{"id":6244,"date":"2018-12-18T18:44:39","date_gmt":"2018-12-18T17:44:39","guid":{"rendered":"https:\/\/esperanto.berlin\/?p=6244"},"modified":"2018-12-20T10:16:14","modified_gmt":"2018-12-20T09:16:14","slug":"festlibro-lins-en-la-zamenhoffesto-de-berlino","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/festlibro-lins-en-la-zamenhoffesto-de-berlino\/","title":{"rendered":"Festschrift Lins beim Zamenhoffest in Berlin"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6247 alignright\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Halina-Aleksandro-libro-k.jpg\" alt=\"\" width=\"241\" height=\"317\" \/>B\u00fccher spielten beim diesj\u00e4hrigen <a href=\"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/raportoz-festo-b-2018\/\">Zamenhoffest des Esperanto-Verbandes Berlin-Brandenburg<\/a> am 15. Dezember 2018 eine wichtige Rolle. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit standen nat\u00fcrlich unsere G\u00e4ste aus Kaliningrad &#8211; das Verlegerpaar <strong>Alexander Korjenkov<\/strong> (geb. 1958) und <strong>Halina Gorecka <\/strong>(geb. 1959) . Ihr neuestes historiografisches Werk <a href=\"http:\/\/esperanto-ondo.ru\/Knigi\/Kniga120.htm\">\u201eNia diligenta kolegaro\u201c<\/a> &#8211; eine Auswahl von 200 Biografien bedeutender Esperantisten &#8211; pr\u00e4sentierten sie mit allen Facetten von der Auswahl der Fakten \u00fcber das Erz\u00e4hlen von Hintergrundanekdoten bis zur Statistik.<\/p>\n<p>Auf ein k\u00fcrzlich im New Yorker Verlag <em>Mondial<\/em> erschienenes esperantosprachiges Geschichtswerk habe ich im Diskussionsteil aufmerksam gemacht \u2013 auf die Festschrift \u201eEn la mondon venis nova lingvo\u201c \u2013 \u201eIn die Welt kam eine neue Sprache\u201c, gewidmet dem Historiker und Japanologen <strong>Dr. Ulrich Lins<\/strong> (geb. 1943), weil er in besonderem Ma\u00dfe dazu beigetragen hat, die bunte und differenzierte Geschichte der Esperanto-Sprachgemeinschaft und ihrer Kultur zu erforschen und bekanntzumachen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6248 alignleft\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Festbuch-Lins-Titelbild.jpg\" alt=\"\" width=\"227\" height=\"333\" \/>Wer wei\u00df, wie sehr das Leben von <strong>Lins<\/strong> mit Japan verbunden ist &#8211; 30 Jahre arbeitete er f\u00fcr den Deutschen Akademischen Austauschdienst \u2013 DAAD (1978-2008) und leitete das DAAD-B\u00fcro in Tokio 1978-1983 und 1999-2004 \u2013 den verwundert es nicht, dass neben dem chilenischen Arzt und Epidemiologen <strong>Dr. Jos\u00e9 Antonio Vergara<\/strong> (geb. 1962) zwei japanische Professoren die Herausgeber dieser Festschrift sind &#8211; der Sprachwissenschaftler <strong>Prof. Hitosi Gotoo<\/strong> (geb. 1955) und der Professor f\u00fcr deutsche und europ\u00e4ische Studien an der Sophia-Universit\u00e4t in Tokio <strong>Goro Christoph Kimura<\/strong> (geb. 1974).<\/p>\n<p><strong>Hitosi Gotoo<\/strong> erz\u00e4hlt in seiner Einf\u00fchrung, wie es bei<strong> Lins<\/strong> zu der Verbindung seiner gro\u00dfen Leidenschaften Japan, Esperanto und Geschichte kam.\u00a0 Wie aus einer Brieffreundschaft des 14-j\u00e4hrigen <strong>Ulrich<\/strong> mit einer Japanerin seine Familie mit zwei Kindern entstand, ist so interessant, wie die Entdeckung in Deutschland damals nicht zug\u00e4nglicher Dokumente durch <strong>Ulrich Lins<\/strong> in Japan, die zur Herausgabe seines Hauptwerkes <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ulrich_Lins\">\u201eDie gef\u00e4hrliche Sprache\u201c<\/a> f\u00fchrte, in dem er vor allem die Verfolgung von Esperanto-Sprechern und die Reaktion der Esperanto-Verb\u00e4nde darauf ohne Tabus beschreibt.<\/p>\n<p>1973 in Kioto in Esperanto herausgegeben, erlebte es erweiterte Auflagen (1988, 1990, 2016) und die Ver\u00f6ffentlichung von \u00dcbersetzungen ins Englische, Deutsche, Italienische, Japanische, Koreanische, Litauische und Russische.<\/p>\n<p>Viele der <a href=\"https:\/\/eo.wikipedia.org\/wiki\/En_la_mondon_venis_nova_lingvo\">31 Autoren<\/a> aus 18 L\u00e4ndern, die Beitr\u00e4ge f\u00fcr die Festschrift verfassten, kn\u00fcpfen an dieses Buch an.<\/p>\n<p>Der in Rotterdam lebende Soziolinguist kroatischer Herkunft <strong>Nikola Ra\u0161i\u0107<\/strong> (geb. 1957), untersucht beispielsweise in seinem Beitrag \u201eWirklich eine gef\u00e4hrliche Sprache? \u2013 <strong>Ulrich Lins<\/strong> und die Geschichte der Zukunft\u201c, wer warum Esperantisten verfolgte und unter welchen Bedingungen das, was <strong>Lins<\/strong> als Geschichte beschreibt wom\u00f6glich ein Szenario f\u00fcr die Zukunft werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>\u00dcber <strong>Lins<\/strong> schreibt er: \u201e<strong>Ulrich Lins<\/strong> \u2026. war einmalig als Deutscher mit Kenntnissen \u00fcber Japan und esperantistischem Hintergrund. Durch diese drei Prismen sah er aus drei Perspektiven. <strong>Lins<\/strong>\u2018 Besch\u00e4ftigung mit Geschichte war dreidimensional.\u201c<\/p>\n<p>Esperanto-Sprechern, die einen modernen experimentierfreudigen Sprachstil m\u00f6gen, wird dieser Beitrag sprachlich sehr gefallen.<\/p>\n<p>Wer mehr den klassischen Esperanto-Sprachstil \u2013 klar, logisch und treffend \u2013 mag, dem sei der Beitrag von <strong>Bernhard Tuider<\/strong> (geb. 1980) \u00fcber die Beziehungen zwischen Friedens- und Esperantobewegung und die beiden Protagonisten <strong>Alfred Hermann Fried<\/strong> (1864-1921) und <strong>Gaston Moch<\/strong> (1859-1935) empfohlen. <strong>Tuider<\/strong> ist Historiker und leitet als Bibliothekar das Team, das die Plansprachensammlung und das Esperanto-Museum der \u00d6sterreichischen Nationalbibliothek in Wien betreut.<\/p>\n<p>Ein anderer Esperanto-Historiker, der spanische Physiker <strong>Jos\u00e9 Antonio del Barrio<\/strong> (geb. 1961) kn\u00fcpft mit seinem Beitrag \u201eAuf der Suche nach dem Koffer von <strong>Mangada<\/strong>\u201c\u00a0 an Ver\u00f6ffentlichungen von Lins \u00fcber den Spanischen B\u00fcrgerkrieg an. <strong>Del Barrio<\/strong> erkl\u00e4rt: \u201e<strong>Ulrich Lins<\/strong> war es, der als erster systematisch zur Verwendung des Esperanto im Spanischen B\u00fcrgerkrieg gearbeitet hat. So regte er spanische Esperantisten dazu an, selbst zu dieser Periode zu forschen, die die bedeutendste in den letzten Jahrzehnten des Landes ist.\u201c <strong>Del Barrio<\/strong> gelang mit dem Hinweis auf seine Arbeit an dem Beitrag f\u00fcr diese Festschrift der Zugang zu sonst der \u00d6ffentlichkeit verschlossenen Teilen des \u201eDokumentationszentrums der historischen Erinnerung\u201c in Salamanca.<\/p>\n<p>Das japanische Mitglied der Esperanto-Akademie <strong>Hiroyuki Usui<\/strong> (geb. 1967) bekennt, dass, nachdem er \u201e1998 in Abendkursen den Magister erwarb\u201c, <strong>Ulrich Lins<\/strong> f\u00fcr ihn \u201enicht nur ein Esperanto-Freund, sondern auch Vorg\u00e4nger auf historiografischem Gebiet wurde.\u201c\u00a0\u00a0 Auch er setzt mit seinem Beitrag \u201eEsperanto f\u00fcr <strong>Ikki Kita<\/strong>: Nur ein Paradoxon eines paradoxen Menschen?\u201c Untersuchungen von <strong>Ulrich Lins<\/strong> fort. \u201eDie japanischen \u201egr\u00fcnen Nationalisten\u201c (Esperanto-Nationalisten \u2013 Erl\u00e4uterung des Autors) sind quasi ein gemeinsames Steckenpferd von <strong>Ulrich Lins<\/strong> \u2026 und mir.\u201c bemerkt er und ist sich bewusst, dass seine Thesen diskutierenswert sind.<\/p>\n<p>Einiges in dieser Festschrift regt zur Diskussion und zu weiteren Forschungen an und erg\u00e4nzt sich manchmal auch gegenseitig. Wenn der italienische Mathematiker und W\u00f6rterbuchautor <strong>Carlo Minnaja <\/strong>(geb. 1940) 19 deutschsprachige Mitglieder des Sprachkomitees bzw. der Esperanto-Akademie (bis 1948 &#8211; Jahr der Wiedergr\u00fcndung)\u00a0 auff\u00fchrt und\u00a0 von nur drei japanischen Mitgliedern berichten kann, wird deutlich, warum <strong>Osamu Isiga<\/strong> (1910-1994) mit seinem Artikel in der <em>Revuo Orienta<\/em>, der Zeitschrift des Japanischen Esperanto-Instituts \u201e\u2018Orienta Esperanto\u2018 \u2013 \u0108u ne indas rekoncepti Esperanton la\u016d \u201aorientula vidpunkto\u2018?\u201c \u00a0(Ein \u201eEsperanto des Ostens\u201c \u2013 Lohnt es nicht, Esperanto nach dem \u201eGesichtspunkt der im Osten Lebenden\u201c noch einmal zu konzipieren?\u201c 1942 eine Diskussion ausl\u00f6ste, die inzwischen als \u201e<strong>Isiga<\/strong>-Disput\u201c bezeichnet wird.<\/p>\n<div id=\"attachment_6249\" style=\"width: 530px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6249\" class=\" wp-image-6249\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Lins-Kimura-GIL-Konfrenz-2018-k.jpg\" alt=\"\" width=\"520\" height=\"376\" \/><p id=\"caption-attachment-6249\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Ulrich Lins und Prof. Goro Christoph Kimura w\u00e4hrend der Tagung der Gesellschaft f\u00fcr Interlinguistik in Berlin 2018<\/p><\/div>\n<p><strong>Kimura<\/strong>, der Autor des Beitrags, bezeichnet das Verm\u00e4chtnis des christlichen Esperantisten <strong>Isiga<\/strong> als aktuell, sowohl was den gerechten Gebrauch der Sprache angeht, als auch was das Engagement f\u00fcr den Frieden (<strong>Isiga<\/strong> war Kriegsgegner) und die Bedeutung von \u00dcbersetzungen f\u00fcr die interkulturelle Verst\u00e4ndigung betrifft (<strong>Isiga<\/strong> \u00fcbersetzte <strong>Selma Lagerl\u00f6f<\/strong> aus dem Schwedischen).<\/p>\n<p>\u201eDie ganze Welt in einem Koffer\u201c \u2013 der legend\u00e4re Vortrag von <strong>Ludwig Sch\u00f6dl<\/strong> (1909-1997), dem Schuldirektor aus Neuruppin, der 1967 das erste Esperanto-Lehrbuch in der DDR ver\u00f6ffentlichte, entstand noch unter den Bedingungen des Esperanto-Organisations- und Publikationsverbots (1949-1961), das er nicht befolgte und f\u00fcr dessen Aufhebung er arbeitete. Auch Briefe aus Japan enthielt der Koffer des Esperantisten aus der Region Berlin-Brandenburg, dessen Leben ich auf der Grundlage seines Nachlasses im Bundesarchiv (SAPMO) und meines Videointerviews mit ihm in dem Festschriftbeitrag\u00a0 \u201eDer Mutige aus Neuruppin \u2026\u201c erstmalig so detailliert beschreibe.<\/p>\n<div id=\"attachment_6251\" style=\"width: 508px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6251\" class=\" wp-image-6251\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/Schoedl-Strausberg-1983-D.jpg\" alt=\"\" width=\"498\" height=\"298\" \/><p id=\"caption-attachment-6251\" class=\"wp-caption-text\">Ludwig Sch\u00f6dl w\u00e4hrend des Esperanto-Sch\u00fclertreffens in Strausberg 1983<\/p><\/div>\n<p>Vielleicht wecken diese wenigen Bemerkungen \u00fcber das Buch die Neugier.<\/p>\n<p>Es ist online bestellbar, z.B. beim <a href=\"https:\/\/www.esperanto-buecher.de\/Hitosi\/Vergara\/Christoph-En-la-mondon-venis-nova-lingvo-Festlibro-Ulrich-Lins\">B\u00fccherdienst des Deutschen Esperanto-Bundes e.V.<\/a><\/p>\n<p>Fritz Wollenberg (Text und Fotos)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B\u00fccher spielten beim diesj\u00e4hrigen Zamenhoffest des Esperanto-Verbandes Berlin-Brandenburg am 15. 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