{"id":9987,"date":"2024-02-14T18:55:33","date_gmt":"2024-02-14T17:55:33","guid":{"rendered":"https:\/\/esperanto.berlin\/?p=9987"},"modified":"2024-02-14T19:12:55","modified_gmt":"2024-02-14T18:12:55","slug":"perloj-de-esperanto-novelarto-el-berlino","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/esperanto.berlin\/de\/perloj-de-esperanto-novelarto-el-berlino\/","title":{"rendered":"Perlen der Esperanto-Erz\u00e4hlkunst aus Berlin"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zum 61. Geburtstag von Lena Karpunina<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lena_Karpunina\">Lena<\/a> hat heute ihren festen Platz in der Geschichte der originalen Esperanto-Literatur.*<\/p>\n<div id=\"attachment_9988\" style=\"width: 1454px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9988\" class=\"size-full wp-image-9988\" src=\"https:\/\/esperanto.berlin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/c-010219Karpunina1mittendrin-Kopie.jpg\" alt=\"Lena Karpunina vo\u0109legas el sia libro en Kafejo mittendrin la 19-an de februaro 2001Foto: Fritz Wollenberg\" width=\"1444\" height=\"1016\" \/><p id=\"caption-attachment-9988\" class=\"wp-caption-text\">Lena Karpunina liest im Caf\u00e9 mittendrin aus ihrem Buch am 19. Februar 2001, Foto: Fritz Wollenberg<\/p><\/div>\n<p>Ihr Geburtstag am 17. Februar ist ein guter Anlass, wieder einmal eine ihrer Erz\u00e4hlungen zu lesen. F\u00fcr den <em>Lena-Karpunina-Abend<\/em> in der Reihe <em>Montags am Viktoriapark<\/em> w\u00e4hlte ich zwei Erz\u00e4hlungen aus: <em>La mortorciklo<\/em> (Das Motorrad) und\u00a0 <em>Mortpafitaj pomoj<\/em> (Totgeschossene \u00c4pfel). Beide Erz\u00e4hlungen sind in ihrem Buch <em>La bato<\/em> (Der Schlag) nachzulesen und geben einen tiefen Einblick in das Leben der Autorin.<\/p>\n<p>Als sie 16 war, kaufte der Vater ihr ein Motorrad. Gew\u00fcnscht hatte sie es sich nicht. Ihre erste Fahrt war ein Desaster. Beim Lesen biegt man sich vor Lachen, ist aber auch voller Mitleid und Betroffenheit. Ein Wechselbad der Gef\u00fchle! Die Schilderung einer Motorrad-Tour zu dem zauberhaften Gebirgssee Iskanderkul enth\u00e4lt wieder viel Situationskomik, ist aber auch eine Liebeserkl\u00e4rung der Autorin an ihre Heimat, das in einem Tal gelegene und malerisch von Bergen umgebene Duschanbe.<\/p>\n<p>Schon im Alter von 3 Jahren zog sie mit den Eltern aus der russischen Region Kaluga in die Hauptstadt Tadschikistans. Hier wuchs sie auf, absolvierte das Tadschikische Staatliche Polytechnische Institut und arbeitete dann als Ingenieurin in der Autoindustrie.<\/p>\n<p>1988 lernte sie Esperanto, besuchte die Zeltlager der Sowjetischen Esperanto-Jugendbewegung (SEJM) und andere Esperanto-Veranstaltungen. Schlie\u00dflich unterrichtete sie selbst die Sprache.<\/p>\n<p>Obwohl die Erz\u00e4hlung <em>Mortpafitaj pomoj<\/em> im Gegensatz zur ersten Erz\u00e4hlung nicht in der Ich-Form geschrieben ist, l\u00e4sst der Inhalt auf Autobiografisches schlie\u00dfen. Lena schildert, wie eine Frau nach Jahren der Abwesenheit, Verwandte in Duschanbe besucht und nach Spuren des B\u00fcrgerkriegs (1992-1997) sucht. Lena selbst hatte\u00a0 sich 1992 entschlossen, in Deutschland zu bleiben. Sie heiratete in Berlin den Esperantisten Gerd Bussing und unternahm Vortragsreisen, bei denen sie Tadschikistan vorstellte.<\/p>\n<p>In Duschanbe erlebt die Protagonistin ihrer Erz\u00e4hlung nun ein scheinbar normales Leben, als h\u00e4tte es den Krieg nicht gegeben, bis schlie\u00dflich Onkel Alexej das Schweigen bricht und erz\u00e4hlt, wie die 16-j\u00e4hrige Tochter eines Kollegen mit ihren Freundinnen auf dem Markt \u00c4pfel kaufte und ausgelassen scherzend mit den \u00c4pfeln im Arm eine Stra\u00dfe \u00fcberquerte, wo ein Bus pl\u00f6tzlich hielt und Uniformierte sie niederschossen. Es war wohl wegen der Kleidung der M\u00e4dchen, die verriet, dass sie aus dem Pamir kamen,<\/p>\n<p>Lena wurde durch den Besuch einer Lesung aus Werken von Preistr\u00e4gern der Belartaj Konkursoj (Wettstreit der Sch\u00f6nen K\u00fcnste) w\u00e4hrend des Esperanto-Weltkongresses 1996 in Prag angeregt, selbst Erz\u00e4hlungen zu verfassen, von denen 18 bei den Belartaj Konkursoj mit Preisen oder ehrenden Erw\u00e4hnungen bedacht wurden.<\/p>\n<p>Ihre Werke erschienen in Esperanto-Zeitschriften und gesammelt in zwei B\u00fcchern 2001 und 2007 (<em>La bato<\/em> und <em>Neokazinta amo<\/em>). Sie unternahm Autorenreisen nach Gro\u00dfbritannien und Frankreich und zum Schriftstellertreffen nach Kroatien. Dabei las sie nicht nur aus ihren Werken. Sie sang auch und spielte Gitarre dazu. Seit 2001 war sie Mitglied der Esperantlingva Verkista Asocio (Verband der Esperantosprachigen Schriftsteller) ekde 2008 Akademio Literatura de Esperanto (Literarische Esperanto-Akademie). Mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marjorie_Boulton\">Marjorie Boulton<\/a> war sie freundschaftlich verbunden. Mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Spomenka_%C5%A0timec\">Spomenka \u0160timec<\/a> kam sie ins Gespr\u00e4ch. 2010 wurde sie wegen ihrer literarischen Leistungen in die Esperanto-Akademie gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Lena war ein aktives Mitglied der Esperanto-Liga Berlin. Ihr fr\u00fcher Tod 2013 war ein herber Verlust f\u00fcr die Liga. Henryk Wenzel hat 2017 einen lesenswerten Essay \u00fcber sie im Jubil\u00e4umsbuch des Esperanto-Verbands Berlin-Brandenburg ver\u00f6ffentlicht.**<\/p>\n<p>*Carlo Minnaja kaj Giorgio Silfer: <em>Historio de la Esperanta Literaturo.<\/em> Kooperativo de Literatura Foiro, La Chaux-de-Fonds 2015 (Geschichte der Esperanto-Litaratur), S. 526\u2013527.<\/p>\n<p>*Josip Pleadin: <em>Leksikono de verda plumo. Leksikono pri Esperantlingvaj verkistoj.<\/em> Grafokom kunlabore kun Esperantlingva Verkista Asocio, Durdevac 2006, (Lexikon esperantosprachiger Schriftsteller), S. 121\u2013122.<\/p>\n<p>**Henryk Wenzel: <em>Memore al Lena Karpunina (1963\u20132013).<\/em> En Fritz Wollenberg (Red.): Esperanto. Lingvo kaj kulturo en Berlino kaj Brandenburgio 111 jaroj, Jubilea Libro 1903-2014, Esperanto-Asocio Berlino-Brandenburgio (Hrsg.), Mondial, Novjorko \u2013 Berlino 2017 (Kontribuoj en la germana kaj en Esperanto), ISBN 978-1-59569-340-2.<\/p>\n<p>Fritz Wollenberg<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum 61. Geburtstag von Lena Karpunina Lena hat heute ihren festen Platz in der Geschichte der originalen Esperanto-Literatur.* Ihr Geburtstag am 17. Februar ist ein guter Anlass, wieder einmal eine ihrer Erz\u00e4hlungen zu lesen. 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