{"id":7531,"date":"2019-10-06T08:31:24","date_gmt":"2019-10-06T07:31:24","guid":{"rendered":"https:\/\/esperanto.berlin\/?page_id=7531"},"modified":"2019-10-06T09:19:43","modified_gmt":"2019-10-06T08:19:43","slug":"peus-1907-soz-monatsheft","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/borgius-biografio\/peus-1907-soz-monatsheft\/","title":{"rendered":"Peus 1907 in den Sozialistischen Monatsheften"},"content":{"rendered":"<p>Etwa zeitgleich, als <a href=\"https:\/\/esperanto.berlin\/borgius-biografio\/\">Walter Borgius<\/a> seine kleine Schrift <a href=\"https:\/\/esperanto.berlin\/borgius-biografio\/borgius-weltsprache-problem\/\">Das Weltsprache Problem<\/a> ver\u00f6ffentlichte, wurde von einem anderen Sozialdemokraten in den \u00bbSozialistischen Monatsheften\u00ab (dem Nachfolger der Zeitschrift &#8220;Der Sozialistische Akademiker) in dem Borgius einst selbst publiziert hatte) eine Aufforderung an die Arbeiter, sich mit Esperanto zu besch\u00e4ftigen, ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Ihr Autor <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heinrich_P%C3%ABus\">Heinrich Peus<\/a> war zu dieser Zeit Redakteur des <i>Volksblattes f\u00fcr Anhalt<\/i> und anderer sozialdemokratische Zeitungen. Er setzte sich f\u00fcr Bodenreform ein, gr\u00fcndete einen Konsum- und einen Sparverein. Er verstand sich als Monist und sympathisierrte mit der Abstinenzbewegung. Damit entsprach er einem h\u00e4ufigen Muster damaligen Esperanto-Bewegung. Allerdings wechselte er bald zu IDO und wird deshalb vergessen.<\/p>\n<p>Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat im eine Festschrift gewidmet (<a href=\"http:\/\/library.fes.de\/pdf-files\/historiker\/10888.pdf\">Ein Politiker aus dem Kraftfeld der Moderne PDF<\/a>), in der seine Rolle bei der Etablierung des \u00bbBauhaus\u00ab in Dessau als Folge seines Engagements f\u00fcr Bodenreform ausgef\u00fchrt wird. Es heisst dort: <em>Ohne Heinrich Peus w\u00e4re das Bauhaus wohl nicht nach Dessau gekommen. Und ohne das Bauhaus in Dessau w\u00fcrde sich das Land Sachsen-Anhalt heute nicht zum Land der Moderne bekennen. Etwa 75 Jahre sp\u00e4ter wurde das Bauhaus zum Weltkulturerbe erkl\u00e4rt<\/em>. Auch seine sprachlichen Interessen werden erw\u00e4hnt: <em>Peus engagierte sich dar\u00fcber hinaus f\u00fcr die internationale Verst\u00e4ndigung. Er <span class=\"\">setzte sich zun\u00e4chst f\u00fcr die Kunst<span class=\"highlight selected\">sprache<\/span> Esperanto und sp\u00e4ter f\u00fcr Ido ein, \u00fcber<\/span>nahm Funktionen in der Ido-Gesellschaft und entwarf eine Ido-Kurzschrift.<\/em><\/p>\n<p>Die Rolle von Peus wurde schon 2004 von der <a href=\"http:\/\/www.sehepunkte.de\/2004\/09\/druckfassung\/6478.html\">Zeitschrift \u00bbsehpunkte\u00ab<\/a> gew\u00fcrdigt, die schreibt: <em>Die gro\u00dfe Entdeckung dieser Arbeit ist zweifellos Heinrich Peus, Organisator der anhaltischen SPD und Partner des Dessauer B\u00fcrgermeisters Fritz Hesse in der sozialliberalen Koalition, die Dessau bis 1933 regiert. Peus setzt sich neben Hesse f\u00fcr die \u00dcbersiedelung des Bauhauses nach Dessau ein und ist an den meisten der genannten Entwicklungen beteiligt &#8211; nicht zuletzt als Redakteur des &#8220;Volksblattes f\u00fcr Anhalt&#8221;. Das Wenige, was \u00fcber Peus bekannt war, entstammte vor allem Hesses Autobiografie &#8211; w\u00e4hrend Scheiffele auf Grund von unver\u00f6ffentlichten Quellen und Zeitungsartikeln ein umfassendes Lebensbild entwirft.<\/em><\/p>\n<p>Er hat sogar etwas in IDO ver\u00f6ffentlicht:<\/p>\n<p>Die Weltsprache IDO. La mondolinguo. (=Zweisprachige Bibliothek in deutscher u. in Weltsprache; Nr. 1), Dessau, Selbstverlag, 1914<\/p>\n<p>Mensch und Sonne: Homo e suno, Ed. Unesma, 1917 &#8211; 31 Seiten<\/p>\n<p>Deutscher Monistenbund, Band 10 von Zweisprachige Bibliothek in internationaler und in deutscher Sprache<\/p>\n<p>Das Problem der Weltsprache. La problemo dil mondolinguo. (=Zweisprachige Bibliothek in deutscher u. in Weltsprache; Nr. 27).<br \/>\nDessau, Ido-Verlag, 1922.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7536\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Peus-Intro.png\" alt=\"\" width=\"1515\" height=\"895\" \/><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"de-DE\">Die Schaffung einer internationalen Weltsprache, die auf dem ganzen Erdenrund Anerkennung f\u00e4nde, d\u00fcnkt den meisten Menschen ein ganz unm\u00f6gliches Ding. Besonders die, die sich mit der Frage nicht n\u00e4her befasst haben, pflegen es als eine ganz tolle Utopisterei zu bezeichnen, wenn man \u00fcberhaupt ein solches Ziel steckt. Das r\u00fchrt aber in der Hauptsache daher, dass das Problem nicht klar, nicht richtig vorgestellt wird. Es sei daher gleich hier ausdr\u00fccklich festgelegt: Es handelt sich <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">nicht <\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"de-DE\">um Verdr\u00e4ngung und Ersetzung der vielen auf nat\u00fcrliche Weise entstandenen Nationalsprachen durch eine einzige, die f\u00fcr alle V\u00f6lker zu gelten h\u00e4tte, son\u00addern das Ziel ist <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">neben<\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"de-DE\"> den unber\u00fchrt bleibenden Nationalsprachen eine k\u00fcnstliche Hilfssprache zu schaffen, die zwischen den Nationalsprachen als eine auf dem ganzen Erdenrund von jedem einigermassen gebildeten Men\u00adschen verwandte Br\u00fccke als Bindeglied zu dienen h\u00e4tte, so dass jeder Mensch, der \u00fcber den Rahmen seiner Nationalsprachc hinausgehen wollte, zun\u00e4chst diese eine Hilfssprache zu erlernen h\u00e4tte, um dann erst nach Belieben sich dem Studium der anderen Nationalsprachen zuzuwenden.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"de-DE\">Auch die <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">Schrift<\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"de-DE\"> ist auf dem Wege nat\u00fcrlicher Entwickelung entstanden. Eine Weltschrift, die f\u00fcr den selben Laut \u00fcberall das selbe Zeichen setzen w\u00fcrde, w\u00e4re auch etwas K\u00fcnstliches. Wer aber wollte behaupten, dass das etwas rein Unm\u00f6gliches w\u00e4re? Jedenfalls ist klar, dass das Problem solcher <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">zweiten<\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"de-DE\"> internationalen Hilfs<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"de-DE\">sprache ein unendlich viel einfacheres ist als das ganz unl\u00f6sbare der Schaffung einer Sprache \u00fcberhaupt f\u00fcr den ganzen Erdball. Durch die Wahl einer solchen Hilfssprache w\u00fcrde vor allem mit einem Schlage alle Eifers\u00fcchtelei zwischen den verschiedenen Nationalsprachen aus der Welt geschafft, da sogar jede nat\u00fcrliche Sprache in der zweiten k\u00fcnstlichen Hilfssprache einen gewissen Schutz f\u00e4nde. Die eine Sprache w\u00fcrde nicht mit der andern k\u00e4mpfen, vielmehr w\u00fcrde die Hilfs\u00adsprache als freundliche Vermittlerin zwischen beiden stehen. Andrerseits aber will die Hilfssprache auch nur dem gebildeten, dem kultivierten Teile der Menschheit Dienste leisten, diesen allerdings im weitesten Sinne gedacht.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\">Jede k\u00fcnstliche Sprache kann einfacher, also leichter als jede nat\u00fcrliche sein. Keine nat\u00fcrliche Sprache ist ein Ausdruck einheitlicher Logik, aus dem ein\u00adfachen Grunde, weil alle nat\u00fcrlichen Sprachen Sch\u00f6pfungen von Millionen K\u00f6pfen sind, die sich \u00fcber das, was sie schufen, nicht vorher einigten, also auch kein Werk einheitlicher Systematik zu st\u00e4nde bringen konnten. Eine k\u00fcnst\u00adliche, von einem genialen Kopf geschaffene Sprache kann diese logische Ge\u00adschlossenheit und Einheitlichkeit haben und damit eine ausserordentlich leichte Erlernbarkeit gewinnen. Die Sprache ist der Ausdruck des Denkens, und da (das Denken an feste, scharf von einander geschiedene Begriffe und deren eindeutige Beziehungen zu einander gebunden ist, so ist das Ziel und kann es sein ganz bestimmte Ausdrucksregeln zu schaffen, f\u00fcr die es keine Aus\u00adnahmen gibt.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span lang=\"de-DE\">Von dieser Aufgabe ging Dr. L. Zamenhof aus Bialystok in Polen aus. Die vier Nationen, die in diesem durch den <\/span><span lang=\"de-DE\">Pogrom<\/span><span lang=\"de-DE\"> in traurigem Andenken stehenden Orte neben einander leben (Polen, Russen, Deutsche und Juden), sind gleichsam der soziale Boden, aus dem Zamenhof das Problem erwuchs. Zamenhof schuf f\u00fcr die aus einer Wortwurzel abzuleitenden Wortarten ganz bestimmte sich stets gleich bleibende Endungen: <\/span><span lang=\"de-DE\">o<\/span><span lang=\"de-DE\"> f\u00fcr das Substantiv: <\/span><span lang=\"de-DE\">amo (\u2014<\/span><span lang=\"de-DE\"> Liebe), <\/span><span lang=\"de-DE\">a<\/span><span lang=\"de-DE\"> f\u00fcr das Adjektiv: <\/span><span lang=\"de-DE\">granda (\u2014<\/span><span lang=\"de-DE\"> gross), <\/span><span lang=\"de-DE\">e <\/span><span lang=\"de-DE\">f\u00fcr das Adverbium: <\/span><span lang=\"de-DE\">bele <\/span><span lang=\"de-DE\">(= sch\u00f6n), <\/span><span lang=\"de-DE\">i<\/span><span lang=\"de-DE\"> f\u00fcr das Verbum im Infinitiv: a<\/span><span lang=\"de-DE\">mi<\/span><span lang=\"de-DE\"> (\u2014lieben). <\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span lang=\"de-DE\">Die Mehrzahl\u00adbildung l\u00e4sst er einheitlich durch angeh\u00e4ngtes j, die Akkusativbildung durch angeh\u00e4ngtes <\/span><span lang=\"de-DE\">n<\/span><span lang=\"de-DE\"> zu st\u00e4nde kommen. Genetiv und Dativ finden ihren Ausdruck durch die Pr\u00e4position <\/span><span lang=\"de-DE\">de<\/span><span lang=\"de-DE\"> und <\/span><span lang=\"de-DE\">al.<\/span><span lang=\"de-DE\"> Alle Pr\u00e4positionen regieren den Nominativ, nur die Richtung <\/span><span lang=\"de-DE\">Wohin?<\/span><span lang=\"de-DE\"> wird, falls dieser Begriff nicht schon in der Pr\u00e4\u00adposition selbst liegt <\/span><span lang=\"de-DE\">(al<\/span><span lang=\"de-DE\"> \u2014 zu, \u011d<\/span><span lang=\"de-DE\">is<\/span><span lang=\"de-DE\"> = bis) durch den Akkusativ ausgedr\u00fcckt. Beim Verbum finden Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft, Bedingungsform und Wunschform ihren f\u00fcr jede Zahl und <\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"de-DE\">P<\/span><\/span><\/span><span lang=\"de-DE\">erson sich gleich bleibenden Aus\u00addruck in den Endungen <\/span><span lang=\"de-DE\">as, is, os, ns, n.<\/span><span lang=\"de-DE\"> Die aktiven respektive passiven Parti\u00adzipien der Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft werden unterschieden durch die Endungen <\/span><span lang=\"de-DE\">anta, inta, onta, ata, ita, ota.<\/span><span lang=\"de-DE\"> Damit ist nahezu alles gesagt, was <\/span><span lang=\"de-DE\">hinsichtlich <\/span><span lang=\"de-DE\">der Grammatik gesagt werden muss. Das \u00dcbrige ist Auswendiglernen einer Anzahl unver\u00e4nderlicher W\u00f6rter. Man schreibt genau wie man <\/span><span lang=\"de-DE\">spricht <\/span><span lang=\"de-DE\">und <\/span><span lang=\"de-DE\">spricht <\/span><span lang=\"de-DE\">genau wie man schreibt. Der Ton liegt immer auf der <\/span><span lang=\"de-DE\">vorletzten Silbe.<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span lang=\"de-DE\">Von grosser Bedeutung ist ferner die h\u00f6chst geniale Wortbildungslehre, auf grund deren mit wenigen Pr\u00e4fixen und Suffixen aus den Wortst\u00e4mmen eine unermessliche Zahl W\u00f6rter abgeleitet werden, so dass also das Ged\u00e4chtnis ausserordentlich wenig belastet wird. So wird aus dem Wortstamm <\/span><span lang=\"de-DE\">frat<\/span><span lang=\"de-DE\"> ge\u00adbildet <\/span><span lang=\"de-DE\">frato<\/span><span lang=\"de-DE\"> = Bruder, <\/span><span lang=\"de-DE\">frata<\/span><span lang=\"de-DE\"> \u2014 br\u00fcderlich, <\/span><span lang=\"de-DE\">frate<\/span><span lang=\"de-DE\"> = br\u00fcderlich (Adverbium), <\/span><span lang=\"de-DE\">fratino \u2014<\/span><span lang=\"de-DE\"> Schwester, <\/span><span lang=\"de-DE\">frateto \u2014<\/span><span lang=\"de-DE\"> Br\u00fcderchen, <\/span><span lang=\"de-DE\">fratineto \u2014<\/span><span lang=\"de-DE\"> Schwesterchen, <\/span><span lang=\"de-DE\">bofrato =<\/span><span lang=\"de-DE\"> Schwager, <\/span><span lang=\"de-DE\">bofratino<\/span><span lang=\"de-DE\"> = Schw\u00e4gerin, <\/span><span lang=\"de-DE\">frateco =<\/span><span lang=\"de-DE\"> Br\u00fcderlichkeit, <\/span><span lang=\"de-DE\">gefratoj<\/span><span lang=\"de-DE\"> = Bruder und Schwester. Bei anderen St\u00e4mmen k\u00f6nnten wir noch viel zahlreichere Ableitungen aufweisen. Die Frage des Wortschatzes hat Zamenhof in der Weise gel\u00f6st, dass er die Wortwurzeln m\u00f6glichst unver\u00e4ndert den heutigen Hauptkultursprachen entnahm, so dass jede Nation eine grosse An\u00adzahl ihr v\u00f6llig vertrauter Wortst\u00e4mme vorfindet, wodurch gleichzeitig den einzelnen Nationen die Br\u00fccke zu den anderen Nationalsprachen auf die nat\u00fcr\u00adlichste Weise von der Welt geschlagen wird.<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span lang=\"de-DE\">Die \u00fcberaus einfache Grammatik, die regul\u00e4re Wortbildung und die Wahl der Wortst\u00e4mme machen Zamenhofs Welthilfssprache zu einer Sprache, die jedem einigermassen gebildeten Menschen zug\u00e4nglich ist. Es gibt keinen mit st\u00e4dti\u00adscher Volksschulbildung ausger\u00fcsteten Arbeiter von einiger Intelligenz, dem es besonders schwer werden k\u00f6nnte Esperanto (auf Deutsch <\/span><span lang=\"de-DE\">Der Hoffende, <\/span><span lang=\"de-DE\">unter welchem Pseudonym Zamenhof zuerst seine Sch\u00f6pfung ver\u00f6ffentlichte) zu erlernen. Insbesondere aber kann es nicht die geringste Schwierigkeit machen auf der Schule, auch auf der Volksschule, etwa im letzten Schuljahre Esperanto zu lehren. Wenn jeder fremdsprachliche Unterricht zugleich ein praktischer Unterricht in der Logik ist, dann auch sicher der in Zamenhofs Hilfssprache. Jedes 13 j\u00e4hrige Schulkind mit Durchschniftsintelligenz kann in einem Schuljahr so viel von der Welthilfssprache lernen, um ein unvergessliches Fundament f\u00fcr die Weiterbildung zu schaffen.<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\">Wenn das aber alles wahr ist, dann haben wir Sozialdemokraten die aller\u00adst\u00e4rkste Veranlassung auf die Verbreitung des Esperanto in jeder Weise hin\u00adzuwirken. Denn eine internationale Hilfssprache kann gerade uns die gr\u00f6ssten Vorteile bieten. Ich bitte bei dem folgenden vor allem an die f\u00fchrenden Per\u00adsonen der Arbeiterbewegung (Schriftsteller, Redakteure, Parteisekret\u00e4re, Ar\u00adbeitersekret\u00e4re, Gewerkschafts- und Genossenschaftsbeamten usw.) zu denken, obwohl ich die Bedeutung der Sache keinesfalls auf diese beschr\u00e4nkt wissen m\u00f6chte. Sie aber k\u00f6nnen den gr\u00f6ssten Vorteil davon haben.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"de-DE\">Der erste Vorteil w\u00e4re die Schaffung internationaler Revuen \u00fcber die zahl\u00adreichen Zweige der Arbeiterbewegung. Welch grosse Bedeutung m\u00fcsste es haben, wenn wir auf die Weise internationale Zeitschriften bek\u00e4men, an denen Genossen aller L\u00e4nder auf dem Erdenrund mitarbeiteten! Wie wichtig w\u00e4re diese Mitarbeit wegen ihrer Originalit\u00e4t! Die Genossen schrieben unmittelbar aus den ihnen bekannten Verh\u00e4ltnissen heraus. Und die Existenzm\u00f6glichkeit solcher Revuen scheint gesichert, weil die ganze Welt die Abonnenten stellen w\u00fcrde. Wollte man cinwenden, es sei nicht m\u00f6glich in der k\u00fcnstlichen Sprache, die nicht organisch mit einem verwachsen sei, so gewandt zu Schriftstellern wie in der Muttersprache, so ist das ein grosses Vorurteil. Die mehr als 30 esperan- tistischen Zeitschriften, die schon existieren, beweisen das Gegenteil. Und das w\u00fcrde noch ganz anders werden, wenn die Hilfssprache schon auf der Schule gelehrt w\u00fcrde, was im Auslande schon vielfach geschieht. Unser ganzes Wissen <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\"><b>von <\/b><\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"de-DE\">den politischen und sozialen Zust\u00e4nden, den Parteiverh\u00e4ltnissen des Aus<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"de-DE\">landes k\u00f6nnte dadurch mindestens f\u00fcr viele Tausende unserer Parteigenossen, insbesondere f\u00fcr alle f\u00fchrenden Genossen, ganz ausserordentlich erweitert wer\u00adden. Dass wir heute vom Auslande nur sehr wenig wissen, dass von diesem Wenigen obendrein die verkehrtesten Vorstellungen obwalten, wird wohl jeder zugeben. Dass wir aber durch genauere Kenntnis des Auslandes viel Agitations\u00adstoff gew\u00f6nnen, dass das ganze Weltbewusstsein der Parteigenossen dadurch m\u00e4chtig gehoben w\u00fcrde, auch das wird jeder begreifen. Der erste Ansatz zu einer internationalen sozialistischen Revue ist durch die <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\"><i>Internacia Socia Rez&#8217;uo <\/i><\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"de-DE\">gegeben, doch geben wir zu, dass dieser Anfang noch wenig Wert hat. da bisher mehr Esperantisten als Sozialisten in ihr schreiben. Erst wenn die berufenen Interpreten des Sozialismus Esperanto schreiben, wird diese Revue zu einer wirklich sozialistischen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\">Ein zweiter Vorteil w\u00e4re der wichtige Schriften des internationalen Sozialis\u00admus durch \u00dcbersetzen in die Welthilfssprache der ganzen Kulturwelt zug\u00e4nglich machen zu k\u00f6nnen. Man bedenke, dass die Frage der finanziellen M\u00f6glichkeit solcher \u00dcbersetzung, falls auf ein \u00fcber den ganzen Erdball verbreitetes Pu\u00adblikum gerechnet werden kann, weit schneller gel\u00f6st ist. Wieviel Aufs\u00e4tze und Schriften des internationalen Sozialismus k\u00f6nnten dadurch vor ein ganzes Welt\u00adpublikum gebracht werden ! Obendrein ist die \u00dcbersetzung ins Esperantistische leichter als in jede Nationalsprache, wie umgekehrt niemand eine National\u00adsprache leichter als Esperanto lesen kann, wenn er nur einige Monate darauf verwendet hat. Sodann bedenke man stets, dass uns die Welthilfssprache die ganze Welt, eine Nationalsprache aber nur einen ihrer Teile erschliesst.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"de-DE\">Ein dritter Vorteil, der uns durch Esperanto geboten werden k\u00f6nnte, w\u00e4re eine sehr erhebliche Erleichterung unserer internationalen Arbeiterkongresse. Zu\u00adn\u00e4chst w\u00fcrde jede schriftliche Auslassung einer Nation, wenn \u00fcberhaupt in einer \u00dcbersetzung, dann in Esperanto geboten. Sodann aber w\u00fcrde das sehr wichtige Privatgespr\u00e4ch zwischen den Angeh\u00f6rigen der verschiedenen Nationen durch Benutzung des Esperanto ungemein erleichtert werden. Man h\u00e4tte gleich\u00adsam den Dolmetscher immer bei sich. Und endlich w\u00e4re es m\u00f6glich bei der offiziellen Debatte statt der \u00dcbersetzung in zwei der drei Sprachen Deutsch, Franz\u00f6sisch und Englisch, <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">eine<\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"de-DE\"> \u00dcbersetzung in Esperanto zu geben, die dann gleichzeitig weit besser von allen verstanden w\u00fcrde. Denn sobald Esperanto als offizielle Kongresssprache angenommen w\u00e4re, w\u00fcrden wohl alle nur einiger\u00admassen im Vordergr\u00fcnde stehenden Sozialisten sich der geringen M\u00fche unter\u00adziehen Esperanto zu lernen. Auf die Dauer w\u00fcrde es sogar m\u00f6glich werden, dass jeder Redner nur in der Hilfssprache redete. Dass das m\u00f6glich ist, haben die bisherigen Esperantistenkongresse in Genf, Bologna und Cambridge be\u00adwiesen, und der Kongress in Dresden am 16. August dieses Jahres wird es aufs neue beweisen. Dass solche Kongresse in <\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">einer<\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span lang=\"de-DE\"> Sprache sehr viel erfreu\u00adlicher verlaufen m\u00fcssen als die heutigen mit ihrem umst\u00e4ndlichen \u00fcbersetzungs\u00adverfahren, liegt auf der Hand. Es ist nichts als ein grosses Vorurteil zu meinen, man k\u00f6nne in der Hilfssprache nicht ebenso klar und energisch sich ausdr\u00fccken wie in der Muttersprache. Das ist nur Sache der \u00dcbung. Wenn die Hilfssprache neben der Muttersprache erst eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit ge\u00adworden ist, wird sich auch die erforderliche Gewandtheit im Ausdruck ein- stcllen. Was unsere heutigen Kongressdolmetscher darin leisten, werden die Esperantisten ganz sicher fertig bringen.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\">Es ist hier nicht der Ort alle die Vorteile aufzuz\u00e4hlen, die die Welthilfssprache sonst noch bieten kann. Nur auf einen Umstand sei noch hingewiesen, der uns als internationale Sozialdemokraten besonders angeht. Es ist gewiss, dass die mangelnde Kenntnis fremder Sprachen f\u00fcr die Arbeiterklasse ein schweres Hemmnis bedeutet, durch das ihre soziale Geltung sehr gemindert wird.. Esperanto, das jedem intelligenten Arbeiter zug\u00e4nglich ist, k\u00f6nnte diesen Mangel in hohem Grade ausgleichen. Auch f\u00fcr die Arbeiterschaft wird durch die Welthilfssprache eine Br\u00fccke zu den fremden Nationen geschlagen, und zwar erfreulicherweise gleich zu allen. Und diese Br\u00fccke brauchte nicht nur dem rein geistigen Verkehr reserviert zu bleiben. Durch die Verbreitung der Hilfssprache \u00fcber alle L\u00e4nder w\u00fcrde das dem einzelnen Arbeiter zug\u00e4ngliche Wirtschaftsgebiet auf die ganze Erde erweitert. Heute bleibt der Arbeiter im Bezirk seiner Nationalsprache. Er scheut vor der Einwanderung in andere L\u00e4nder wegen der sprachlichen Schwierigkeiten zur\u00fcck. Wie klein ist deshalb das Vaterland des Arbeiters in Europa gegen\u00fcber dem des amerikanischen Ar\u00adbeiters ! Durch Esperanto k\u00f6nnte solch ein durch keine sprachlichen Schwierig\u00adkeiten begrenztes, weiteres Vaterland auch dem europ\u00e4ischen Arbeiter er\u00f6ffnet werden, wie es f\u00fcr den Grosskapitalisten heute schon tats\u00e4chlich besteht. Die Bedenken, die gegen die unbeschr\u00e4nkte internationale Freiz\u00fcgigkeit der Arbeiter vom gewerkschaftlichen Standpunkt aus bestehen, und die unsere inter\u00adnationalen Kongresse in immer steigendem Masse besch\u00e4ftigen werden, wiegen f\u00fcr die Esperanto sprechenden Arbeiter leichter, weil sie schon einen h\u00f6heren Bildungsgrad darstellcn, daher nicht zu Lohndr\u00fcckern pr\u00e4destiniert sind, und weil ihre Einreihung in die Organisation geringere Schwierigkeiten macht. Ge\u00adrade die Bedeutung, die die Welthilfssprache f\u00fcr die Arbeiterklasse nach dieser Richtung hin gewinnen kann, sollte uns Sozialdemokraten veranlassen uns mit Eifer auf die Propaganda f\u00fcr Esperanto zu werfen. Welche Erweiterung des Gesichtskreises, welche Befreiung der Gem\u00fcter kann der Arbeiterklasse am solcher Vergr\u00f6sserung ihres Arbeitsgebietes erwachsen, wenn auch nur eine Elite der Arbeiter Erfahrungen und Eindr\u00fccke in aller Welt sammelt, was durch die Welthilfssprache erm\u00f6glicht w\u00fcrde. Wer durch eigenes Schauen und Er\u00adfahren freiheitlichere Einrichtungen des Auslandes kennen und sch\u00e4tzen lernte, ist sicher ein besserer K\u00e4mpfer f\u00fcr Rechte und Freiheiten des Volkes als wer durch Gew\u00f6hnung stumpf geworden die Ketten der Unfreiheit als etwas Un\u00advermeidliches hinnimmt.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span lang=\"de-DE\">Ich empfehle aus allen diesen Gr\u00fcnden jedem Parteigenossen, besonders aber den j\u00fcngeren, die Erlernung des Esperanto. Wer erst einmal einige Wochen darauf verwandte, der l\u00e4sst nicht wieder davon ab. Ein hervorragendes Mittel der Propaganda f\u00fcr das Esperanto in Parteikreisen w\u00e4re es, wenn in unseren Zeitschriften immer auch ein in Esperanto geschriebener Artikel erschiene. M\u00f6glicherweise w\u00fcrde der Abonnentenkreis dadurch nicht wenig erweitert. Artikel ausl\u00e4ndischer sozialistischer Zeitschriften k\u00f6nnten den Stoff dazu bieten. Das Zentralorgan der englischen Genossenschaften hat, wie den Lesern der <\/span><span lang=\"de-DE\">Sozialistischen Monatshefte<\/span><span lang=\"de-DE\"> in der letzten genossenschaftlichen Rundschau mitgeteilt wurde, diesen Weg bereits beschritten. Es w\u00e4re meines Erachtens erfreulich, wenn wir Deutsche diesem Beispiel folgten.<\/span><\/p>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Etwa zeitgleich, als Walter Borgius seine kleine Schrift Das Weltsprache Problem ver\u00f6ffentlichte, wurde von einem anderen Sozialdemokraten in den \u00bbSozialistischen Monatsheften\u00ab (dem Nachfolger der Zeitschrift &#8220;Der Sozialistische Akademiker) in dem Borgius einst selbst publiziert hatte) eine Aufforderung an die Arbeiter, &hellip; <a href=\"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/borgius-biografio\/peus-1907-soz-monatsheft\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":20,"featured_media":0,"parent":7304,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/Par8jA-1Xt","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7531"}],"collection":[{"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/20"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7531"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7531\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7543,"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7531\/revisions\/7543"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7304"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7531"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}