{"id":10060,"date":"2024-04-24T21:13:47","date_gmt":"2024-04-24T20:13:47","guid":{"rendered":"https:\/\/esperanto.berlin\/?p=10060"},"modified":"2024-05-01T22:00:57","modified_gmt":"2024-05-01T21:00:57","slug":"metzger-kaj-esperanto","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/metzger-kaj-esperanto\/","title":{"rendered":"Metzger &#038; Esperanto"},"content":{"rendered":"<p>Der Pfarrsaal von St. Joseph in der Willdenowstr. 8 war am Freitag, den 19. April, gut gef\u00fcllt. Nach der Abendmesse waren um 19.00 Uhr recht viele Mitglieder der Gemeinde gekommen, die einen Vortrag \u00fcber die Bedeutung von Esperanto im Leben von Max Josef Metzger h\u00f6ren wollten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10062 alignleft\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/programm119April.jpg\" alt=\"\" width=\"375\" height=\"257\" \/>Die ganze Woche hatte es rund um den Todestag am 17. April Gottesdienste, einen Rundgang im Kiez, die Er\u00f6ffnung einer Ausstellung in der Krypta und eine Kranzniederlegung an der Gedenktafel gegeben.<br \/>\nIn der Einladung war Espereranto ausdr\u00fccklich erwahnt worden: <strong>Stark engagierte sich Metzger in dieser Zeit auch f\u00fcr die<\/strong><br \/>\n<strong>internationale Kunstsprache Esperanto, in der er ein Gegenmodell zum Nationalismus jener Zeit sah.<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-7079\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/PazifKongr1919Titel.jpg\" alt=\"\" width=\"286\" height=\"267\" \/>In seinem Vortrag ging Roland Schnell nicht nur auf die Zeit in Graz als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Kreuzb\u00fcndnisses ein, sondern erw\u00e4hnte auch seinen Auftritt beim 8. deutschen Pazifistenkongress in Berlin, wo er sagte, was im Protokoll vermerkt ist: <strong>Als besondere praktische Arbeit konkreter Art f\u00fcr die Friedens\u00adorganisationen empfehle ich die Durchf\u00fchrung des Esperanto in allen Vereinen, dadurch erhalten wir auch am ehesten internationle Beziehungen.<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7094 alignleft\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Graz-Geb\u00e4ude.jpg\" alt=\"\" width=\"274\" height=\"184\" \/>Metzger war von Prof. Ude nach Graz geholt worden, da beide \u00e4hnliche Ansichten in der Friedens- und in der Abstinenzfrage teilten. Eine Reihe von Organisationen bezog B\u00fcros in einem Geb\u00e4ude am Karmeliterplatz\u00a0 und bei vielen war Metzger als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer genannt: Etwa beim Paulusverlag oder beim &#8220;Weltfriedenswerk zum Wei\u00dfen Kreuz&#8221;. Eine Postgkarte zeigt das Haus mit der Bezeichung in Esperanto.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-7150\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/KathJugZ1919Jun-1.jpg\" alt=\"\" width=\"278\" height=\"393\" \/><\/p>\n<p>In Graz bestand eine seiner vielen Aufgaben in der Betreuung von Jugendlichen des &#8220;Schutzengelbundes&#8221; unter anderem als Redakteur der &#8220;Katholischen Jugendzeitung. In dieser Funktion hielt er Vortr\u00e4ge, \u00fcber die die Tagespresse lobend berichtete. Er sprach kaum \u00fcber theologische Fragen sondern in jugendgerechter Weise \u00fcber Fragen des t\u00e4glichen Lebens, \u00fcber Politik und Naturwissenschaft.<\/p>\n<p>Hier erw\u00e4hnte er in einem Bericht \u00fcber eine internationale Tagung in der Schweiz zum ersten Mal Esperanto. Das scheint bei den jugenlichen Lesern auf ein derartiges Interesse gesto\u00dfen zu sein, da\u00df bald ein Esperantokurs in dieser monatlichen Zeitschrift eingerichtet wurde.<\/p>\n<p>Im Jahr 1920 bereitete er eine Reise in die Niederlande vor, wo er an verschiedenen Kongressen teilnehmen wollte. In Den Haag fand im August der Esperanto Weltkongress statt, der erste nach dem Weltkrieg, und zeitgleich der VI. katholische Esperanto-Kongress. Davor nahm er an einem \u00d6komenischen Kongress teil und danach mu\u00dfte er sofort weiter zu einem Kongress der internationalen Abstinenzbewegung.<\/p>\n<p>In der katholischen Esperanto-Bewegung stand eine Reform der in die Jahre gekommenen Organisation IKUE (Internacia Katolika) an. Metzger hatte eine Fusion mit dem von ihm geleiteten &#8220;Weltfriedenswerk vom Wei\u00dfen Kreuz&#8221; vorbereitet. In den Sitzungen des VI. Katholischen Esperanto-Kongresses wurde diese Idee begeister aufgegriffen und schlie\u00dflich eine Organisation namens &#8220;Internacio Katolika&#8221; gegr\u00fcndet, die ein Gegengewicht zur Kommunistischen oder Sozialistischen Internationale bilden sollte.<\/p>\n<p>Nach einigen Monaten der Aufbruchstimmung tr\u00fcbte sich das Verh\u00e4ltnis im Jahr 1921, da man im Vorstand von IKUE meinte, das alles sei so nicht gemeint. Eine wesentliche Rolle spielte dabei die Rolle der Mitgliederzeitschrift, als die bei IKUE die \u00f6konomisch angeschlagene &#8220;Espero Katolika&#8221; diente. Metzger wurde vorgeworfen, da\u00df er mit der &#8220;Katolika Mondo&#8221; eine Konkurenz aufbauen wollte. Weitere Kritikpunkte waren, da\u00df Metzger beim ersten IKa-Kongress in Graz 1922 nicht dogmatisch auf Esperanto bestand, sondern auch Beitr\u00e4ge in anderen Sprachen zulie\u00df.<\/p>\n<table style=\"border-collapse: collapse; width: 100%;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 50%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-10073\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/KatolMondExemplo.jpg\" alt=\"\" width=\"720\" height=\"524\" \/><\/td>\n<td style=\"width: 50%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-10076\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/EsperKatol1920_AugSept.png\" alt=\"\" width=\"889\" height=\"689\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>In der folgenen Zeit versch\u00e4rften sich die Konflikte. Die Katolika Mondo erschien bis 1928 als Monatzeitung im Zeitungsformat. Max Josef Metzer war stets als Herausgeber genannt, obwohl er nur noch gelegentlich \u00fcber seine Aktivit\u00e4ten berichtete. Er nahm an vielen internationalen Friedenskongressen und \u00f6kumenischen Konferezen teil.<\/p>\n<p>Das ebenfalls von ihm angesto\u00dfene Projekt einer Jugendorgansation (MOKA), entwickelte sich weitgehend unabh\u00e4nig,aber das war so geplant. MOKA veranstaltete Kongresse und Jugendlager bis das Vordringen der Nazis die Arbeit erschwerte und dann ganz unm\u00f6glich machte.<\/p>\n<p>In den Zwanziger Jahren versch\u00e4rfte sich die Lage in Graz f\u00fcr Metzger. Er wurde zunehmend in Rechtsstreigkeiten verwickelt, teilweise arbeitsrechtlich Probleme mit Mitarbeitern, aber auch das Scheitern der WIGE, der von ihm gegr\u00fcndeten <a href=\"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/max-josef-metzger\/ekonomia-internacio-katolika\/\">Wirtschaftsgesellschaft auf katholischer Grundlage<\/a>. Die sozialdemokratische und kommunistische Tagespresse nutzte das um \u00fcber den raffgierigen Priester zu l\u00e4stern, der seine hehren Prinzipien verr\u00e4t.<\/p>\n<p>Selbst die Gefahr einer Ausweisung aus \u00d6sterreich drohte, da er die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft nicht abgelegt hatte.<\/p>\n<p>Metzger entschlo\u00df sich das Angebot der \u00dcbernahme einer Heilanstalt f\u00fcr Trinker in Meitingen bei Augsburg anzunehmen, die dann zum bis heute bestehenden Sitz der ebensfalls von im gergr\u00fcndeten &#8220;Christk\u00f6nigsgesellschaft&#8221; wurde. Er versuchte noch in einer Esperanto-Zeitschrift f\u00fcr einen &#8220;Wellness-Urlaub&#8221; an frischer Luft, mit k\u00f6rperlicher Bet\u00e4tigung und vegetarischem Essen zu werben. Nat\u00fcrlich ohne Alkohol und Tabak.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-10080\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/kurachejmo.jpg\" alt=\"\" width=\"1750\" height=\"739\" \/><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.max-josef-metzger-meitingen.de\/Images\/Gedenktafel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-10005\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Gedenktafel1.jpg\" alt=\"\" width=\"203\" height=\"319\" \/><\/a>In Meitingen fand er nach Jahren seine letzte Ruhest\u00e4tte auf dem Friedhof, nachdem sein Leichnam nach der Hinrichtung in Brandenburg zeitweise in Berlin bestattet worden war.<\/p>\n<p>In der katholischen Esperanto-Welt galt er bis in die 1960er Jahre als sehr umstrittene Pers\u00f6nlichkeit. Die Auseinandersetzungen mit IKUE wirkten nach und durch die Hinrichtung galt er als zu recht verurteilter Straft\u00e4ter.<\/p>\n<p>Zum Esperanto-Weltkongress (UK) 1987 in Augsburg erschien eine 24-seitige Brosch\u00fcre von <a href=\"https:\/\/eo.wikipedia.org\/wiki\/Walter_Karl_Mudrak\">Walter Mudrak<\/a>, der Metzger noch pers\u00f6nlich gekannt hatte und bei einigen seiner Projekte mitgewirkt hatte.<\/p>\n<p>Schon 1971 war in &#8220;Kontakto&#8221; der Jugendzeitschrift der Welt-Esperanto-Organisation(tejo) ein <a href=\"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/max-josef-metzger\/metzger-kontakto-lins-mickle\/\">l\u00e4ngerer Beitrag von Ulrich Lins<\/a> erschienen, der auf dem damaligen Stand der Informationen beruhte.<\/p>\n<p>1964 hatte Mudrak in &#8220;Espero Katolika&#8221; der Monatszeischrift von IKUE einen Aufsatz \u00fcber das Leben von Metzger (<b><span style=\"color: #008000; font-size: large;\">M<\/span><\/b>ARTIRO POR LA PACO KAJ UNUECO EN KRISTO ) ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Pfarrsaal von St. Joseph in der Willdenowstr. 8 war am Freitag, den 19. 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