{"id":7078,"date":"2019-06-01T15:15:32","date_gmt":"2019-06-01T14:15:32","guid":{"rendered":"https:\/\/esperanto.berlin\/?page_id=7078"},"modified":"2019-06-24T19:31:58","modified_gmt":"2019-06-24T18:31:58","slug":"deutsch-metzger-beim-pazifistenkongress-1919","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/max-josef-metzger\/deutsch-metzger-beim-pazifistenkongress-1919\/","title":{"rendered":"Metzger beim Pazifistenkongress 1919"},"content":{"rendered":"<p>Der\u00a0 \u00bbAchte Deutsche Pazifistenkongress\u00ab fand in Berlin vom 13. bis 15. Juni 1919 im Preu\u00dfischen Herrenhause (heute Sitz des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bundesrat_(Deutschland)\">Bundesrates in der Leipziger Strasse<\/a>) statt. Max Josef Metzger war einer der Teilnehmer, aber er sass nicht still im Publikum, sondern mischte sich in die Debatte ein und formulierte Antr\u00e4ge, die sogar angenommen wurden.<\/p>\n<div id=\"attachment_7079\" style=\"width: 304px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7079\" class=\"wp-image-7079\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/PazifKongr1919Titel.jpg\" alt=\"\" width=\"294\" height=\"275\" \/><p id=\"caption-attachment-7079\" class=\"wp-caption-text\">Titelblatt des als Buch erschienenen Prokolls des Achten Deutschen Pazifistenkongresses<\/p><\/div>\n<p>Weniger als ein Jahr nach dem Ende des Ersten Weltkriegs ging es um die Frage, wie hatte zu dieser \u00bbKatastrophe\u00ab im Sommer 1914 kommen k\u00f6nnen, welche Fehler die Pazifisten gemacht hatten und wie man mit der neuen Situation in Europa und der Welt umgeht.<\/p>\n<p>In der Liste der \u00fcber 200 Teilnehmer, die in dem als Buch erschienenen Protokoll abgedruckt ist, finden sich bekannte Namen: Politiker, Wissenschaftler, Schriftsteller und Gesch\u00e4ftsleute. Zahlreiche Abgeordnete der Nationalversammlung liessen sich entschuldigen, weil diese kurz zuvor nach Weimar verlegt worden war.<\/p>\n<div id=\"attachment_7092\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7092\" class=\"wp-image-7092 size-full\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Herrenhaus1919.jpg\" alt=\"\" width=\"290\" height=\"219\" \/><p id=\"caption-attachment-7092\" class=\"wp-caption-text\">Das Preussische Herrenhaus in der Leipziger Strasse<\/p><\/div>\n<p>Geheimrat Dove hat als Vertreter der Berliner Stadtverordnetenversammlung ein Grusswort gesprochen in dem er die Hoffnungen der Teilnehmer mit den Worten (Seite 14\/15) zusammenfasste \u00bb&#8230;.lediglich ein Frieden, der auf den Grundlagen des Rechtes beruht, der gleichberechtigte V\u00f6lker in dem Streben vereinigt, durch \u00fcberstaatliche Organisation eine Besserung der gegenseitigen Beziehungen herbeizuf\u00fchren und die Mittel zu gew\u00e4hren, um im Falle des Konfliktes einen friedlichen Ausgleich der Streitigkeiten zu bewirken, \u2014 da\u00df nur ein solcher Friede die Gew\u00e4hr der Dauer in sich haben kann.\u00ab<\/p>\n<h2 id=\"carl-von-ossietzky-begr\u00fcsst-d\">Carl von Ossietzky begr\u00fcsst Dr. Metzger aus \u00d6sterreich<\/h2>\n<p>In seiner Er\u00f6ffnung konnte Carl von Ossietzky sogar die einige Vertreter aus dem Ausland begr\u00fcssen, darunter als Vertreter des \u00bbWeltfriedensbunds\u00ab (eigentlich \u00bbWeltfriedensbund vom Weissen Kreuz\u00ab) einen Dr. Metzger aus \u00d6sterreich. Dieser war dann auch der einzige, der \u00bbEsperanto\u00ab erw\u00e4hnte (Protokoll Seite 61).<\/p>\n<div id=\"attachment_7081\" style=\"width: 292px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7081\" class=\"wp-image-7081 size-full\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Widmung-Arnhold.jpg\" alt=\"\" width=\"282\" height=\"152\" \/><p id=\"caption-attachment-7081\" class=\"wp-caption-text\">Widmung von Alfred Hermann Fried im \u00bbHandbuch der Freidensbewegung\u00ab von 1905<\/p><\/div>\n<p>Unter den Teilnehmern sind die Namen weiterer mehr oder weniger bekannter Esperantisten zu finden, darunter der Bankier Arnhold (Dresden). Er hatte Alfred Hermann Fried die Herausgabe des \u00bb<a href=\"https:\/\/catalog.hathitrust.org\/Record\/100349164\">Handbuch der Friedensbewegung<\/a>\u00ab erm\u00f6glicht, das 1905 eine Widmung. Er ergiff spontan das Wort, als er den Eindruck gewann, dass die Leistungen der alten Pazifisten gering gesch\u00e4tzt w\u00fcrden.<\/p>\n<h2 id=\"esperantisten-unter-den-teilne\">Esperantisten unter den Teilnehmern<\/h2>\n<p>Von anderen Esperantisten in der Liste der Teilnehmer, wie Prof.<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Adolf_Schmidt_(Geophysiker)\"> Adolf Schmidt<\/a> (Potsdam), <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Julius_Hanauer\">Julius Hanauer<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.wikiwand.com\/eo\/%C4%9Cermolisto_de_germanaj_esperantistoj#\/Erwin_Stolpe\">Erwin Stolpe<\/a> (Charlottenburg) sind keine Beitr\u00e4ge im Protokoll vermerkt. <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Alfred_Hermann_Fried\">Alfred Hermann Fried<\/a> hatte sich entschuldigt, da er sich im Moment gesundheitlich zu einer so langen Reise nicht f\u00e4hig f\u00fchle. Er hatte einen ausf\u00fchlichen Kommentar zum Vertrag von Versailles und dem Vorschlag eines \u00bbV\u00f6lkerbunds\u00ab geschickt, worin er beides scharfsinnig kritisierte und entschieden ablehnte.<\/p>\n<p>Die von Fried angesprochenen Fragen, insbesondere nach der \u00bbKriegsschuld\u00ab f\u00fchrten zu erregten Debatten, in denen sich auch Metzger zu Wort meldete. Im Tagesordnungspunkt, der die T\u00e4tigkeit der Deutschen <span lang=\"de-DE\">Friedensgesellschaft (DF<\/span>G) vor und w\u00e4hrend des Krieges behandelte, sagte er, er pers\u00f6nlich sei davon \u00fcberzeugt \u00bb<span lang=\"de-DE\">da\u00df Deutschland den Hauptteil der Schuld am Ausbruch des Krieges tr\u00e4gt.\u00ab<\/span> und verweist darauf \u00bb<span lang=\"de-DE\">mit welchem Raffinement die offiziellen Stellen das Volk hinters Licht gef\u00fchrt haben, wie schwer es gemacht wurde, Einblick in die Dinge zu erhalten.\u00ab Er spricht sich f\u00fcr eine neutrale Kommission aus,\u00a0 die eine \u00bb<\/span><span lang=\"de-DE\">einwandfreien Untersuchung der Schuldfrage be\u00adz\u00fcglich des Kriegsausbruchs\u00ab durchf\u00fchren sollte. Allerdings schr\u00e4nkt er ein \u00bb<\/span>Nicht derjenige tr\u00e4gt die Schuld an einer Schie\u00dferei, der den omin\u00f6sen ersten Schu\u00df abgibt, sondern derjenige, der die Situation verschuldet. Die treibenden Ursachen des Krieges waren der imperialistische Kapitalismus und das System der internationalen Diplomatie. Ohne grunds\u00e4tzliche \u00dcberwindung des Kapitalismus ist kein Erfolg einer Friedensbewegung m\u00f6glich.\u00ab<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Er formulierte eine Resolution, die angenommen wurde.<\/p>\n<h2 id=\"\u00dcbernachtung-bei-bruder-strat\" lang=\"de-DE\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7086 alignright\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/aufruf-stratmann-sw-red.jpg\" alt=\"\" width=\"301\" height=\"427\" \/>\u00dcbernachtung bei Bruder Stratmann<\/h2>\n<p lang=\"de-DE\">Es ist denkbar, das Metzger\u00a0 in Berlin nicht auf ein Hotel angewisen war, sondern ein Nachtlager im<a href=\"https:\/\/www.berlinstreet.de\/1167\"> Kloster der Dominikaner<\/a> in Moabit bekam . Hier lebte ein alter bekannter aus der katholischen Friedensbewegung: Pater <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Franziskus_Maria_Stratmann\">Franziskus Maria Stratmann<\/a>. Er war von 1914 bis 1923 Studentenpfarrer in Berlin.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Beide hatten zusammen eine Aufruf an die Katholiken ver\u00f6ffentlicht, der zum Mitgliedschaft im \u00bbWeltfriedensbund vom Weissen Kreuz\u00ab bzw. dem \u00bb<a href=\"https:\/\/www.historisches-lexikon-bayerns.de\/Lexikon\/Friedensbund_Deutscher_Katholiken,_1919-1933\">Friedensbund deutscher Katholiken<\/a>\u00ab aufforderte. Anmeldungen aus \u00d6sterreich sollten an die Adresse von Metzger in Graz, Anmeldungen aus Deutschland an Stratmanns Dienstadresse in der Karlstrasse 30 (heute Reinhardstrasse) in Berlin-Mitte gehen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Kurze Zeit war <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Matthias_Erzberger\">Matthias Erzberger<\/a> Vorsitzender, der im Oktober 1919 von Kaplan Jocham aus Ehingen abgel\u00f6st wurde. Als treibende Kraft galt aber Stratmann. Erzberger war als Abgeordneter des Reichstags erst f\u00fcr einen \u00bbSiegfrieden\u00ab dann f\u00fcr einen \u00bbVerst\u00e4ndigungsfrieden\u00ab eingetreten. Er war dann an den Verhandlungen zum Vertrag von Versailles beteiligt, den er verteidigte.<\/p>\n<div id=\"attachment_7094\" style=\"width: 284px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7094\" class=\"wp-image-7094 size-full\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Graz-Geb\u00e4ude.jpg\" alt=\"\" width=\"274\" height=\"184\" \/><p id=\"caption-attachment-7094\" class=\"wp-caption-text\">Postkarte von 1920<\/p><\/div>\n<p lang=\"de-DE\">Metzgers zahlreiche Organisationen hatten ab September 1918 ihren Sitz am <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karmeliterplatz_(Graz)\">Karmeliterplatz<\/a> Nr. 4\/5 in Graz, wo das \u00bbWeltfriedenswerk vom Wei\u00dfen Kreuz\u00ab,\u00a0 auf Esperanto \u00bbMondpacverko Kruco Blanka\u00ab eine repr\u00e4sentative Immobilie erworben hatte.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Das barocke <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Palais_Galler\">Palais Galler<\/a> war 1680 bis 1690\u00a0 errichtet worden. Es wurde dann 1938 enteignet war bis 1945 Sitz der Gauleitung der NSDAP. Danach erhielt die katholische Kirche das Palais zur\u00fcck und verkaufte es 1977 an die steirische \u00d6VP, die hier seither residiert. Am Palais gibt es eine <a href=\"https:\/\/4.bp.blogspot.com\/-H4pCAj9h02A\/WPyLGpkuYHI\/AAAAAAACa7Q\/HoN-h6GamVghOUJLQuH_2DvfBE8eb45zQCLcB\/s400\/DSC02822.jpg\">Gedenktafel<\/a>.<\/p>\n<p>Die \u00bbGrazer Mittagszeitung\u00ab vom Dienstag, den 3. September 1918, berichtet \u00fcber die<\/p>\n<p>Die Volksheilzentrale (Zentralstelle f\u00fcr Volkserziehung zur Lebens- und Gesellschaftsreform auf katholischer Grundlage) ist mit den ihr angeschlossenen Organisationen mit 1. September von der Brockmanngasse 87 nach dem vom \u00bbWeltfriedenswerk vom Wei\u00dfen Kreuz\u00ab gekauften eigenen Anwesen am Karmeliterplatz \u00fcbersiedelt. Demzufolge befinden sich nun in den R\u00e4umen Karmeliterplatz 5, 1. Stock, die Gesch\u00e4ftsstellen nachfolgender Organisationen:<\/p>\n<ul>\n<li>Wei\u00dfes Kreuz (Katholisches Weltfriedenswerk)<\/li>\n<li>Katholisches Kreuzb\u00fcndnis Oesterreich (Reichsverein)<\/li>\n<li>Priester-Abstinentenbund f\u00fcr Oesterreich<\/li>\n<li>Oesterreichische Vereinigung f\u00fcr Trinkerf\u00fcrsorge,<\/li>\n<li>Gemeinn\u00fctziger Verein und Verlag Volksheil<\/li>\n<li>Gemein\u00fctziger Verein Caritas (F\u00fcrsorgebund vom Wei\u00dfen Kreuz f\u00fcr Mutter und Kind),<\/li>\n<li>Gemeinn\u00fctziger Verein und Genossenschaft Fr\u00fcchteverwertung,<\/li>\n<li>Gemeinn\u00fctzeger Verein Gasthausreform sowie das<\/li>\n<li>Generalsekretariat der Familienweihe an das Hl. Herz Jesu.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Grazer Verwertungsstelle der Genossenschaft Fr\u00fcchteverwertung ist in der Hartiggasse 3 (im gleichen Haus) untergebracht, der Verkaufsraum wird in den n\u00e4chsten Tagen bereits in die bisherigen R\u00e4ume der Buchhandlung Volksheil, Bischofplatz 1, verlegt werden und wird sodann die Absgabe von Obst und Gem\u00fcse an die Mitglieder wieder durchgef\u00fchrt. Die Buchhandlung Volksheil vom Bischofplatz 1 wird gleichfalls nach dem Karmeliterplatz \u00fcbersiedeln, dagegen verbleibt die Trinkerf\u00fcrsorgeflelle Graz der \u00f6sterreichischen Vereinigung vorl\u00e4ufig noch am Bischofplatz l. Am 1. September entsendet\u00ab hochw\u00fcrdigste Ordinariat von Salzburg einen Geistlichen zur theoretisch-praktischen weiteren Ausbildung in sozialer und caritativer Arbeit sowie Gro\u00dfstadtseelsorge auf die Volksheilzentrale. Im September wird in bescheidenem Nahmen ein kleiner Einf\u00fchrungskurs f\u00fcr Geistliche und Theologen durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<h1 id=\"dokumente\" lang=\"de-DE\">Dokumente<\/h1>\n<h2 id=\"-zur-haltung-des-deutschen-paz\">14. Zur Haltung des deutschen Pazifismus<\/h2>\n<p>Der 8. deutsche Pazifistenkongre\u00df nimmt das Referat \u00fcber die T\u00e4tigkeit der Deutschen Friedensgesellschaft und der Zentralstelle V\u00f6lkerrecht mit Dank f\u00fcr die mit bestem Willen geleistete Arbeit zur Kenntnis. Er bedauert jedoch lebhaft, da\u00df ein gro\u00dfer Teil auch der f\u00fchrenden deutschen Pazifisten w\u00e4hrend des Krieges der Macht\u00adpsychose sich nicht ganz entziehen konnte und erwartet f\u00fcr die Zukunft eine T\u00e4tigkeit der Deutschen Friedensgesellschaft im Sinne eines von jeder Konjunktur unbeeinflu\u00dften radikalen Pazifismus.<\/p>\n<h2 id=\"redebeitrag-dr-metzger-graz\" lang=\"de-DE\">Redebeitrag Dr. Metzger, Graz<\/h2>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"color: #240e05;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Dritte gemeinsame Mitgliederversammlung<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"CENTER\"><span style=\"color: #584133;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><b>Sonnabend, 14. Juni, 9 Uhr vormittags<\/b><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Dr. Metzger (Graz): Eine eigene politische Friedenspariei ist un\u00addurchf\u00fchrbar, wohl aber w\u00e4re dringend erforderlich ein politisches .Aktionsprogramm pazifistischer Arbeit und eine pazifistische AktionsvereinigungderParlamentarier allerParteien zur Durchdringung aller Parteien mit pazifistischem Geist.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Ein Recht eines Staates auf ein St\u00fcck Land gibt es nicht, ein Recht auf Land haben diejenigen, die es bewohnen, daher mu\u00df die unbedingteste staatliche Selbstbestimmung der klein\u00adsten staatlichen Verwaltungseinheit festgehalten werden, erg\u00e4nzt durch nationalen Minderheitenschutz und Freihandel.<\/span><\/p>\n<p><strong><span lang=\"de-DE\">Als besondere praktische Arbeit konkreter Art f\u00fcr die Friedens\u00adorganisationen empfehle ich die Durchf\u00fchrung des Esperanto in allen Vereinen, dadurch erhalten wir auch am ehesten internationle Beziehungen.<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">Mit dem Redner der unabh\u00e4ngigen Sozialisten gehe ich einig darin, da\u00df den pazifistischen Politikern auf die Finger gesehen werden mu\u00df, da Politik den pazifistischen Charakter verdirbt. Dazu sollte die Friedensgesellschaft eine Instanz der Pers\u00f6nlichkeiten schaffen, zu deren unbedingter Friedensgesinnung das gr\u00f6\u00dfte Vertrauen be\u00adrechtigt ist. Diese Instanz soll das Recht besitzen, in konkreten F\u00e4llen \u00fcber die Vereinbarkeit von politischen Handlungen mit pazifistischem Geist zu urteilen, in F\u00e4llen flagranter Verletzung des Pazifismus die Ausschlie\u00dfung aus der Friedens\u00adgesellschaft zu verf\u00fcgen.<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Dr. Metzger (Graz): Die Gewissenserforschung \u00fcber die Grund\u00adlage der Friedensbewegung mu\u00df zu einer Reinigung der Friedens\u00adbewegung von den Konjunktur- und Opportunit\u00e4ts-Pazifisten f\u00fchren. Pazifismus ist ein Glaube, eme Weltanschauung, durch die der Krieg, die Gewaltpolitik als unsittlich aufgefa\u00dft wird. Nur diejenigen, die auf diesem Standpunkt stehen und daher unbeeinflu\u00dft von jeder Konjunktur gegen den Krieg und f\u00fcr den V\u00f6lkerbund sind, k\u00f6nnen als Pazifisten aufgefa\u00dft werden, nur solche d\u00fcrfen als F\u00fchrer unserer Bewegung gelten. Auch die grunds\u00e4tzlichen Pazifisten haben w\u00e4hrend des Krieges, teils aus mangelnder Einsicht, teils aus vor\u00fcbergehender Schw\u00e4che, gro\u00dfe Fehler gemacht. Das mu\u00df ausdr\u00fccklich anerkannt werden, und ich schlage vor, in einer Resolution einerseits dankbar den guten Willen und Eifer in der Arbeit anzuerkennen, andererseits jedoch zu bedauern, da\u00df man vielfach auch in unserem Lager sich der Machtpsychose nicht hat entziehen k\u00f6nnen, schie\u00dflich den ent\u00adschlossenen Willen zur Durchf\u00fchrung des Radikalismus in der Frie\u00addensbewegung f\u00fcr die Zukunft zum Ausdruck zu bringen.<\/p>\n<p><span lang=\"de-DE\">In der Schuldfrage bin ich pers\u00f6nlich der Auffassung, da\u00df Deutschland den Hauptteil der Schuld am Ausbruch des Krieges tr\u00e4gt. Aber so klar und unbezweifelbar ist das nicht; so kommt es auch, da\u00df die Pazifisten in dieser Frage keineswegs einig sind. Man mu\u00df doch bedenken, mit welchem Raffinement die offiziellen Stellen das Volk hinters Licht gef\u00fchrt haben, wie schwer es gemacht wurde, Einblick in die Dinge zu erhalten. Daher ist jedenfalls eine neutrale Kommission zur einwandfreien Untersuchung der Schuldfrage be\u00adz\u00fcglich des Kriegsausbruchs notwendig.<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Andererseits halte ich jedoch die Frage der Schuld am Ausbruch des Krieges nicht f\u00fcr die wichtigste f\u00fcr die Friedensbewegung. Nicht derjenige tr\u00e4gt die Schuld an einer Schie\u00dferei, der den omin\u00f6sen ersten Schu\u00df abgibt, sondern derjenige, der die Situation verschuldet. Die treibenden Ursachen des Krieges vraren der imperialistische Kapitalismus und das System der internationalen Diplomatie. Ohne grunds\u00e4tzliche \u00dcberwindung des Kapitalismus ist kein Erfolg einer Friedensbewegung m\u00f6glich. Die Friedensbewegung mu\u00df das System der internationalen Diplomatie, den Machiavellismus \u00fcberwinden, als ethischen Grundsatz aufstellen, da\u00df das gleiche Sittengesetz gilt f\u00fcr die Beziehungen der V\u00f6lker wie der einzelnen Menschen, da\u00df Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit auch im Verh\u00e4ltnis der V\u00f6lker zueinander sittliche Pflicht ist. Das ist die einzige pazifistische Real\u00adpolitik.<\/p>\n<h2 id=\"redebeitrag-von-geh-kommerzien\" lang=\"de-DE\">Redebeitrag von Geh. Kommerzienrat Arnhold (Dresden):<\/h2>\n<p lang=\"de-DE\">Ich bin der friedfertigste Mensch unter der Sonne, und wenn ich mir das Wort erbeten habe, so geschah das nur, weil ich den innern Drang in mir f\u00fchle, die hochgehenden Wogen von gestern und heute etwas gl\u00e4tten zu helfen. Ich gestehe Ihnen aber ganz offen, da\u00df das nicht so sehr leicht ist, denn wenn ich auch ein Feind von Zwischenrufen bin, so konnte ich beim besten Willen nicht umhin, dem einen Herrn Redner aus Leipzig zuzurufen, da\u00df doch seine Freunde, die Unabh\u00e4ngigen,, die Kriegskredite mitbewilligt und die Hurrastimmung vom 4. August ebenfalls mitgemacht h\u00e4tten. Es ist gewi\u00dflich sehr erfreulich, den Kongre\u00df so zahlreich besucht und insbesondere eine au\u00dferordentlich gro\u00dfe Anzahl neuer Gesichter hier zu sehen. Aber andererseits haben diese neuen Herrschaften m. E. doch keinen Grund, nachdem sie erst auf dem Plan erschienen sind, als das Kind in den Brunnen gefallen war, nunmehr uns, den alten Pazifisten, Vorw\u00fcrfe ob unserer Unt\u00e4tigkeit zu machen. Ich gebe ihnen kurzerhand zu, da\u00df wir zweifellos noch mehr h\u00e4tten schaffen und wirken sollen, als tat\u00ads\u00e4chlich geschah. Aber w\u00e4hrend wir nur nicht gen\u00fcgend taten, n\u00e4mlich in den Jahren vor dem Krieg, haben sie doch total ge\u00adschlafen. Ein Grund f\u00fcr sie, uns Vorw\u00fcrfe zu machen, ist deshalb nicht am Platz. Man kann auch nicht gerade sagen, da\u00df das deutsche Pazifistentum allein versagt habe. Das Versagen liegt vielmehr beim Berner Bureau und da ganz naturgem\u00e4\u00df an dem Umstand, da\u00df das Bureau in Bern, der Vorsitzende Lafontaine aber in Br\u00fcssel sein Domizil hat. Ich habe oftmals vor dem Kriege in langen Konferenzen die Unzweckm\u00e4\u00dfigkeit dessen betont, denn Wirkliches schaffen kann&#8217; man nat\u00fcrlich nur dann, wenn man planvoll von einer St\u00e4tte aus arbeitet. Es ist tief bedauerlich, wenn man nun jetzt den Professor Sch\u00fccking und Professor Quidde und so viele andere, meinethalben auch mich, kurz alles alte Vork\u00e4mpfer des Pazifismus, wom\u00f6glich nicht mehr als Pazifisten gelten lassen will, w\u00e4hrend jeder einzelne nach seinen Kr\u00e4ften seine Schuldigkeit getan hat. Wenn ich von meiner Person reden darf, so habe ich z. B. in den kritischen Julitagen mich mit langen Telegrammen an Lafontaine und an den Sekret\u00e4r der amerikanischen pazifistischen Organisationen, Mr. Troeblood ge\u00adwendet und inst\u00e4ndig gebeten, man m\u00f6ge bei s\u00e4mtlichen in Frage kommenden Staaten intervenieren. Vermutlich sind die Telegramme gar nicht einmal an ihre Adressen gelangt. Ich habe dann weiter versucht, mit der Schweiz zu korrespondieren, die betreffenden Briefe sind mit dem Vermerk \u201eAbsendung wird von der Heeresleitung ver\u00adweigert\u201c an mich zur\u00fcckgekommen. Ich bin endlich nicht davor zur\u00fcckgeschreckt, in einer \u00f6ffentlichen Versammlung das Verhalten Amerikas als nicht unbegreiflich zu kennzeichnen, was mir Briefe aus der Heimat und aus dem Felde eingetragen hat des Inhalts, da\u00df&#8217; man mit Handgranaten zu mir kommen wollte, da\u00df ich mich sch\u00e4men sollte, mich einen Deutschen zu nennen usw. Ieh erw\u00e4hne das nur, [63] um zu sagen, da\u00df Kritisieren wirklich leichter ist als Bessermachen und da\u00df wir, statt uns gegenseitig zu befehden, uns vereinigen sollten, um es k\u00fcnftig besserzumachen. Wir wollen an einem Strange ziehen, suchen, die internationale pazifistische Organisation zu etwas Brauchbarem, Gro\u00dfem zu gestalten und uns von innerpolitischen Fragen fernhalten.<\/p>\n<p>Wenn ich noch ein Wort zur Schuldfrage sagen darf: so hat f\u00fcr mich von Beginn ab festgestanden, da\u00df ein gro\u00dfer, ja der wesent\u00adlichste Teil der Schuld auf Deutschland trifft. Ich habe mich dabei gest\u00fctzt darauf, da\u00df das Ultimatum an Serbien \u00fcberscharf gelautet hat, und da\u00df man sich mit der \u00c4ntwort nicht begn\u00fcgte, sondern bis auf das I-T\u00fcpfelchen die vorgeschriebene Antwort zu empfangen be\u00adgehrte, da\u00df man ferner den Greyschen Vorschl\u00e4gen auf eine Kon\u00adferenz eine direkte Ablehnung entgegengesetzt hat und da\u00df endlich die Kriegserkl\u00e4rungen von uns ausgegangen sind. Ich kann aber auf der andern Seite nicht verkennen, da\u00df, als Poincard seinerzeit zum Pr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt wurde, nicht nur bei uns und in anderen Staaten, sondern auch in Frankreich selbst man den Weltfrieden da\u00admit gef\u00e4hrdet sah. Ich kann auch den Mord von Serajewo nicht unter den Tisch fallen lassen, auch nicht den Umstand, da\u00df die Be\u00adwohner von Ostpreu\u00dfen sich gef\u00e4hrdet f\u00fchlten, ich kann auch nicht unter den Tisch fallen lassen das, was uns gestern hier von Herrn v. Hermann, der in der kritischen Zeit bei der deutschen Botschaft in London t\u00e4tig war, gesagt worden ist, und ich kann auch nicht unter den Tisch fallen lassen das, was uns General Montgelas heute bez\u00fcglich ganz bestimmter Telegramme berichtete, die an den kritischsten Tagen von hier nach Wien gerichtet worden sind. Ich halte aber auch in dieser Frage eine Einigung zwischen uns allen f\u00fcr erforderlich, und ich meine, da\u00df, wenn wir bez\u00fcglich der Schuld\u00adfrage uns begegnen wollen, das vielleicht so geschehen kann, da\u00df wir von grobfahrl\u00e4ssiger Handlungsweise unserer Regierung sprechen. Ich m\u00f6chte zum Schlu\u00df Sie nur nochmals bitten: Gehen wir in allem miteinander und nicht gegeneinander, denn Einigkeit macht stark, und nur so werden wir zur Erf\u00fcllung dessen kommen, was uns alle gleicherma\u00dfen beseelt, n\u00e4mlich zur Vermeidung so entsetzlicher Verh\u00e4ltnisse, die wir alle schaudernd durchleben mu\u00dften.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der\u00a0 \u00bbAchte Deutsche Pazifistenkongress\u00ab fand in Berlin vom 13. bis 15. Juni 1919 im Preu\u00dfischen Herrenhause (heute Sitz des Bundesrates in der Leipziger Strasse) statt. 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