{"id":4388,"date":"2016-12-25T21:47:19","date_gmt":"2016-12-25T20:47:19","guid":{"rendered":"https:\/\/esperanto.berlin\/?p=4388"},"modified":"2017-01-21T14:42:56","modified_gmt":"2017-01-21T13:42:56","slug":"de-2016-al-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/de-2016-al-2017\/","title":{"rendered":"Zum Jahreswechsel"},"content":{"rendered":"<p>An der Schwelle zum Jahr 2017, in dem in w\u00fcrdevoller Art und Weise an den <a href=\"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/deutsch-zamenhof-2017-preparo\/\">Tod von Ludwig Zamenhof vor 100 Jahren gedacht <\/a>werden soll, ist es vielleicht sinnvoll, sich daran zu erinnern, wie die Situation in Berlin damals war. Der Winter 1916\/17 ist als &#8220;Kohlr\u00fcbenwinter&#8221; in die Geschichte eingegangen. Die Kartoffeln waren knapp geworden, stattdessen wurden Kohlr\u00fcben (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Steckr%C3%BCbe\">Steckr\u00fcben<\/a>) in jeglicher Form verspeist. Sie wurden dem Brotteig zugesetzt und als Kaffee-Ersatz verwendet. In Flugbl\u00e4ttern wurde f\u00fcr Steckr\u00fcbengerichte geworben: Steckr\u00fcbenpudding, Steckr\u00fcbenkl\u00f6se, Steckr\u00fcbenmarmelade. Seitdem haben sie einen schlechten Ruf in der deutschen K\u00fcche.<\/p>\n<p>Die Rationierung der Lebensmittel machte sich an Weihnachten bemerkbar. Um Fett zu sparen sollte am Weihnachtsbaum nur eine einzige Kerze brennen. Es wurde eine Flut von Ersatznahrungmitteln auf den Markt gebracht. T\u00e4glich 160.000 Portionen Suppe wurden in Speisehallen ausgegeben und waren f\u00fcr viele Berliner die einzige M\u00f6glichkeit eine warme Mahlzeit zu bekommen. In den kriegswichtigen Betrieben gab es manchmal Pferdewurst oder Margarine. Schon 1915 waren die Gummireifen der Autos durch eisenbeschlagene Holzr\u00e4der ersetzt worden, die einen H\u00f6llenl\u00e4rm auf dem Pflaster machten. 1916 \u00fcberlegte man, die Vorderr\u00e4der durch Kufen zu ersetzen.<\/p>\n<p>Die Kriegsrohstoffabteilung beschlagnahmte die Buntmetalle, etwa Bierkrugdeckel aus Zinn, von 1917 an auch Orgelpfeifen. Die Nickelm\u00fcnzen werden aus dem Verkehr gezogen. Als Wechselgeld gibt es Briefmarken.<\/p>\n<h2>Esperanto-Bewegung unber\u00fchrt<\/h2>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-4397 alignright\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Theorie-Ido-Anzeige-1916.jpg\" alt=\"theorie-ido-anzeige-1916\" width=\"274\" height=\"187\" \/><\/p>\n<p>In den zeitgen\u00f6ssichen Dokumenten der Esperanto-Bewegung ist davon nichts zu bemerken. Die Berliner Gruppe widmet sich weiter dem Kampf gegen &#8220;Ido&#8221; und sinniert, welche Rolle Esperanto nach dem Krieg spielen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die Produktion der Zeitschrift &#8220;Germana Esperantisto&#8221; war schon vor Kriegsbeginn nach Dresden verlegt worden, wo auch der Verlag von Ader &amp; Borel seinen Sitz hatte. Damit waren Kr\u00e4fte frei geworden f\u00fcr die Produktion des &#8220;Internacia Bulteno&#8221; in dem die offiziellen Berichte der Obersten Heeresleitung auf Esperanto \u00fcbersetzt und vor allem an das neutrale Ausland verschickt wurden. (Dazu gibt es ein <a href=\"http:\/\/www.interlinguistik-gil.de\/wb\/media\/beihefte\/22\/beiheft22-schnell.pdf\">Referat bei der GIL-Tagung 1915<\/a>).<\/p>\n<p>Eine Reihe von Berlinern war bei &#8220;Kriegstagung Deutscher Esperantisten&#8221; am 9.\/10. Dezember 1916 in Dresden dabei: Patentanwalt Schiff, <a href=\"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/ein-inspirierender-berliner-ernst-kliemke\/\">Dr. Kliemke<\/a>, Pastor Anhalt, sowie Fr\u00e4ulein Nickel aus Potsdam. Sogar Geh. Rat. Prof. Schmidt, Ehrenmitglied des D.E.B., war gekommen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-4396\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Esperanto-im-Krieg-1916.jpg\" alt=\"esperanto-im-krieg-1916\" width=\"270\" height=\"178\" \/>Die Lage wurde schwierig, da der Sekret\u00e4r zum Kriegsdienst eingezogen worden war. Auch vom Vorsitzenden Reinking hiess es, dass er &#8220;im Felde&#8221; st\u00fcnde. Ein riskanter Ort, denn die Sitzung musste feststellen, dass 151 Mitglieder gefallen seien.<\/p>\n<p>Offensichtlich gab es allm\u00e4hlich Stimmen, die gegen die patriotische Linie des D.E.B. aufbegehrten. Es wurde ein Erkl\u00e4rung verabschiedet, nach der &#8220;pazifistisch&#8221; und &#8220;national&#8221; &#8211; richtig betrachtet &#8211; keinen Gegensatz darstellen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Man einigte sich auf den folgenden Text, nach dem Esperanto in keinster Weise mit irgendeiner Weltanschauung verbunden sei, sondern lediglich ein Mittel zur Verst\u00e4ndigung sei.<\/p>\n<p>Es wird erkl\u00e4rt<\/p>\n<ul>\n<li>Esperanto, das weiter nichts ist als eine Welt\u00adhilfssprache, d. h. ein Verst\u00e4ndigungsmittel ver\u00adschiedensprachiger Menschen, hat seinem Wesen nach, gem\u00e4\u00df der bereits auf dem Kongre\u00df zu Boulogne sur Mer einstimmig angenommenen Erkl\u00e4rung, keine Tendenz, also auch keine pazifistische.<\/li>\n<li>Die Begriffe \u201enational&#8221; und \u201epazifistisch\u201c enthalten, richtig gefa\u00dft, keineswegs einen Gegensatz. Die Arbeit zur Gewinnung internationaler Werte, also auch die pazifistische Arbeit, schlie\u00dft durchaus nicht die Tendenz ein, nationale und vaterl\u00e4ndische Interessen hintenanzusetzen, wie andererseits die nationale, vaterl\u00e4ndische Arbeit nicht den Blick und die Absicht auf weitergehende internationale Ziele in Handel, Verkehr, Wissenschaft und zwischen\u00adstaatlichen Verst\u00e4ndigungen der V\u00f6lker verwehrt<\/li>\n<li>Der Bund weist daher Einwendungen, die gegen die Bet\u00e4tigung einzelner Esperantisten Im nationalen Interesse oder zu pazifistischen Zwecken gemacht worden sind, als gegenstandslos zur\u00fcck. Er erwartet, da\u00df seine Mitglieder ihre Forderungen in nationaler oder in pazifistischer Beziehung mit dem n\u00f6tigen Takt vertreten, so da\u00df Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse pers\u00f6nlicher Art in der Richtung, den Nationalen \u201echauvinistische\u201c oder den Pazifisten \u201eantinationale\u201c Absichten anzudichten, um der gemeinsamen Arbeit f\u00fcr Esperanto willen jederzeit vermieden werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Noch im Dezember 1916 war es Edmond Privat gelungen Dr. Zamenhof in Warschau aufzusuchen. (GE 1917 2 A Seite 14 &#8211; <a href=\"https:\/\/esperanto.berlin\/de-2016-al-2017\/\">Orginaltext in der Esperanto-Version<\/a>) Er berichtete, dass Zamenhof lange krank gewesen sei, aber nun wieder als Augenarzt praktiziere. Die Patienten und die Wohnung in der ul. Dzika habe er seinem Sohn Adam \u00fcberlassen und wohne jetzt in der <a href=\"https:\/\/eo.wikipedia.org\/wiki\/Kr%C3%B3lewska_41\">ul. Kr\u00f3lewska 41<\/a> in der Stadtmitte. Aber das Leben sei schwer und die Lebenhaltungskosten w\u00fcrden steigen.<\/p>\n<p>Privat stellt fest, dass die Gesundheit von Zamenhof angeschlagen sei. Er bedauert, dass er aus seinem umfangreichen Werk keine angemessen Pension beziehen k\u00f6nne und \u00fcberlegt, wie man das organisieren k\u00f6nne, da Zamenhof selbst das Thema nicht anspricht.<\/p>\n<p>Er versprach nun, dass nach dem Krieg ein Kongress in Warschau stattfinden solle um Zamenhof die m\u00fchevolle Reise zu ersparen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An der Schwelle zum Jahr 2017, in dem in w\u00fcrdevoller Art und Weise an den Tod von Ludwig Zamenhof vor 100 Jahren gedacht werden soll, ist es vielleicht sinnvoll, sich daran zu erinnern, wie die Situation in Berlin damals war. &hellip; <a href=\"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/de-2016-al-2017\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":20,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,15,193],"tags":[169],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/par8jA-18M","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4388"}],"collection":[{"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/20"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4388"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4388\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4494,"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4388\/revisions\/4494"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4388"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4388"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4388"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}