckenschutz errichteten Eisbrechers ansichtig wurden. Alle Arbeit ruhte; die Glocken der Oberkirche gingen, und einzelne geputzte Frauen, die zur Nachmittagspredigt wollten, eilten an ihnen vor\u00fcber.<\/p>\n<p class=\"zitat-western\">[&#8230;]<\/p>\n<p class=\"zitat-western\">So kamen sie bis an die Br\u00fccke und gingen in die Dammvorstadt hin\u00fcber. Die Welt hier schien nur noch aus Franzosen zu bestehen; einige, als ob drau\u00dfen die Junisonne schiene, balancierten auf den Querh\u00f6lzern der offenstehenden Fenster, w\u00e4hrend sich andere mit Bockspringen vergn\u00fcgten oder sich auf Flur und Diele mit Kindern und jungen M\u00e4dchen unterhielten. So namentlich auch vor dem gro\u00dfen Gasthofe \u00bbZum goldenen L\u00f6wen\u00ab, hart an der Br\u00fccke, der in eine Kaserne umgewandelt war. An der Ecke dieses Gasthofes vorbei bogen jetzt unsere Freunde nach links hin ein und wandten sich dem gro\u00dfen Herzog-Leopold-Denkmale zu, das sie schon vorher, als sie von Turganys Wohnung aus auf den Flu\u00df zugeschritten waren, in aller Deutlichkeit gesehen hatten. Es lag jener Stelle gerade gegen\u00fcber; nur der breite Flu\u00df dazwischen.<\/p>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei einem Titel wie \u201eWanderungen durch die Markt Brandenburg\u201c denkt man unwillk\u00fcrlich an lange Fussm\u00e4rsche \u00fcber staubige Landstrassen. Aber Theodor Fontane nutzte bei den Nachforschungen zu seinen Reiseberichten auch die Verkehrsmittel seiner Zeit: Fuhrwerke und die Eisenbahn. 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