{"id":4436,"date":"2016-01-31T21:07:08","date_gmt":"2016-01-31T20:07:08","guid":{"rendered":"https:\/\/esperanto.berlin\/?p=4436"},"modified":"2016-12-31T21:38:09","modified_gmt":"2016-12-31T20:38:09","slug":"zeitungsschau-1917","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/zeitungsschau-1917\/","title":{"rendered":"Zeitungsschau 1917 zum Tod von Zamenhof"},"content":{"rendered":"<p>Aus Germana Esperantisto 1917 Seite &#8230;<\/p>\n<p>\u00dcber das Lebenswerk unsres am 14. 4. 17 in Warschau verstorbenen Meisters Dr. Zamenhof, die Welthilfssprache Esperanto, urteilen nat\u00fcrlich deren Anh\u00e4nger und Gegner mit mehr oder weniger Vor\u00adurteil verschieden; \u00fcber seine Person gibt es aber wohl nur eine Stimme der Anerkennung seines lauteren Charakters, obgleich er \u2014 Jude war. Und er war unser! \u2014<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Und hinter ihm im wesenlosen Scheine,<br \/>\nLag, was uns alle b\u00e4ndigt, das Gemeine.<\/p>\n<p>Nach der in seiner Geburtsstadt erscheinenden <a href=\"http:\/\/www.europeana1914-1918.eu\/en\/europeana\/record\/09404\/id_oai_pbc_biaman_pl_11898\">Bialystoker Zeitung<\/a> vom 19. 4. 17 wurde Ludwig Zamenhof am 15. Dezember 1859 in dem Hause Ecke der Schlo\u00df- und Alexanderstra\u00dfe geboren. Sein Vater wie sein Gro\u00dfvater waren bekannte Sprachlehrer f\u00fcr Deutsch und Franz\u00f6sisch. Bereits als Sch\u00fcler be\u00adsch\u00e4ftigte er sich mit dem Welthilfssprachegedanken, und neben den in der Stadt gesprochenen 4 Sprachen: Deutsch, Jiddisch, Polnisch, Russisch, hatte er auch Hebr\u00e4isch, Lateinisch\u00bb Griechisch, Franz\u00f6sisch und Englisch erlernt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Kownoer Zeitung, die Wilnaer Zeitung und die wei\u00dfrussische Hoznan nach einem brieflichen Bericht nur kurze Mitteilungen \u00fcber den Tod Dr. Zamenhofs ver\u00f6ffentlichten, brachte die jiddische Zeitung Letzte Nais (Wilna) vom 23. 4. 17 einen l\u00e4ngeren Aufsatz \u00fcber sein Begr\u00e4bnis, wonach dieses seinem Leben in Warschau entsprechend, aber im Ge\u00adgensatz zu den gro\u00dfen Esperanto-Weltkongressen von 1905 bis 1913, au\u00dferordentlich bescheiden war.<\/p>\n<p>Aus dem \u00f6stlichen Okupationsgebiet liegen uns au\u00dferdem noch die Gazeta Kaliska (Kalisch) vom 19. 4.17 und die Belgrader Nachrichten vom 20. 4. 17 mit Nachrufen vor, und die letzteren bemerken: \u201eHeute sprechen Hunderttausende von Menschen aus allen V\u00f6lkern und Rassen Esperanto, das sich in wenigen Jahren eine Literatur von etwa 2500 Banden geschaffen hat\u201c.<\/p>\n<p>In der Neuen <a href=\"http:\/\/www.europeana1914-1918.eu\/pl\/europeana\/record\/09404\/id_oai_bc_wimbp_lodz_pl_48566\">Lodzer Zeitung<\/a> vom 16. 4. 17 finden wir ferner einen warmen dichterischen Nachruf von Heinrich Zimmermann, der u. a. schreibt: \u00bbNach Ost und West, nach Nord und S\u00fcd drang dein Ruf. Und die Getreuen schrieben deine Worte auf ihr Banner. In Polen und Deutschland, in Ru\u00dfland und Frankreich, in England und Amerika, in Japan und China, in \u00c4gypten und Australien wuchsen die Ge\u00admeinden und sie sangen deine Lieder &#8230; Dein Wort wurde &#8211; &#8211; unser Wort, deine Sprache \u2014 unsere Sprache, dein Lied unser Lied. Nun bist du im Fr\u00fchling von uns gegangen und hast den Fr\u00fchling der Menschheit nicht erlebt. Mit den Augen der Sehnsucht hast du das Land der Zukunft gesehen. Nun stehen wir an deiner Bahre uud tiefe Trauer ist in uns. Aber wir wollen nicht verzweifeln und verzagen . . \u201e Wir werden k\u00e4mpfen\u00bb bis der Fr\u00fchling* der Menschheit herein\u00adbrechen wird. Wir sind jung und stark und glauben an dein Werk.\u00ab<\/p>\n<p>Au\u00dferdem enth\u00e4lt die gleiche Zeitung vom 28. 4.17 einen Bericht \u00fcber den Trauerabend zu Ehren Dr. Zamenhofs: \u00bbEs war ein Abend, den man nicht.so leicht ver\u00adgessen wird. Ein Abend gewidmet der Gr\u00f6\u00dften einem, einem Menschen, in dessen Adern warmes Blut von Tr\u00e4umern und Propheten rollte, einem Idealisten, dessen Herz fiir den Frieden und die Freiheit der Menschheit schlug . . . Auf polnischer Erde, wo die Esperanto\u00adsprache geschaffen wurde, stehen wir in uns\u00e4glicher Trauer an der Bahre des Meisters. Wir \u2014 eine kleine Gemeinde. Aber wir stehen nicht allein; mit uns stehen und trauern unsere Freunde aus drin Lande Goethes und Kants, aus dem Lande Rousseaus und Voltaires, aus dem Lande Dantes und Petrarkas und aus dein Lande Shakespeares und Byrons . . . Und Glocken in unseren Herzen verk\u00fcndeten das Lied unserer Hoffnung: En la mondon venis nova sento, tra ia mondo iras forta voko.\u00ab<br \/>\nDie Warschauer Esperanto-Gesellschaft ver\u00ad\u00f6ffentlichte in den Zeitungen folgenden Aufruf: \u00bbDa die jetzige Kriegszeit es unm\u00f6glich, macht, dem Sch\u00f6pfer der internationalen Sprache Esperanto die ihm nach seinen Verdiensten geb\u00fchrenden Ehren zu erweisen, weil an seinem Begr\u00e4bnis die Delegierten aller V\u00f6lker, bei denen Esperanto durchgedrungen ist und bei denen der Name Dr. Zamenhofs mit Achtung und Liebe aus\u00adgesprochen wird, nicht teilnehmen konnten, so be\u00adschlossen die Esperantisten Polens, ihren Gesinnungs\u00adgenossen in anderen L\u00e4ndern vorzuschlagen, da\u00df der n\u00e4chste internationale Esperanto-Kongre\u00df in Warschau stattfinden solle, wobei in Gegenwart der Delegierten der Esperantovereine aller Weltteile der Grundstein zu einem Denkmal f\u00fcr Dr. Zamenhof gelegt werden wird.\u00ab<\/p>\n<p>Von inl\u00e4ndischen deutschen Bl\u00e4ttern brachte zu\u00adn\u00e4chst die <a href=\"https:\/\/vanselow.wikispaces.com\/Deutsche+Warte\">Deutsche Warte<\/a> vom 17. 4., 20. 4. und 4. 5. 17 ausf\u00fchrlichere Berichte und erw\u00e4hnte dabei, da\u00df von anderen Berliner Zeitungen auch die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Vossische_Zeitung\">Vossische Zeitung<\/a> und der <a href=\"http:\/\/www.vorwaerts.de\/\">Vorw\u00e4rts <\/a>unserem verstorbenen Meister und seinem Werke warme Worte der An\u00aderkennung widmeten. Nach dem <a href=\"http:\/\/www.vorwaerts.de\/\">Vorw\u00e4rts <\/a>vom 30. 4. 17 hat Zamenhof in den letzten Jahren \u00fcbrigens an einem umfangreichen W\u00f6rterbuch gearbeitet und eine \u00dcber\u00adsetzung des alten Testaments vollendet.<\/p>\n<p>Die K\u00f6lnische Zeitung Nr. 385 vom 20. 4. 17 vereinigt eine Besprechung des Buches \u201eKultur und Sprache&#8221; von <a href=\"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/ein-inspirierender-berliner-ernst-kliemke\/\">Heinrich Nienkamp<\/a> mit der Nachricht vom Tode Zamenhofs, um ihrer Abneigung gegen Esperanto wieder einmal Ausdruck zu geben. Immer\u00adhin schreibt sie, f\u00fcr Franzosen, Italiener, Spanier, zum Teil auch f\u00fcr das weite Gebiet der mit romanischen Bestandtteilen stark durchsetzten englischen Sprache sei Esperanto eine zweckm\u00e4\u00dfige Sch\u00f6pfung (!) und tr\u00f6stet sich damit, da\u00df ohne Deutschlands Beteiligung keine wirksame Hilfssprache zustande kommen werde. \u2014 F\u00fcr eine entsprechende Beteiligung Deutschlands wird also ohne Hilfe der K\u00f6lnischen Zeitung gesorgt werden m\u00fcssen, doch \u2014 da ist ja noch ein Ausschnitt aus der K\u00f6lnischen Zeitung Nr. 389 vom 23. 4. 17 mit einem Aufsatz: \u00bbWie das Esperanto entstand\u00ab, in dein nicht nur das Leben und Wirken Zamenhofs g\u00fcnstig besprochen, sondern auch Esperanto wohlwollender beurteilt wird. Der wohlwollende Beurteiler schlie\u00dft sogar: \u00bbVerschiedentlich wurde w\u00e4hrend des Weltkriegs auch die Meinung ausgesprochen, da\u00df bei k\u00fcnftigen Friedensverhandlungen das Esperanto Dienste leisten k\u00f6nne\u00ab, \u2014 ohne diese Dienste namens der K\u00f6lnischen Zeitung abzulehnen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich empfingen wir, abgesehen von kurzen Mitteilungen in verschiedenen Bl\u00e4ttern, mit esperantofreundlichen Nachrufen noch die Berliner Morgenzeitung vom 17. 4. 17, die Greizer Zeitung vom 20.4., die Schw\u00e4bische Tagwacht (Stuttgart) vom 24. 4., die Essener Volkszeitung vom 30. 4., die Arbeiter-Zeitung (Wien) vom 23. 4., das Chemnitzer Tageblatt vom 29. 4., den Dresdner Anzeiger vom 17. 4.. welch letzterer freilich die Bemerkung beif\u00fcgt, f\u00fcr k\u00fcnstlerische Zwecke sei Espe\u00adranto selbstverst\u00e4ndlich unbrauchbar, w\u00e4hrend doch wohl die Auff\u00fchrung.von Goethes \u201eIphigenie&#8221; in Esperanto beim Dresdner Kongre\u00df im Jahre 1908 gerade das Gegenteil gezeigt hat.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.econbiz.de\/Record\/der-vortrupp-halbmonatsschrift-f%C3%BCr-das-deutschtum-unserer-zeit\/10000363094\">Der Vortrupp<\/a> (Hamburg) vom 16. 5. 17 stellt noch einen besonderen Aufsatz \u00fcber das Leben und Schaffen Zamenhofs in Aussicht, indem er einstweilen in bezug auf die Welthilfssprache Esperanto und Dr. Zamenhof bemerkt: \u00bbWer mit ihr und der ganzen mit ihr zusammenh\u00e4ngenden Bewegung etwas n\u00e4her vertraut ist und von der auch als Mensch ausgezeichneten &#8211; Pers\u00f6nlichkeit ihres Sch\u00f6pfers etwas kennt, der wei\u00df, da\u00df die ganze Kulturwelt durch seinen Tod einen schweren Verlust erlitten hat.\u00ab*)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus Germana Esperantisto 1917 Seite &#8230; \u00dcber das Lebenswerk unsres am 14. 4. 17 in Warschau verstorbenen Meisters Dr. Zamenhof, die Welthilfssprache Esperanto, urteilen nat\u00fcrlich deren Anh\u00e4nger und Gegner mit mehr oder weniger Vor\u00adurteil verschieden; \u00fcber seine Person gibt es &hellip; <a href=\"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/zeitungsschau-1917\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":20,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22],"tags":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/par8jA-19y","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4436"}],"collection":[{"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/20"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4436"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4436\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4441,"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4436\/revisions\/4441"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4436"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4436"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4436"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}