Geschichte

Die Anfänge

Die 1949 gegründete Esperanto-Liga Berlin – heute die organisatorische Basis des Esperanto-Lebens in Berlin – führt ihre Traditionen zurück auf die 1903 unter der Schirmherrschaft der Deutschen Friedensgesellschaft gegründeten Berliner Esperanto-Gruppe, aus der sich bis 1912 der Esperanto-Verband Groß-Berlin entwickelte.

Bedeutende Persönlichkeiten wie der Astronom Wilhelm Förster, der Geophysiker Adolf Schmidt, der Begründer der internationalen Terminologienormung Eugen Wüster und der Friedensnobelpreisträger Alfred Hermann Fried gehörten ihm an. Von den Berliner Esperanto-Freunden gingen wichtige Impulse für die Verbreitung des Esperanto in Deutschland und für die Gründung des Deutschen Esperanto-Bundes (1906) aus.

Weimarer Republik

Nach der Herausgabe von Lehr- und Wörterbüchern, der Organisation von Esperanto-Unterricht und der Information der Berliner Öffentlichkeit über die Möglichkeiten der neuen Sprache entstand in Berlin eine vielfältige Esperanto-Kultur als Bestandteil der Berliner Kultur und der internationalen Esperanto-Kultur. In der Zeit der Weimarer Republik entstanden in Berlin zahlreiche neue Esperanto-Gruppen, auch sieben Fachgruppen. Die Anwendung dieser internationalen Sprache erreichte immer größere Vielfalt.

Verlage wie Borel, Ellersiek, und Mosse publizierten Belletristik und Fachliteratur in Esperanto. Schriftsteller übersetzten nicht nur, sie schufen literarische Werke auch original in Esperanto wie der Regisseur und Drehbuchautor Jean Forge, dessen Werke in mehrere Sprachen übersetzt wurden („Mr. Tot aĉetas mil okulojn“ / „Mr. Tott kauft 1000 Augen“, Roman, 1931). 1924 begannen erste Radiosendungen in Esperanto.
Neben den bürgerlichen Esperanto-Organisationen entwickelten sich ab 1911 in Berlin Arbeiter-Esperanto-Gruppen, die sich später politisch differenzierten (Deutscher Arbeiter-Esperanto-Bund, Sozialistischer Esperanto-Bund u.a.).

Im Faschismus

Mit der Machtübernahme des Faschismus 1933 wurden alle Arbeiter-Esperanto-Organisationen verboten und das Büro des Deutschen Arbeiter-Esperanto-Bundes in der Berliner Dircksenstraße geschlossen, ab 1936 war in Deutschland Esperanto verboten. In demselben Jahr übernahm die Preußische Staatsbibliothek in Berlin die Büchersammlung des Deutschen Esperanto-Instituts in Leipzig. Sie überdauerte den Krieg und ist dank der Arbeit von Ostberliner Esperanto-Freunden in den 60-er Jahren heute zugänglich.

Nach dem zweiten Weltkrieg

Nach dem Krieg sammelten sich auch in Berlin wieder die Esperanto-Freunde und versuchten an ihre frühere Tätigkeit anzuknüpfen. Doch in demselben Jahr (1949), in dem in den 3 westlichen Besatzungszonen die Esperanto-Liga Berlin zugelassen wurde, kam es in der Sowjetischen Besatzungszone zu einem Organisations- und Publikationsverbot für Esperanto-Sprecher, das in der DDR bis 1961 bestand.

Dennoch entwickelte sich in beiden Teilen der dann getrennten Stadt wieder ein interessantes Esperanto-Leben – in Westberlin in den Gruppen der Esperanto-Liga Berlin, die 1951 Landesverband des Deutschen Esperanto-Bundes e.V. wurde, in Ostberlin ab 1965 im Rahmen von Arbeitsgruppen des Kulturbundes, die 1981 mit der Gründung des Esperanto-Verbandes im Kulturbund der DDR dessen Berliner Bezirksverband wurden.

Esperanto-Unterricht, internationale Verbindungen, Treffen und Begegnungen, vielfältige kulturelle Betätigung standen in Ost und West auf der Tagesordnung, in Ostberlin natürlich mit den bekannten Einschränkungen.

Louis Beaucaire und Jan Stanisław Skorupski bereicherten in Westberlin die internationale Esperanto-Literatur. Dr. Karl Schulze wirkte in Ostberlin als Übersetzer von Bedeutung (z.B. „Dreigroschenroman“ von B. Brecht).

Berliner Esperanto-Freunde unterstützten wichtige internationale Projekte, so z. B. Ursula Grattapaglia, die gemeinsam mit anderen eine Schule mit einem Gut in Brasilien leitet, das den Namen „Bona Espero“ (Gute Hoffnung) trägt, und in dem Kinder und Jugendliche betreut und ausgebildet werden.

Prof. Victor Falkenhahn, Prof. Georg Meier, Prof. Ronald Lötzsch und Dr. Detlev Blanke leisteten als Sprachwissenschaftler in Ostberlin mit ihren Arbeiten zu Struktur und Funktion des Esperanto als internationale Plansprache einen wichtigen Beitrag zur Interlinguistik (D. Blanke, Internationale Plansprachen – eine Einführung, Akademie-Verlag 1985). In Ostberlin wirkte der Zentralvorstand des Verbandes auch als Herausgeber zahlreicher Publikationen in und über Esperanto, u.a. der Zeitschrift „der esperantist“ (1965-1991).

Wiedervereinigung und Gegenwart

1991 vereinigte sich die Liga mit dem Ostberliner Bezirksverband Berlin von GDREA (Esperanto-Verband im Kulturbund), freundschaftliche Kontakte bestanden aber schon vorher.

Seitdem wirkt die Liga nun wieder auch organisatorisch vereint für Esperanto-Sprache und Kultur in Berlin. In Berlin wird die internationale Sprache heute intensiv in ihren vielfältigen Möglichkeiten genutzt. Es finden viele Begegnungen, Treffen und Konferenzen statt, der 84. Esperanto-Weltkongress im Jahr 1999 zu dem Thema: „Globalisierung – eine Chance für den Frieden?“ war mit über 190 Einzelveranstaltungen für insgesamt 2712 Esperanto-Sprecher aus 66 Ländern die bisher vielfältigste und bedeutendste.

2004 bezog die Esperanto-Liga Berlin ihren Sitz im in Renovierung befindlichen Esperanto-Haus in der Einbecker Straße 36 in Berlin-Lichtenberg.

Seit 2011 ist die Esperanto-Liga Berlin Mitglied im Verein Kiezspinne. In deren Räumlichkeiten wurde 2012 der Deutsche Esperanto-Kongress als „Komuna Esperanto-Kongress“ gemeinsam mit den dänischen und polnischen Partnerverbänden durchgeführt, an dem 255 Esperantosprecher teilnahmen.

Seit 2012 ist die Esperanto-Liga Berlin Mitglied im Kulturverein Prenzlauer Berg.