{"id":5544,"date":"2018-02-01T16:00:31","date_gmt":"2018-02-01T15:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/esperanto.berlin\/?p=5544"},"modified":"2018-02-04T21:12:23","modified_gmt":"2018-02-04T20:12:23","slug":"metzger-feb-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/metzger-feb-2018\/","title":{"rendered":"Metzger-Platz Feb. 2018"},"content":{"rendered":"<p>Nach der Winterpause gehen die Arbeiten auf dem Max-Josef-Metzger-Platz in Berlin-Wedding z\u00fcgig weiter. Allerdings ist nicht damit zu rechnen, dass der Platz bis zu seinem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Max_Josef_Metzger\">Geburtstag am Samstag, den 3. Februar<\/a> wieder betreten werden kann. Alles ist mir Bauz\u00e4unen abgesperrt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-5548\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/MJM-platz-feb-2018-web-04.jpg\" alt=\"\" width=\"1195\" height=\"663\" \/><\/p>\n<p>Aber schon zeichnen sich die Wege ab, die um den ganzen Platz herumf\u00fchren sollen, wie es vor Beginn der Bauarbeiten <a href=\"https:\/\/esperanto.berlin\/metzger-platz-umbau\/\">von den Planern beschrieben <\/a>wurde. Verantwortlich ist B\u00fcro Jahn, Mack und Partner im <a href=\"http:\/\/www.jahn-mack.de\/10-projekte\/163-berlin-mitte-aktives-zentrum-und-sanierungsgebiet-mitte-muellerstrasse\">Sanierungsgebiet M\u00fcllerstrasse<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-5546\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/MJM-platz-feb-2018-web-10.jpg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"900\" \/>Die Stele, die bisher die einzige Erinnerung an den Namensgeber auf dem Platz war, soll erhalten bleiben. Im Moment, Anfang Februar 2018, ist auch sie von den Bauarbeiten betroffen.<\/p>\n<p>Leider war es bisher, trotz mehrfachem Nachfragen, weder m\u00f6glich aktuelle Informationen zu dem Historiker zu bekommen, der zu Max Josef Metzger forschen soll, noch wer die motiviernden Esperanto-Spr\u00fcche formulieren und kontrollieren soll.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pressemitteilung zum Geburtstag am 3. Februar<\/p>\n<p>Seit gut zwei Jahren ist der Max-Josef-Metzger-Platz in Wedding an der M\u00fcllerstrasse eine eingez\u00e4unte Baustelle. Es schon kurios, dass die Bauarbeiten auf einem Platz, der einem erkl\u00e4rten Pazifisten gewidmet sein soll, durch die Hinterlassenschaft eines Weltkriegs verz\u00f6gert wurden.<\/p>\n<p>Die vier Tafeln, die an den drei Ecken des Platzes \u00fcber das Leben von Metzger und die Vegetation auf dem Platz informiert hatten, sind in Sicherheit gebracht worden. Allerdings m\u00fcssten sie nach der Neugestaltung des Platzes ohnehin gr\u00fcndlich \u00fcberarbeitet werden. Vielleicht wird man dann der Person von Max Josef Metzger besser gerecht, denn er war alles andere als der gottergebene Dulder, der sich in sein Schicksal gef\u00fcgt hat. Das trifft allenfalls auf die letzten Monate vor seiner Hinrichtung im Jahr 1944 zu.<\/p>\n<p>Schon als Student in Freiburg im Breisgau (Baden) war er aufm\u00fcpfig, aber auch konsequent. So verzichtete er bewusst auf Alkohol und Zigaretten, weil er bei seiner seelsorgerischen T\u00e4tigkeit in Arbeitersiedlungen sah, welches Elend die Trunksucht in den Familien anrichtet. Auch seine Wendung zu einer vegetarischen Lebensweise war ethisch motiviert.<\/p>\n<p>Mit seiner kompromisslosen Propaganda gegen die Trunksucht eckte er bei der Kirchenf\u00fchrung an, die ganz froh dar\u00fcber war, dass sie ihn nach Graz in \u00d6sterreich in Ausland ziehen lassen konnten. Der Theologieprofessor Johannes Ude, der ein \u00e4hnlicher Querkopf war, hatte ihn als Manager verschiedener Projekte zu sich geholt. Mit Ude teilte Metzger die radikale Haltung zu Alkohol, Tabak und Fleisch.<\/p>\n<p>Esperanto und die Katholische Internationale<\/p>\n<p>Es ist nicht bekannt, wann Max Josef Metzger mit der internationalen Sprache Esperanto in Ber\u00fchrung gekommen ist. In der Lebensreformbewegung war Esperanto zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts bekannt und gesch\u00e4tzt. Jedenfalls wird er 1918 als Kursleiter in Graz erw\u00e4hnt. Esperanto war f\u00fcr Metzger mehr als eine Sprache. Esperanto war f\u00fcr ihn das Bindemittel f\u00fcr eine \u201eKatholische Internationale\u201c, die er bewusst als Gegengewicht zu den Kommunisten anlegen wollte, auf die sich 1917 nach der Revolution in Russland grosse Hoffnungen gerichtet hatten. Damit eckte Metzger bei den traditionellen Esperanto-Organisationen der Katholiken an, die durch den Ersten Weltkrieg merklich geschw\u00e4cht waren.<\/p>\n<p>Mitte der zwanziger Jahre gab Metzger resigniert auf und zog sich von Esperanto zur\u00fcck. Es gibt noch Berichte von Bekannten, die ihn sp\u00e4ter zuf\u00e4llig auf der Strasse getroffen haben, dass er noch Esperanto konnte.<\/p>\n<p>Christk\u00f6nigsgesellschaft<\/p>\n<p>Mit der schon 1919 mit Ude als \u201eMissionsgesellschaft vom Wei\u00dfen Kreuz\u201c in Graz gegr\u00fcndeten Christk\u00f6nigsgesellschaft zog Metzger 1928 nach Meitingen n\u00f6rdlich von Augsburg. Es war ein S\u00e4kularinstitut in dem 63 Ordensschwestern und 17 Laienbr\u00fcder zusammenarbeiten. Nach 1933 geriet Metzger ins Visier der neuen Machthaber und wurde f\u00fcr kurze Zeit eingesperrt.<\/p>\n<p>Ein Beitrag in der Zeitschrift \u201eHeroldo de Esperanto\u201c berichtet 1936 von einem \u201eReforma kurachejmo por Esperantistoj\u201c in Meitingen, wo man zu geringen Kosten von den Br\u00fcdern und Schwestern der \u201eKrist-Re\u011do-Socio de la Blanka Kruco\u201c umsorgt wird.<\/p>\n<p>Widerstand in Berlin<\/p>\n<p>Es schien Metzger vern\u00fcnftig, aus dem \u00fcberschaubaren flachen Land in Bayern in Berlin in der Anonymit\u00e4t der Reichshauptstadt unterzutauchen. 1940 bezog Max Josef Metzger eine Wohnung in der zweiten Etage in einem Hinterhof in der Willdenowstrasse 8 hinter der Kirche St. Joseph. Die Strasse sollte 1993 ihm zu Ehren umbenannt werden, was auf den Widerstand der Anwohner stiess. In der Willdenowstrasse 8 erinnert nun eine ziemlich unauff\u00e4llige und hoch angebrachte Tafel an Metzger, die aber nachts beleuchtet wird.<\/p>\n<p>Ersatzweise wurde dann der Courbi\u00e8re-Platz, der nach einem preussischen General benannt war und keine Anlieger hatte, umbenannt. Hier steht an der Front zur M\u00fcllerstrasse gegen\u00fcber der Kirche ein Gedenkstein.<\/p>\n<p>In Berlin blieben Metzger und seine Christk\u00f6nigsschwestern nicht unt\u00e4tig. Sie waren aktiv in Widerstand und halfen Leuten, die untertauchen mussten, auch Juden, mit gef\u00e4lschten Papieren und Lebensmittelmarken.<\/p>\n<p>Die Aktion, die Metzger im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf gekostet hat, war ein Schreiben an Erling Eidem, den evangelischen Erzbischof von G\u00f6teborg in Schweden. Er wollte den Allierten nach der zu erwartenden Niederlage vermitteln, dass nicht alle Deutschen Nazis waren. Es handelt sich dabei nicht um einen theologischen Traktat, sondern um ein sozialpolitisches Programm mit Forderung nach \u201eNationalisierung aller Bergwerke, Kraftwerke, Eisenbahnen, sowie des Gro\u00dfgrundbesitzes an Feld, Wald und Seen\u201c, einer \u201esozialen Steuerpolitik unter Schonung der Schwachen\u201c und Abr\u00fcstung bis auf eine Polizeitruppe.\u201c Ehemalige Nazis sollten bekannt gemacht werden und ihre b\u00fcrgerlichen Ehrenrechte verlieren.<\/p>\n<p>So findet es sich in den Akten des Volksgerichtshofs, der ihn am 14. Oktober 1943 zum Tode verurteilt hat.<\/p>\n<p>Dummerweise war die Frau, die als Kurier ausersehen war, ein Spitzel der Gestapo. Metzger wurde am 29. Juni 1943 verhaftet und in Pl\u00f6tzensee inhaftiert.<\/p>\n<p>Nach seiner Veruteilung wird in das Gef\u00e4ngnis Brandenburg-G\u00f6rden \u00fcberf\u00fchrt, wo er in Handschellen in Einzelhaft auf seine Hinrichtung warten muss. Trotzdem kann er noch eine Reihe von Briefen, Liedern, Gedichten und theologischen Schriften verfassen, die in der Regel als massgeblich f\u00fcr sein Lebenswerk betrachtet werden. Am 17. April 1944 wird er mit dem Fallbeil hingerichtet.<\/p>\n<p>Gedenken<\/p>\n<p>Zum Todestag hat die <a href=\"http:\/\/joseph-aloysius.de\/\">Gemeinde St. Josef-St. Aloysius<\/a> in Wedding in den letzen Jahren eine Fahrt nach Brandenburg organisiert oder im Anschluss an den Gottesdienst Blumenschmuck zu der Gedenktafel in der Willdenowstrasse gebracht. Etwas \u00fcberraschend kam die Anbringung eines Stolpersteins]vor der Treppe der Kirche St. Joseph. Es konnte nur sehr kurzfristig zu einer ganzen Veranstaltungsreihe eingeladen werden, die nicht die gew\u00fcnschte Aufmerksamkeit fand.<\/p>\n<p>In der Krypta der Kirche St. Joseph gibt es eine st\u00e4ndige Ausstellung, die zumindest dann zug\u00e4nglich ist, wenn die Kirche f\u00fcr Gottesdienste ge\u00f6ffnet ist.<\/p>\n<p>Die Esperanto-Liga Berlin hat mit Blumenschmuck am Gedenkstein in der M\u00fcllerstrasse an den Todestag erinnert. Sie hat auch an Informationsveranstaltungen teilgenommen, bei denen \u00fcber Leben und Werk informiert und eine DVD gezeigt wurde, die vom Christk\u00f6nigs-Institut in Meitingen produziert wurde.<\/p>\n<p>In Meitigen, wo sich nach einigen Umwegen heute sein Grab befindet, wird das Gedenken intensiver gepflegt. Aber auch in anderen Orten, etwa im Geburtsort Schopfheim oder am Studienort Freiburg, wird des grossen Sohnes gedacht. In Freiburg wurde am 8. Mai 2006 ein Verfahren zur Seligsprechung]in Gang gesetzt. Acht Jahre lang wurden mehr als 6.000 Dokumente zusammengetragen, die sein Wirken als Friedensstifter und \u201ePionier der \u00d6kumene\u201c belegen sollen. Seit das Material dem Vatikan \u00fcbergeben wurde, gibt es keine Informationen zum Stand des Verfahren.<\/p>\n<p>Mit etwas Gl\u00fcck k\u00f6nnte es ja mit der Seligsprechung zur Wiederer\u00f6ffnung des umgestalteten Platzes klappen.<\/p>\n<p>Roland Schnell<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der Winterpause gehen die Arbeiten auf dem Max-Josef-Metzger-Platz in Berlin-Wedding z\u00fcgig weiter. Allerdings ist nicht damit zu rechnen, dass der Platz bis zu seinem Geburtstag am Samstag, den 3. Februar wieder betreten werden kann. 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