{"id":7304,"date":"2019-08-03T12:14:57","date_gmt":"2019-08-03T11:14:57","guid":{"rendered":"https:\/\/esperanto.berlin\/?page_id=7304"},"modified":"2019-10-15T11:08:16","modified_gmt":"2019-10-15T10:08:16","slug":"borgius-biografio","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/borgius-biografio\/","title":{"rendered":"Borgius Biografio"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p class=\"western\">Den Namern Walter Borgius wird man in den \u00fcblichen Geschichtsschreibung des Esperanto kaum finden. Schliesslich ist er ein Renegat, ein Verr\u00e4ter, der zu der schmutzigen Konkurrenz (IDO) \u00fcbergelaufen ist. Mehr noch: In seiner Brosch\u00fcre \u00bbWarum ich Esperanto verliess\u00ab kritisiert er die sprachliche Substanz ebenso, wie den \u00bbMeisterkult\u00ab und den Konservativismus der Esperanto-Bewegung seiner Zeit.<\/p>\n<p class=\"western\">Auf dem Titelblatt seines Buches gibt er an, dass er der \u00bbbisherige Vizepr\u00e4sident der Ortsgruppe Berlin der Deutschen Esperanto-Gesellschaft\u00ab sei. Da er sich auf den III.\u00a0 (heute wird er als vierter gef\u00fchrt) <a href=\"https:\/\/eo.wikipedia.org\/wiki\/UK_1908\">Esperanto-Kongress in Dresden<\/a> vom 15. bis 22. Augsut 1908 bezieht, muss er sein Amt im Herbst 1908 niedergelegt haben. Zusammen mit vier weiteren, aber namentlich nicht genannten, Mitgliedern des Vorstands.<\/p>\n<p class=\"western\">Aus heutiger Sicht vermag man eher beurteilen k\u00f6nnen, ob seine Vorschl\u00e4ge etwas gebracht h\u00e4tten. Allerdings ist man von der Annahme einer Plansprache durch eine internationale Kommission heute weiter entfernt zu Beginn des 20. Jahrhunderts.<\/p>\n<p class=\"western\">Seine Ausf\u00fchrungen sind vor allem deswegen von Interesse, weil der die Fr\u00fchphase des Esperanto, etwas anders darstellt als die \u00fcberwiegend hagiographische Geschichtsschreibung der Esperanto-Welt. Man kann annehmen, dass er nicht aus zeitlicher Distanz berichtete, sondern frisch im Ged\u00e4chnis und entsprechende Dokumente zur Hand hatte.<\/p>\n<p class=\"western\">Er versucht zu ergr\u00fcnden, warum sich die Esperantisten derart \u00bbreformunwillig\u00ab auff\u00fchrten und durch ihre Sturheit letzlich die Annahme eine Weltsprache verzockt haben. Sp\u00e4ter wurde der \u00bbVerr\u00e4ter\u00ab Beaufront aufgebaut und von zahllosen \u00bbHistorikern\u00ab kolportiert.<\/p>\n<p class=\"western\">Es folgte eine Flut von Literatur zur Rechtfertigung der Rechtgl\u00e4ubigkeit.<\/p>\n<p class=\"western\">Einge geradezu hymnische Verehrung der \u00bbPerfektion\u00ab des Meisterwerks, Geniestreich.<\/p>\n<p class=\"western\">Anscheinend war Zamenhof, der ein bescheidener und zur\u00fcckhaltender Charakter geschildet wird, sehr stark von (franz\u00f6sischen) G\u00f6nnern abh\u00e4ngig. Immerhin hatten diese einen Vertrag mit dem Verlag Hachette ausgehandelt, der Zamenhof eine gewisse finanzielle Unabh\u00e4ngikeit garantierte. Allerdings bedeutete das auch eine Exklusiv-Recht dieses Verlags f\u00fcr die Schriften von Zamenhof.<\/p>\n<p>Borgius vermutet, dass der Widerstand gegen Reformen auch durch dieses kommerzielle Interesse motiviert war, das die bis dahin gedruckte Auflage nach einer Reform der Sprache zu Makulatur w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die meiste Zeit lebte Borgius in Gro\u00df-Lichterfelde bei Berlin in der Lorenzstr. 65. Als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des \u00bbHandelsvertragsvereins\u00ab hatte er ein B\u00fcro in Mitte, in dem auch zumindest eine Sitzung des \u00bbBundes f\u00fcr Mutterschutz\u00ab stattfand.<\/p>\n<p>Schon seit seiner Studentenzeit war er mit bedeutenden Intellektuellen vernetzt und durch die Mitarbeit in Organisationen (Bund f\u00fcr Mutterschutz, Bund Neues Vaterland) pers\u00f6nlich bekannt. Bei einigen kann man eine Sympathie f\u00fcr Esperanto oder das Konzept einer \u00bbWelthilfssprache\u00ab feststellen.<\/p>\n<p>Wikipedia nennt als Mitglieder des Bund Neues Vaterland (<span style=\"background-color: #99cc00;\">nachgewiesen<\/span> bei anderen nicht erforscht)<\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #000000;\"> <span style=\"font-family: Courier New;\"><span style=\"font-size: small;\">Friedrich Simon Archenhold, <span style=\"background-color: #99cc00;\">Walther Borgius<\/span>, Elsbeth Bruck, Minna Cauer, Hans Delbr\u00fcck, Albert Einstein, Kurt Eisner, <span style=\"background-color: #99cc00;\">Friedrich Wilhelm Foerste<\/span>r, <span style=\"background-color: #99cc00;\">Alfred Hermann Fried<\/span>, Hellmut von Gerlach, Rudolf Goldscheid, Paul Guttfeld, Arthur Holitscher, Harry Graf Kessler, Otto Lehmann-Ru\u00dfb\u00fcldt, Ernst Meyer, Georg Friedrich Nicolai, Paul Oestreich, Hans Paasche, Ludwig Quidde, Heinrich Rausch von Traubenberg, Ernst Reuter, Helene St\u00f6cker, Leopold von Wiese, Clara Zetkin und Stefan Zweig.<\/span><\/span><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p>So hat einer der Gr\u00fcndr des Bundes\u00a0 <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Georg_Graf_von_Arco\">Georg Graf von Arco<\/a> in der Mitte der 1920er Jahre die Versuche zur Einf\u00fchrung von Esperanto im Rundfunk interessiert verfolgt und unterst\u00fctzt. Er war Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Telefunken massgeblich an der Entwicklung der Sendetechnik beteiligt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Namern Walter Borgius wird man in den \u00fcblichen Geschichtsschreibung des Esperanto kaum finden. Schliesslich ist er ein Renegat, ein Verr\u00e4ter, der zu der schmutzigen Konkurrenz (IDO) \u00fcbergelaufen ist. 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