{"id":4481,"date":"2017-01-20T13:11:13","date_gmt":"2017-01-20T12:11:13","guid":{"rendered":"https:\/\/esperanto.berlin\/?p=4481"},"modified":"2018-01-29T22:59:34","modified_gmt":"2018-01-29T21:59:34","slug":"feierstein-hu-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/feierstein-hu-2017\/","title":{"rendered":"Vortrag an der Humboldt-Universit\u00e4t Berlin"},"content":{"rendered":"<p><div id=\"attachment_4524\" style=\"width: 237px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4524\" class=\"wp-image-4524\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Feierstein.jpg\" alt=\"Feierstein\" width=\"227\" height=\"347\" \/><p id=\"caption-attachment-4524\" class=\"wp-caption-text\">Prof. Feierstein beim Vortrag mit bekanntem und weniger bekanntem Bildmaterial<\/p><\/div><\/p>\n<p>Es kommt nicht oft vor &#8211; schon garnicht in Berlin &#8211; , dass ein hundertk\u00f6pfiges akademisches Publikum einem Vortrag \u00fcber Esperanto lauscht. Der Vortrag von Prof. Liliana Ruth Feierstein zum Thema &#8220;Esperanto: \u00dcber Sprache und Utopie&#8221; am 18. Januar 2017 an der Humboldt-Universit\u00e4t fand im Rahmen einer Ringvorlesung zur Berliner Kulturwissenschaft statt.<\/p>\n<p>Prof. Feierstein konzentrierte sich auf die Genese des Esperanto und konnte zeigen, dass diese nur durch die Verankerung von Zamenhof im Judentum zu verstehen ist. Sie erl\u00e4utere welche Bedeutung Sprache ganz allgemein im Denken der europ\u00e4ischen Juden hatte und verdeutlichte dies am Wirken von Zamenhof. Er hatte an einer Grammatik des Jiddischen gearbeitet, die lange Zeit vergessen und von der Sprachwissenschaft \u00fcbersehen worden war. Aber er begann zu verstehen, dass Jiddisch nicht die gemeinsame Sprache der Juden sein konnte, die ihm als das nat\u00fcrliche Bindeglied einer Kultur ohne eigenen Staat erschien. Von der Idee des Zionismus mit der Gr\u00fcndung eines Judenstaates in Israel r\u00fcckte er bald wieder ab.<\/p>\n<p>Prof. Feierstein verwies auf die Situation der Juden gegen Ende des 19. Jahrhunderts, die von Verfolgung und Unterdr\u00fcckung im Osten und Antisemitismus in Mittel- und Westeuropa gekennzeichntet war, was sich auch auf die Positionierung von Esperanto auswirken sollte.<\/p>\n<div id=\"attachment_4525\" style=\"width: 970px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4525\" class=\"wp-image-4525 size-full\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/H\u00f6rsaal.jpg\" alt=\"H\u00f6rsaal\" width=\"960\" height=\"280\" \/><p id=\"caption-attachment-4525\" class=\"wp-caption-text\">Das halbe Dutzend Esperanto-Veteranen im H\u00f6rsaal (Foto Carlos)<\/p><\/div>\n<p>Das Sprachprojekt von Zamenhof wurde nach seiner Ver\u00f6ffentlichung 1887 von der Zielgruppe der Juden nicht mit der erhofften Begeisterung aufgenommen, daf\u00fcr fanden sich Interessenten bei anderen Gruppen, die aus unterschiedlichen Motivationen ein Interesse an internationaler Verst\u00e4ndigung und einer gemeinsamen Sprache hatten.<\/p>\n<p>Von den r\u00fchringen Esperanto-Propagandisten in Frankreich liess sich Zamenhof \u00fcberreden, sich in den Punkten zur\u00fcckzuhalten, die einen Anlass f\u00fcr antisemitistische Ressentiments liefern konnten. Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dreyfus-Aff%C3%A4re\">Dreyfus-Aff\u00e4re<\/a> sass noch in den Knochen.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px; font-size: 10pt; background-color: lightgrey; padding: 5pt;\">Wenn ich mich recht erinnere, war<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gaston_Moch\"> Gaston Moch<\/a> (Pazifist und Esperantist) zusammen mit Dreyfus auf der Milit\u00e4rakademie. Es gibt zumindest einen <a href=\"http:\/\/biblio-archive.unog.ch\/detail.aspx?ID=41529\">Hinweis im Nachlass <\/a>von Alfred Hermann Fried in Genf. Das schreibt auch <span class=\"nom_auteur\">Paul-Henri Bourrelier in seinem<\/span><span class=\"nom_auteur\"> Buch &#8220;<\/span><span class=\"titre\"><a href=\"https:\/\/www.cairn.info\/resume.php?ID_ARTICLE=RINDU_083_0048\">Gaston Moch, polytechnicien combattant de la paix.<\/a>&#8221; Moch war der einzige, der sich f\u00fcr seinen Schulkameraden eingesetzt hat.Moch ist f\u00fcr Berlin auch deswegen von Bedeutung, weil er Fried dazu gebracht hat Esperanto zu lernen. Darauf hin hat er die erste Esperanto-Gruppe in Berlin gegr\u00fcndet &#8211; ein halbes Jahr von Borel. (R. Schnell)<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>Nun hatte Zamenhof gleich auf alle Rechte an der von ihm vorgeschlagenen Sprache verzichtet und im Sinne von Open Source die weitere Entwicklung in die H\u00e4nde derer gelegt, die sie benutzten. Trotzdem versuchte er mit seinen Reden bei den Weltkongressen zu erreichen, dass seine idealistischen Ideen nicht in Vergessenheit gerieten. Durch die &#8220;interna ideo&#8221; des Esperanto sollte es eben mehr sein als ein Instrument, das f\u00fcr Kaufleuten und Technikern die Kommunikation erleichterte. In Analogie zur Br\u00fcckensprache arbeitete Zamenhof relativ unbemerkt am Projekt einer verbindenden Religion, die er dann &#8220;Homaranismo&#8221; nannte.<\/p>\n<p>Prof. Feierstein ging dann knapp auf die Geschichte von Esperanto nach dem Tod von Zamenhof im Jahr 1917 ein. Die breite Anwendung in der Arbeiterbewegung, wobei sie eine Anekdote zitierte, nach der Trotzkij vom gr\u00fcnen Stern des Esperanto auf den roten Stern der kommustischen Weltbewegung gekommen sei. Aber auch die Verbote unter Hitler und Stalin.<\/p>\n<p>Das halbe Dutzend gestandener Esperanto-Sprecher im Auditorium gab zu, dass sogar ihnen der Vortrag neue Einsichten vermittelt h\u00e4tte. Es w\u00e4re w\u00fcnschenswert, dass die Forschungsergebnisse von Prof. Feierstein in weiteren Kreisen der Esperanto-Bewegung und der Interlinguistik bekannt w\u00fcrden.<\/p>\n<div id=\"attachment_4526\" style=\"width: 810px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4526\" class=\"wp-image-4526 size-full\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Deponie.jpg\" alt=\"Deponie\" width=\"800\" height=\"450\" \/><p id=\"caption-attachment-4526\" class=\"wp-caption-text\">Nach der Veranstaltung ging es noch auf ein Bier in die &#8220;Deponie&#8221; (Lu, Carlos, Roland, Peter, Peter)<\/p><\/div>\n<hr \/>\n<p title=\"Sie sind hier: Ringvorlesung zur Berliner Kulturwissenschaft - Detailseite\">Im Rahmen der Ringvorlesung zur Berliner Kulturwissenschaft gibt es am 18. Januar 2017 einen Vortrag von<\/p>\n<p>Prof. <a href=\"https:\/\/www.culture.hu-berlin.de\/de\/institut\/kollegium\/1688149\">Liliana Ruth Feierstein<\/a> zum Thema<\/p>\n<h2 class=\"western\" style=\"padding-left: 30px;\">Esperanto: \u00dcber Sprache und Utopie<\/h2>\n<p class=\"western\">18 &#8211; 20 h \/ H\u00f6r-\/Lehrsaal im Institutsgeb\u00e4ude &#8211; 208 <a href=\"https:\/\/www3.hu-berlin.de\/frame\/?url=www3.hu-berlin.de\/gis\/rc13\/layout-new.php%3Fq=1111\">Dorotheenstra\u00dfe 26 (DOR 26) <\/a><\/p>\n<p class=\"western\">Ecke Universit\u00e4tsstrasse parallel zu Unter den Linden n\u00e4he Hauptgeb\u00e4ude<\/p>\n<p class=\"western\">Die Ringvorlesung bietet allen\u00a0Interessierten einen Einblick in die wichtigsten Positionen, Forschungsfelder und Methoden der Berliner Kulturwissenschaft. Sie er\u00f6ffnet zugleich die M\u00f6glichkeit, sich intensiv mit ausgew\u00e4hlten Fragestellungen und Problemen der human-animal-studies, der border-studies, der Geschlechter-, Rassismus- und Intersektionalit\u00e4tsforschung, der Kultur- und Wissensgeschichte, der Geschichte der Kulturtechniken und der Kulturtheorien, der transkulturellen Geschichte des Judentums sowie der kulturwissenschaftlichen \u00c4sthetik auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es kommt nicht oft vor &#8211; schon garnicht in Berlin &#8211; , dass ein hundertk\u00f6pfiges akademisches Publikum einem Vortrag \u00fcber Esperanto lauscht. Der Vortrag von Prof. Liliana Ruth Feierstein zum Thema &#8220;Esperanto: \u00dcber Sprache und Utopie&#8221; am 18. 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