{"id":6955,"date":"2019-05-06T14:34:04","date_gmt":"2019-05-06T13:34:04","guid":{"rendered":"https:\/\/esperanto.berlin\/?page_id=6955"},"modified":"2019-06-24T19:30:34","modified_gmt":"2019-06-24T18:30:34","slug":"plauderstunde-onkel-max","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/max-josef-metzger\/plauderstunde-onkel-max\/","title":{"rendered":"Onkel Max mag Apfelstrudel"},"content":{"rendered":"<p>Am 11. Mai 1916 brachte die \u201eGrazer Mittags-Zeitung\u201c im Feuilleton auf Seite 2 einen Text von Max Josef Metzger, der von der Kinderzeitschrift \u201e Oesterreichs Kinderkreuzzug\u201c \u00fcbernommen und mit \u201eGott befohlen, Euer Onkel Max\u201c unterschrieben war.<br \/>\nEr hatte den Titel: Das Plauderst\u00fcndchen beim Onkel.<\/p>\n<p>Der \u201eAllgemeine Tiroler Anzeiger\u201c vom 23. November 1916 (Seite 4) meldet in einer kleinen Notiz, dass Metzger auch pers\u00f6nlich Vortr\u00e4ge von Kindern als \u201eOnkel Max\u201c hielt.<\/p>\n<h2 id=\"das-plauderst\u00fcndchen-beim-onk\">Das Plauderst\u00fcndchen beim Onkel.<\/h2>\n<p>Heute, ihr lieben Neffen und Nichten, wollen wir mal zusammen vom Essen plaudern. Wenn ich euch jetzt, ihr alle, die ihr um mich herum sitzt, fragen w\u00fcrde, was ihr am liebsten esset, da bek\u00e4me ich wohl so verschiedene Antworten, als ich K\u00f6pfe sehe! Pudding und Kartoffelkl\u00f6\u00dfe und Apfelk\u00fcchlein und Kalbsbraten und Schokoladetorte und Zwiebelkuchen und Polentaschmarren und &#8230;<\/p>\n<p>so wirbelt es durcheinander von euren frischen Kinderstimmen, und am \u00e4rgsten schreit der Hans durch die ganze Gesellschaft: Apfelstrudel !<\/p>\n<p>Nur nicht so laut, lieber kleiner Hans, und auch nicht so schnalzen mit der Zunge, es m\u00fcsssn&#8217;s nicht alle h\u00f6ren und sehen, wie dir das Wasser im Munde zusammenl\u00e4uft!<\/p>\n<p>Was der Onkel am liebsten i\u00dft? Das ist eine neugierige Frage, vorwitziges Mariechen?<\/p>\n<p>Ich will sie dir aber doch beantworten, obwohl ich schon sehe, wie ihr alle verwundert eure K\u00f6pfchen sch\u00fcttelt: Nicht was mir am besten schmeckt, sondern was mir am besten bekommt!<\/p>\n<p>Milch und Brot und Mehlspeisen, Reis und Mais, Gem\u00fcse und Obst, das ist mir am liebsten.<\/p>\n<p>.Und Apfelstrudel?&#8221;<\/p>\n<p>Aber Hans, wie kann man nur so vorlaut sein! Nat\u00fcrlich auch Apfelstrudel, denn das ist auch eine Mehlspeise, die gesund und zutr\u00e4glich ist. Jetzt h\u00f6rt mal alle aufmerksam zu! Es gibt ein Sprichwort, das hei\u00dft: Der Mensch lebt nicht, um zu essen, sondern er i\u00dft, um zu leben.&#8221;<\/p>\n<p>Da steckt viel Weisheit darin. Es gibt viele Leute, (auch manche kleine Schleckerm\u00e4ulchen geh\u00f6ren schon dazu, merk&#8217;s, Hans!), die scheinen in der Tat nur zu leben, um zu essen Wenn man sie sieht, so sind sie immer beim Essen oder beim Trinken. Wenn man sie h\u00f6rt, wovon sprechen sie?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich vom Essen. Das ist das einzige, wof\u00fcr sie Interesse haben. Wer so lebt, um zu essen und zu genie\u00dfen, der wird nat\u00fcrlich ein Feinschmecker, der immer nur &#8220;feine&#8221; Sachen mag. und immer feinere. Und dabei verdirbt er sich den Geschmack mit all den Dingen, die zwar fein schmecken, aber dem K\u00f6rper sehr schlecht bekommen. Da trinken\u00b4die Leute feine Weine, und was bekommen sie?<\/p>\n<p>Eine rote Nase. Und Fleisch essen sie den ganzenTag, Braten und Gefl\u00fcgel und wei\u00df Gott was alles. Und was haben sie davon? Verdorbenes Blut und eine schlechte Leber und Niere und mit der Zeit Krankheiten aller Art Oder das Bier schmeckt&#8221; ihnen so gut. und was ist die Folge?<\/p>\n<p>Ein Bierbauch, den sie herumschleppen m\u00fcssen, da\u00df sie einen dauern m\u00f6gen, wenn ihnen bei jedem w\u00e4rmeren Tag die gr\u00f6\u00dften Schwei\u00dftropfen von der Stirn herunterrollen und wenn sie kaum mit M\u00fche einen Berg hinaufkeuchen k\u00f6nnen . . . Oder jene feine Dame, die von einem Doktor zum andern geht? Was hat sie? Ach. sie hat immer nur Zuckersachen und S\u00fc\u00dfigkeiten geschleckt und nie etwas ordentliches essen m\u00f6gen.<\/p>\n<p>Und jetzt tut der Magen nicht mehr mit. sie ist krank<\/p>\n<p>&#8230; Ja der Mensch soll nicht leben, um zu essen. Versucht er es aber doch, so hat es bald mit dem gesunden Leben und dem behaglichen Wohlsein ein Ende.<\/p>\n<p>Man i\u00dft. um zu leben. Das mu\u00df so sein. Da hat einmal einer gemeint, es sei doch eine <u>langrocil<\/u>&#8211;<\/p>\n<p>7? Sache, jeden Tag ein paarmal sich an den Tisch zu setzen und Speisen hinunterzuschlucken.<\/p>\n<p>Und er hat es einmal versucht, ob es nicht ohne das Essen geht. Aber das ist ihm \u00fcbel bekommen.<\/p>\n<p>Er hat es zwar viel l\u00e4nger ausgehalten, als ihr glaubt Wie lang meinst du denn. Anton, da\u00df man leben kann, ohne etwas zu essen? Einen Tag!&#8221;<\/p>\n<p>Ja ich glaube, du br\u00e4chtest es kaum einen halben Tag fertig! Nein, dieser Mann, der einen starken Willen hatte, der hat es ein paar Wochen lang zustande gebracht, hat nur ein bischen Wasser jeden Tag getrunken, sonst aber nichts zu sich genommen. Aber dann wurde er mager und immer magerer, und leichter und immer leichter, und schlie\u00dflich wurde er so schwach, da\u00df er in Gottes Namen wieder zu essen anfangen mu\u00dfte. Alfa, es geht nicht anders: Man mu\u00df essen, um zu leben.<\/p>\n<p>Warum denn wohl? Was glaubt ihr? Nun schaut, das hat der iiebe Gott wunderbar eingerichtet. Ihr wi\u00dft alle, der menschliche K\u00f6rper besteht aus Kopf. Hals Leib, Armen und Beinen. Und im Leib drinnen sind das Herz, die Lunge, der Magen, die Leber, die Niere, die Ged\u00e4rme, und im Kopf das Gehirn. Und durch den ganzen K\u00f6rper hindurch ziehen die Adern, welche das Blut in die letzten Teile des K\u00f6rpers hindurchpressen, und die Muskeln, welche Fu\u00df und Arm und Finger bewegen k\u00f6nnen. Und vor allem geht hindurch ein wunderbares Netz von Telephondr\u00e4hten. die im Gehirn zusammenlaufen, wie im Hauptpostamt, das sind die Nerven.<\/p>\n<p>Und wenn man noch tiefer zusieht, so besteht jeder K\u00f6rperteil, .jeder kleinste Nerv und jeder Muskel und jeder Blutstropfen aus ganz erstaunlich kleinen und feinen Zellen, die zu vielen Hunderten zusammen den K\u00f6rper ausmachen. So eine Zelle ist f\u00fcr sich allein schon ein Kunstwerk, das von Gottes Gr\u00f6\u00dfe und Weisheit erz\u00e4hlt. <u>Me fem\u00ab l<\/u>eine Zelle, die so winzig ist. da\u00df man sie nur<\/p>\n<p>im Vergr\u00f6\u00dferungsglase w\u00e4hrnehmen kann, besteht doch<u> iowder aus Z<\/u>cllk\u00f6rperchen mit der Zellenmasse und aus der Zellenhaut, die jede Zelle um schlie\u00dft. Diese unz\u00e4hligen kleinen Zellen leisten gro\u00dfe Arbeit im menschlichen K\u00f6rper. Wie die Heinzelm\u00e4nnchen. so unmerkbar aber flei\u00dfig schaffen sie. Wenn man zum Beispiel einen einzigen Schritt machen will, was m\u00fcssen die einzelnen Zellen zusamenarbeiten, da\u00df man aufrechtbleibt und<\/p>\n<p>nicht umf\u00e4llt, da\u00df man den Fu\u00df Heben und wieder niedersetzen kann! Da schwirrt es durch den ganzen K\u00f6rper hindurch von Befehlen durch all die Telephondr\u00e4hte. Zuerst an den einen Muskel: zusammenziehen! Dann an den andern: wieder los lassen! Dann an den dritten: rechts anziehen! Und an den vierten: links! Und so weiter in einem fort mit einer unglaublichen Schnelligkeit, damit man nur das Bein heben kann und nicht umf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Und dann m\u00fcssen die Heinzelm\u00e4nnchen an dauernd Tag und Nacht heizen und W\u00e4rmen, da\u00df der K\u00f6rper nicht kalt wird, denn sonst wird er starr und steif: tot?<\/p>\n<p>Aber diese kleinen Zellen schon k\u00f6nnen nicht arbeiten, ohne zu essen. So klein sie sind, so wer<\/p>\n<p align=\"LEFT\">den sie eben doch noch kleiner und magerer, wenn sie auch nur einen Tag nichts zu essen bekommen haben. Wenn sie heizen sollen, so mu\u00df man ihnen auch Kohlen dazu liefern, wie dem Ofen, der auch nicht brennen kann, wenn man nichts zu,, heizen hat. Aber wie meint ih<u>r. de\u00df d&#8217;?s? kleinen Z<\/u>ellen ern\u00e4hrt werden k\u00f6nnen? Wer wei\u00df das?<\/p>\n<p>Ganz richtig. Josef, du hast doch schon was in der Schule gelernt! Das besorgt das Blut. Zu diesem Zwecke pre\u00dft das Herz den ganzen Tag hindurch und selbst nachts, wenn man schl\u00e4ft, ununterbrochen das Blut durch den K\u00f6rper hindurch.<\/p>\n<p>Da ist ein gesch\u00e4ftiges Getue. Die Millionen Blutk\u00f6rperchen tragen alle auf ihre Schultern in Winzig kleinen S\u00e4ckchen die feinen Nahrungsstoffe, und schon warten all die vielen Zellen mit Sehnsucht darauf, etwas von der s\u00fc\u00dfen Last abzubenehmen. Aber sie lassen das Blut nicht leer weiter gehen. So manches, was sie nicht brauchen konnten, das haben sie schon bereit gehalten und laden es den Blutk\u00f6rperchen wieder auf. Und die tragen es zur\u00fcck, um es nachher aus dem K\u00f6rper hinaus zuschaffen Das mu\u00df alles flink vonstatten gehen. Denn das Blut hat Eile. Es mu\u00df wieder zur\u00fcck zum Herzen, um den Kreislauf wieder von vorn beginnen zu k\u00f6nnen . . .<\/p>\n<p>Aber woher nimmt denn das Blut die Nahrung f\u00fcr die Zellen?&#8221; Ganz recht gefragt! Da sind wir jetzt auf dem Punkt, von dem wir ausgegangen sind: Das Blut nimmt seine Nahrung aus all<\/p>\n<p>den Speisen, die wir essen. Im Magen werden sie alle vorbereitet, zerhackt und zerstampft und auf<\/p>\n<p>gel\u00f6st. bis sie fein genug sind, da\u00df das Blut sie f\u00fcr die Zellchen brauchen kann. Seht, welch ein wun<\/p>\n<p>derbar:? Bau, was f\u00fcr ein herrliches Kunstwerk ist doch der menschliche K\u00f6rper, da\u00df der gescheitere K\u00fcnstler es dem lieben Hergott nicht im mindesten nachzumachen versteht.<\/p>\n<p><u>:1\u00f6er <\/u>was f\u00fcr Speisen kann nun der Magen f\u00fcr die Zellen brauchen? Ro\u00dfn\u00e4gel und Kieselsteine die liegen schwer im Magen&#8221;, mit denen wird der Magen nicht fertig Er <u>lir<\/u> nicht also andere Speisen, die er verarbeiten kann. Dar\u00fcber ein andermal. F\u00fcr heute ist&#8217;s zu sp\u00e4t, diese in teressante Frage zu beantworten. Also auf Wiedersehen das n\u00e4chste Mal. ,<\/p>\n<p>Gott &#8216;befohlen! Euer Onkel Max.<\/p>\n<p>(Aus der Zeitschrift Oesterr. Kinderkreuzzug&#8221;.)<\/p>\n<p>B\u00fccherschau.<\/p>\n<p>Prostitution, Geschlechtskrankheiten und deren Bek\u00e4mpfung (Zeit- und Streitschriften, Nr. 1).<\/p>\n<p>Von Univ.-Prof. Dr. Ude. 2. Auflage. 30 Pf. &#8211; 40 K. Verlag &#8220;Volksheil&#8221;, Graz, Bischofplatz<\/p>\n<p>Nr. 1.<\/p>\n<p>Alkohol und Unsittlichkeit (Zeit- und Streitschriften, Nr. 2). Von Univ.-Prof. Dr. Ude. 4. Aufl. 15 Pf. &#8211; 20 H. Verlag &#8220;Volksheil-&#8220;, Graz, Bischofplatz 1.<\/p>\n<p>Das V\u00f6lkersterben des 20.. Jahrhunderts (der NeoMalthusianismus) (Zeit- und Streitschriften, Nr. 3). Von Univ.-Prof. Dr. Ude.2. Aufl. 15 Pf. &#8211; 20 k. Verlag &#8220;Volksheil&#8221;, Graz, Bischofplatz 1.<\/p>\n<p>In diesen drei wirkungsvoll ausgestatteten und billigen Brosch\u00fcren, welche die Zeit- und Streitschriften des Verlages Volksheil er\u00f6ffnen, wird wohl zum.erstenmal auf katholischer Seite in der \u00d6ffentlichkeit mit solcher Wucht der Tatsachen und der Sprache das furchtbare Problem behandelt, an dem heute kein Volksfreund mehr vor\u00fcbergehen kann. Wohl sagt ein gefl\u00fcgeltes Wort, da\u00df es heute anst\u00e4ndiger ist, etwas Unanst\u00e4ndiges zu tun, als \u00abdavon zu reden&#8221;, allein meines Erachtens ist gerade \u00abdieser Standpunkt daran schuld, da\u00df sich die Unsittlichkeit in allen Formen in so erschreckender Weise breitmachen durfte. Und da erheischte die Stunde \u00abMich ein so deutliches und freim\u00fctiges Wort, wie es Professor Ude gesprochen hat. Kein Zweifel: wer diese Brosch\u00fcre gelesen hat, dem sind die Augen ge\u00f6ffnet f\u00fcr die furchtbarsten N\u00f6te der Gegenwart, dem ist aber auch das Herz warm geworden, da\u00df er miteintritt in das Heer der K\u00e4mpfer f\u00fcr eine neue Sittlichkeit, ein ges\u00fcnderes und besseres Volk der Zukunft. M\u00f6chten die drei Hefte von allen wahren Freunden des Volkes in Massen verbreitet werden ein verdienstlichere und notwendigere Tat gibt es gegenw\u00e4rtig kaum.<\/p>\n<p>Dr. Max Josef Metzger.<\/p>\n<p>GMZ 1916 05 11 Onkel Max aus Kinderkreuzzug.pdf<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 11. Mai 1916 brachte die \u201eGrazer Mittags-Zeitung\u201c im Feuilleton auf Seite 2 einen Text von Max Josef Metzger, der von der Kinderzeitschrift \u201e Oesterreichs Kinderkreuzzug\u201c \u00fcbernommen und mit \u201eGott befohlen, Euer Onkel Max\u201c unterschrieben war. 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