Kein Berliner als UEA-Präsident

In seiner Presseerklärung 801 vom 10. Mai 2019 informiert der Esperanto-Weltverband UEA über die anstehenden Wahlen zum Vorstand. Die Wahl wird während des 104. Welt-Esperanto-Kongresses (UK) im finnischen Lahti stattfinden und der dann gewählte Vorstand wird bis 2022 im Amt bleiben.

Bisher haben sich drei Bewerber für den Posten des Vorsitzenden (prezidanto) gemeldet, darunter Adalberto [ Aron Wojciech] Soczówka aus Berlin, dessen Kandidatur allerdings vom Wahlausschuss nicht angenommen wurde, weil er nicht die erforderliche Zahl von Unterstützern im »komitato« vorweisen konnte.

Herr Soczówka ist in Berlin als komischer Vogel bekannt, der vor allem durch seine grüne Kleidung (grün ist die Farbe des Esperanto) bis zu den Schuhen Aufmerksamkeit erregen will.

Er nimmt regelmässig an Esperanto-Veranstaltungen teil und ist auch bei früheren Weltkongressen vor allem durch diese Kostümierung aufgefallen. Auch in Berlin gabe es für seinen Versuch, den Vorsitz der Esperanto-Liga zu übernehmen, wenig Begeisterung. Die Suchmaschinen wissen nichts über ihn.

Die Pressemitteilung erläutert ausführlich, welche Posten zu besetzen sind und welche Aufgaben damit verbunden sind.

Zur Wahl stehen nun Duncan Charters (Sprachwissenschaftler *1948, Mitglied der Esperanto-Akademie) und Fernando Maia (Geophysiker *1983 Vorstellung in revuo Esperanto).

Der neue Vorstand übernimmt eine schwere Aufgabe, denn der Esperanto-Weltverband steckt in einer tiefen finanziellen Krise und wird um tiefgehende Veränderungen im Management und in der Verwaltung nicht herumkommen.

 

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Onkel Max mag Apfelstrudel

Zum Patronatsfest der Gemeinde St. Joseph, in der Max Josef Metzger bis zu seiner Verhaftung gelebt hat, konnte er von einer anderen Seite gezeigt werden.

In seiner Zeit in Graz hielt er Vorträge für Kinder des „Schutzengelbundes“ über Themen, die wir heute als »populärwissenschaftlich« bezeichnen würden. In einem solchen Vortrag ging es um den menschlichen Körper, den Blutkreislauf und woher die Energie kommt.

Dabei gestand er auf die Frage seiner kleinen Zuhörer ein, dass er Apfelstrudel mag. Er sagte ganz im Einklang mit moderen Empfehlungen für gesunde Ernährung:

Was der Onkel am liebsten ißt? Das ist eine neugierige Frage, vorwitziges Mariechen?

Ich will sie dir aber doch beantworten, obwohl ich schon sehe, wie ihr alle verwundert eure Köpfchen schüttelt: Nicht was mir am besten schmeckt, sondern was mir am besten bekommt!

Milch und Brot und Mehlspeisen, Reis und Mais, Gemüse und Obst, das ist mir am liebsten.

Und Apfelstrudel?

Aber Hans, wie kann man nur so vorlaut sein! Natürlich auch Apfelstrudel, denn das ist auch eine Mehlspeise, die gesund und zuträglich ist. Jetzt hört mal alle aufmerksam zu! Es gibt ein Sprichwort, das heißt: Der Mensch lebt nicht, um zu essen, sondern er ißt, um zu leben.“

Der Text aus der „Grazer Mittags-Zeitung“ vom 11. Mai 1916 ist hier nachzulesen.

Wie schon in früheren Jahren konnte die Esperanto-Liga Berlin einen kleinen Informationstisch mit Esperanto-Literatur, die dem Anlass entsprechend schwerpunktmässig religiöser Natur war, präsentieren.

Roland Schnell, Foto: fritz Wollenberg

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Brückenfest Frankfurt (Oder)

Hart an der Grenze zu Polen und mit Blick auf das andere Ufer der Oder fand am 1. Mai 2019 das »Brückenfest« statt. Wie schon in den 10 Jahren davor hat es einen Infostand zu Esperanto gegeben, den Ronald Schindler organisiert hat.

Es war nicht ganz leicht das eher betagte Publikum für Esperanto zu interessieren. Viele hielten es für Spanisch oder wollten im Alter keine Sprache mehr lernen.

Dafür entwickelte sich rund um den Stand ein spontanes deutsch-polnisches Esperanto-Treffen. Neben einem halben Dutzend Esperanto-Freunden aus Berlin (ca. 1 h mit der RE 1) und Eisenhüttenstadt waren auch Gruppen aus Szczecin und Zielona Góra gekommen.

Gäste und Interessenten konnten eine Broschüre mit der Übersetzung eines Textes von Theodor Fontane mitnehmen. Er hatte in seinen »Wanderungen durch die Mark Brandenburg« eine Fahrt mit einem Dampfschiff von Frankfurt nach Schwedt beschrieben. Er schildert die Landschaft und beschreibt den Anblick von Städten wie Lebus oder Küstrin von der Oder aus.

Fontane Frankfurt und das Oderbruch mehrfach in seinen Texten berücksichtigt. Sein Vater hatte in Letschin eine Apotheke, wo er aushelfen musste,  und dieser verlebte seinen Lebensabend in Schiffmühle. Auf der heute polnischen Seite (damals Neumark) widmete er Tamsel (heute Dąbroszyn) ein ganzes Kapitel.

Am 8. Mai wird es in der Volkshochschule Frankfurt einen Esperanto-Kurs geben.

An Pfingsten 2020 (31. Mai/1. Juni) wird in Frankfurt (Oder) der deutsch-polnische Esperanto-Kongress stattfinden.

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Weddingweiser zu Esperanto

Der Weddingweiser mit dem Untertitel »Die schönsten Seiten des Wedding« hat den Beitrag über die Inbesitznahme des Max-Josef-Metzger-Platzes von Esperanto.Berlin übernommen und mit eigenem Material ergänzt. So gibt es eine instruktive Karte.

Der Beitrag hat die Überschrift »Max-Josef-Metzger-Platz vielfältig nutzbar« und verlinkt auf frühere Beiträge im Weddingweiser mit Fotos vom Zustand vor der Umgestaltung.

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Literarisches Picknick im Zamenhofpark

Am Ostermontag, 22. April, genoss man auf den Bänken im Lichtenberger Zamenhofpark das schöne Wetter und die Ruhe des Feiertages.

Auch 18 an der Esperanto-Literatur Interessierte zog es am Nachmittag in den Park, wo Anna Striganowa aus ihren zauberhaften original in Esperanto verfassten Märchen las und erzählte.

Sie hat im Verlag Impeto (Moskau) eine ganze Serie von Märchenbüchlein veröffentlicht: Miraklo de unu momento (Das Wunder eines Augenblicks – 2014), Fabeloj de la mezepoko (Märchen aus dem Mittelalter – 2015), Fabeloj pri malicaj estaĵoj (Märchen von bösartigen Wesen – 2016), Fabeloj pri komenco  (Märchen vom Anfang – 2017) und Fabeloj pri amo (Märchen von der Liebe – 2018).

Fritz Wollenberg las Auszüge aus der märchenhaften Erzählung „Pli ol nura lumo“ (Mehr als nur ein Leuchten) von Sabine Trenner.

Anschließend wurde die Zeit für ausgiebige Gespräche genutzt. Interessante Gesprächspartner waren auch Anna Gamaleya und Dima Schewtschenko.

Fotos: Dima Schewtschenko und Fritz Wollenberg

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Max-Josef-Metzger-Platz fertig

Klammheimlich und ohne eine eine Information für die Anwohner oder andere Interessierte wurde der Max-Josef-Metzer-Platz in Berlin Wedding vor Ostern zur Benutzung freigegeben. Die Bauzäune sind verschwunden und der Platz wurde bei sonnigem Wetter von der Bevölkerung sofort in Besitz genommen.

Sogar der Trinkbrunnen an der Müllerstrasse (auf der Höhe der Treppe zur U6) ist schon in Betrieb. Das würde den Alkoholgegner Metzger sicher freuen, dass hier jeder kostenlos seinen Durst stillen kann ohne zum »Laufbier« greifen zu müssen. Die Berliner Wasserbetriebe stellen diese Brunnen in der ganzen Stadt auf, wo sie mit ganz normalem Wasser aus der Leitung versorgt werden. Man kann alle Trinkbrunnen auf einer Karte finden.

Es gibt keinen Hinweis, dass die Öffnung in einem Zusammenhang mit dem Todestag von Metzger am 17. April 1944 geschah. An diesem Tag, der 2019 auf den Vorabend des Gründonnerstag gefallen ist, fand in der gegenüberliegenden Kirche St. Joseph eine Gedenkmesse für Metzger statt und es wurde die Gedenktafel  in der Willdenowstrasse mit einem Blumengebinde geschmückt.

Die Stele zum Gedenken an Max Josef Metzer auf dem Platz wurde leider bisher nicht gereinigt und wird von den Kindern als Turngerät betrachtet.

Auch mit dem Konsum von Alkohol wurde schon begonnen und es ist zu hoffen, dass die Entwicklung einer »Trinkerszene« wie auf dem Leopoldplatz, wo man seit vielen Jahren diesem Problem relativ hilflos gegenübersteht, vermieden werden kann.

Eine Reihe von bequemen Bänken entlang der Laufstrecke rund um den Platz laden zum Verweilen ein.

Dezenter Hinweis auf Esperanto

Wer die Zeichen zu deuten weiss, findet auf der Laufbahn sogar Hinweise auf Esperanto. Es wurden »motivierende Sprüche« auf den Asphalt aufgetragen, die Läufer zu weiteren Aktivitäten auffordern.

So kann man etwa »kvarfoje manfrapi« oder »streĉi« oder »kliniĝi« lesen.

Damit hat sich der Max-Josef-Metzger-Platz einen Eintrag in die Liste der Zamenhof/Esperanto-objektoj (ZEO-oj), redlich verdient. Diese Liste führt alle Sachzeugen (Strassen, Plätze, Denkmäler, Gedenktafeln) auf, die in irgendeinem Zusammenhang mit Esperanto stehen. In Berlin sind das unter anderem der Esperanto-Platz in Neukölln mit der Zamenhof-Eiche und der Zamenhof-Park in Lichtenberg, der in diesem Jahr sein 10-jähriges Jubiläum feiern kann. Dazu gibt es dort ein Fest am 9. August.

Unleserliche Tafeln im Boden

Entlang der Müllerstrasse wurden vier qudratische Metallplatten in den Boden eingelassen. Leider ist der Text kaum zu erkennen und die Blüten, die derzeit den Boden bedecken, tragen nicht zur Lesbarkeit bei. Deshalb kann noch nicht gesagt werden, ob und wie auf den Aspekt »Esperanto« im Leben von Max Josef Metzger eingegangen wird.

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Alexander Melnikov – Vortrag in Berlin

Der russische Sprachwissenschaftler und Esperantist Dr Alexander Melnikow,  wird während seiner Vortragsreise im Mai  in Berlin einen Vortrag halten zum Thema:

Ein Leben unter Stalin bis Putin – Aus dem Leben eines Esperantisten in verschiedenen Zeiten

Vortrag in Esperanto (Bei Bedarf wird resümiert bzw. übersetzt)

 Wann?

13. Mai 2019 um 19.30 Uhr

 Wo?

Esperanto-Laden, Katzbachstraße 25

Verkehrsverbindungen: U-Bahnhof Platz der Luftbrücke (U6), Bus-Haltestelle Dudenstraße/Katzbachstraße bzw. Monumentenstraße (104, 140)

Alexander Melnikow bei einem Vortrag zur Methodik des Esperanto-Unterrichts am 10.2.2002 im Lese- und Galerie-Café in Berlin-Prenzlauer Berg
Foto: Fritz Wollenberg

Dr. Alexander Melnikow, geboren 1951, Esperantist seit 1965, leitete als Professor den Lehrstuhl für Fremdsprachen an einer Technischen Universität, ist Mitglied der Akademie des Esperanto, war einige Jahre Mitarbeiter der Interlinguistischen Studien an der Poznańer Universität,

Einige Stationen: Diplomierter Chemiker, 1990 Doktorarbeit über Theorien zur internationalen Plansprache, 2004 Habilitation zur Entstehung, Bewahrung und Weitergabe von Esperanto-Kultur, Autor von zahlreichen wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Beiträgen und einigen Büchern in Russisch und Esperanto.

Sein “Gvidlibro tra Esperantio…” (Führer durch die Esperanto-Welt – 2015) nannte Carlo Minnaja (Mitglied der Akademie des Esperanto) einen Meilenstein der Esperanto-Kultur

Melnikow war Leiter des Esperanto-Klubs in Rostov-na-Donu, Vorsitzender von SEJM (Sowjetische Jugend-Esperanto-Bewegung), unterrichtete seit 1968 Esperanto in verschiedenen Ländern (Nach „Esperanto in Hamburg“)

 

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Ehrung Metzger 2019

Am Vorabend des Gründonnerstags, dem 17. April 2019 fand in der Kirche St. Joseph (Müllerstrasse 161, Wedding) die Gedenkmesse für Max Josef Metzger statt. In seiner Predigt erinnerte Domprobst Prälat Tobias Przytarski daran, dass Metzger bis zu seiner Verhaftung neben dieser Kirche gewohnt hatte. Im Anschluss an die Messe wurde ein Kranz der »Gemeinde St. Joseph Pfarrei St. Elisabeth« vor der Gedenktafel in der Willdenowstrasse  angebracht.

Da das Gedenken an den Tod von Metzger in diesem Jahr in die Karwoche fiel, ging Domprobst Przytarski die Parallelen zwischen Metzger und der Passion Christi ein. Auch bei Jesus war Verrat im Spiel, so wie bei dem  Memorandum, das nicht an einen Vertrauten aus der ökumenischen Bewegung, sondern an die Gestapo weitergeleitet wurde. Domprobst Przytarski  zitierte Passagen aus dem Text, worin unter anderem eine »fortschrittlichen Sozialpolitik (Sicherung von Arbeit, Verdienst und Lebensmöglichkeit für alle, Nationalisierung aller Bergwerke, Kraftwerke, Eisenbahnen, sowie des Großgrundbesitzes an Feld, Wald und Seen, soziale Steuerpolitik unter Schonung der Schwachen)« und eine »eine redliche Friedenspolitik auf der Grundlage sittlicher Wahrheit und Treue sowie sozialer Gerechtigkeit« gefordert wurden.

Das war genug, um Metzger wegen »Hochverrats« zum Tode zu verurteilen, eine Strafe, die ebenfalls eine Parallele zu Jesus Christus darstellt.

In den Fürbitten wurde auch gebeten, das Verfahren zur Seligsprechung bald zu Ende zu bringen, das vor fast 2 Jahrzehnten eingeleitet wurde und wo die Entscheidung des Vatikans abgewartet werden muss.

Das Engagement von Metzger für Esperanto wurde leider nicht erwähnt, aber die Esperanto-Liga Berlin wurde eingeladen, am Patronatsfest der Gemeinde St. Joseph am 5. Mai 2019 im Innenhof hinter der Kirche teilzunehmen. Wie in schon in früheren Jahren kann man dort über Esperanto allgemein und über die Tätigkeit christlicher Esperanto-Organsationen informieren.

 

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Grünes Blut 2 erfolgreich aufgeführt

 

Im Dachgeschoss des Kulturzentrums danziger50 sammelten sich am 12. April 2019 um 15.00 Uhr Besucher des 2. Blut-Festivals um den Künstler Claus Utikal, der zu Sätzen über das Leben, die Kunst und ihre Vergänglichkeit blutfarbene Farbe verspritzte, während die Sängerin Christina Harslem den Vorgang mit Sirenen-Gesängen begleitete. Die Gesellschaft zog dann durch das Treppenhaus in den Keller, blutrote Spuren hinterlassend. Hier setzte sich die Performance fort, bei der schließlich ein  Bild gemalt, gemischt, geformt wurde, das am Ende des Festivals auf dem Hof verbrannt werden sollte. Dazu verkündete der Künstler seine Gedanken, und es erklang die wundervolle helle Stimme der Sängerin.

Damit war ein Festival eröffnet, bei dem am Abend auch das ironisch amüsante Spektakel „Grünes Blut 2“ mit Texten in Deutsch und in Esperanto aufgeführt wurde.

Der Doktor, gespielt vom Regisseur des Spektakels Fritz Wollenberg,  begrüßte die Zuschauer im Saal als Patienten in seiner Notaufnahme, akzeptierte etwas genervt aber mit wachsendem Interesse die Bemühungen der Oberschwester, dargestellt von Wera Blanke, ihm etwas Esperanto und einiges aus der Esperanto-Literatur zu vermitteln, damit er sich auf grünblütige Patienten einstellen konnte, womit begeisterte Esperanto-Sprecher gemeint waren. Etwas misstrauisch ließ er es zu, dass der grünblütige Sänger Kaŝi (Carsten Schnathorst aus Hamburg) in seiner Notaufnahme singt, nachdem die Oberschwester bereits das Gedicht von Ossaka Kenji (1888-1969) „Ho, juna sango!“ (Oh, junges Blut) deklamiert hatte. Er war aber doch froh, dass der Vampir, der auch hier behandelt werden musste, durch die Musik friedlich gestimmt werden konnte.

Der Vampir, verkörpert durch Peter Kühnel, gab unumwunden zu, dass er es, als Esperanto-Lehrer getarnt, auf das grüne Blut der begeisterten Esperanto-Schüler abgesehen hatte. Er konnte die Aufregung um den kleinen Biss und das bisschen grüne Blut während des Esperanto-Unterrichts überhaupt nicht verstehen. Schließlich beherrscht er die berühmte Ĉe-Methode und demonstrierte das auch gleich dem Publikum bei einem Crash-Kurs Esperanto, den der Doktor allerdings unterbrach, aus Sorge um die Sicherheit seiner Patienten.

Die Oberschwester wusste natürlich Genaueres über den Erfinder der Unterrichtsmethode Andreo Cseh (1895-1979) und trug das Kapitel aus „El la Verda Biblio“ von Izrael Lejzerowicz (1901-1944) vor, das im Stil der Bibel über Csehs Wirken berichtet. Auch aus einer anderen Satire, dem „Krieg der Hüte“ von Louis Beaucaire (1925-1983) bot sie eine Kostprobe. Darin löst der reĝo (König) einen „Bürgerkrieg“ aus, da er nicht dasselbe Überzeichen (auch Hut genannt) über dem g haben wollte, wie der ĉambelano (Kammerdiener) über seinem c, sondern einen luxuriöseren Hut, eine Krone. Die Oberschwester erzählt das satirische Märchen, um zu zeigen dass auch bei den Grünblütigen nicht alles ohne Konflikte abgeht, obwohl sie am Ende doch hervorhebt, dass der Frieden ein wichtiges Ziel der Grünblütigen sei.

Das bestätigt der Zeitmaschinennavigator Phila, hinter dem sich der Schriftsteller Dr. Philipp Sonntag verbarg, der von Begegnungen mit grünblütigen Esperanto sprechenden Aliens berichtet, die eine völlig neue Stufe der Zivilisation erreicht hätten und auf deren Erscheinen in der Notaufnahme sich der Doktor einzustellen habe. Als Beweis zitiert er einen Mutanten.

Der schräge Humor des Spektakels erreichte die Zuschauer, unter denen sich einige Esperanto-Sprecher befanden. Ulrich Wilke sorgte für die Projektion der deutschsprachigen Übersetzung von Esperanto-Texten auf die Leinwand, so dass alles für das gesamte Publikum verständlich blieb.

 

Besonderen Applaus bekam der Sänger und Musiker am Keyboard, der seine in der Esperanto-Szene bereits bekannten Lieder „Tango  de Esperantuj‘“ (Esperantoland-Tango), „Renkontiĝa kanto“ (Lied der Begegnung), „Amu min!“ (Liebe mich!), „Verda fabelo“ (Ein grünes Märchen) und „Preĝo de anĝelo“ (Gebet eines Engels) vortrug.

 

 

Am Ende tanzten mit den Darstellern auch Zuschauer seinen „Esperanto-Rock ‘n‘  Roll“ mit.

Text und Fotos: Fritz Wollenberg

 

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Messe für Metzger (17. April)

Esperanto-Freunde 2014 beim Reinigen der Hinweistafeln an der Müllerstrasse. Im Hintergrund die Kirche St. Joseph

Zum Gedenken an den Pfarrer Max Josef Metzger (Esperantist, Pazifist und Pionier der Ökumene) findet an seinem Todestag, dem 17. April 1944, eine Gedenkmesse in der Kirche St. Joseph (Müllerstrasse 161, Wedding) statt. Diese Kirche hat ,solange die Hedwigs-Kathedrale wegen Renovierung nicht zur Verfügung steht, die Funktion der Berliner Kathedrale.

Bei der Messe am 17. April 2019 um 18 Uhr wird Domprobst Prälat Tobias Przytarski Hauptzelebrant sein.

Nach dem Gottesdienst findet eine Kranzniederlegung vor der Gedenktafel in der Willdenowstrasse 8  statt.

In der Kirche St. Joseph ist in der Krypta eine Gedenkstätte für Max Josef Metzger eingerichtet, die während der Öffnungszeiten der Kirche zugänglich ist.

Gedenktafel im Innenhof Willdenowstr. 8 Gemeindesaal St. Joseph (Foto 2016)

Max-Josef-Metzger hatte bis zu seiner Verhaftung am 29. Juni 1943 in einer Wohnung über dem heutigen Gemeindesaal gelebt Er wurde in einem nur 70 Minuten dauernden Schauprozess vom Volksgerichtshof  zum Tod verurteilt. Er wurde am 17. April 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden durch Enthauptung hingerichtet. Das Todesurteil gegen Max Josef Metzger wurde 1997 vom Landgericht Berlin aufgehoben.

Den Vorwand für den Prozess bildete ein Text, den Metzger an den Erling Eidem (19311950), den Bischof von Uppsala, übermitteln wollte, er hatte aber den Fehler gemacht, eine Agentin der Gestapo als Überbringer zu wählen. Der Text wird auch als Demokratisches Manifest bezeichnet und ist eher ein politisches Programm für die Neugestaltung Deutschlands nach der Niederlage im Krieg als ein theologisches Traktat. Darin finden sich viele Ansätze, die Metzger seit seiner Studententenzeit verfolgt hatte.

Vieles davon ist auch heute noch aktuell, wie die Forderung nach einer…..

…….fortschrittlichen Sozialpolitik (Sicherung von Arbeit, Verdienst und Lebensmöglichkeit für alle, Nationalisierung aller Bergwerke, Kraftwerke, Eisenbahnen, sowie des Großgrundbesitzes an Feld, Wald und Seen, soziale Steuerpolitik unter Schonung der Schwachen) und einer gerechten Nationalitäten- und Rassenpolitik……

oder der Wunsch nach „Vereinigten Staaten von Europa“.

Eine detailreiche Beschreibung des Wirkens von Metzger ist in der Online-Ausstellung  Christlicher Widerstand zu finden, wo auf alle Aspekte eingegangen wird.

Ein kämpferischer Alkoholgegner

Das vorherrschende Bild von Metzger als gottergebenen Dulder entstand erst nach seiner Verurteilung durch die Mitteilungen an seine Brüder und Schwestern der Christkönigsgesellschaft, die 1948 als unter dem Titel »Gefangenschaftsbriefe.«  im Kyrios-Verlag, Meitingen, veröffentlicht wurden. In der Auflage von 1964 lautete der Titel: »Für Frieden und Einheit – Briefe aus der Gefangenschaft«.

1928 hatte in Meitingen (nördlich von Augsburg) die vom Metzger 1919 in Graz gegründete »Missionsgesellschaft vom Weißen Kreuz«  ein Anwesen übernommen, in derm sie ihre soziale Arbeit unter dem Namen »Societas Christi Regis (Christkönigsgesellschaft)«  mit 84 Mitgliedern, davon  6 Priester, 15 Laienbrüder und 63 Schwestern, weiterführen konnten.

1936 wurde in der Zeitschrift »Heroldo de Esperanto« (Nr. 881 vom 17. Mai) für einen preiswerten Ferienaufenthalt in Meitingen geworben und darauf hingewiesen, dass schon einige der Brüder Esperanto gelernt hätten. Quelle (14 MB PDF). Es wird als »Reformkurheim« beschrieben, in dem man unter Anleitung eines Arztes gegen diverse Zivilisationskrankheiten (Folgen von Alkohol und Nikotin, Fettleibigkeit) durch naturgemässe Kost mit frischem Obst und Gemüse angehen könne.

Metzger hatte sich schon als Student für Totalabstinenz entschlossen und agitierte als junger Priester so entschieden gegen den Alkoholismus, den er als Ursache vieler sozialer Probleme erkannt hatte, dass seine Vorgesetzten in der kirchlichen Hierarchie, glaubten ihn zügeln zu müssen. Am Ersten Weltkriege nahm er als Feldgeistlicher teil und als er durch eine Erkrankung als dienstunfähig entlassen wurde, erhielt er eine Einladung von Professor Ude nach Graz, der mit ihm in vielen Fragen (Abstinenz, Vegetarismus, Pazifismus) auf gleicher Wellenlänge war. Metzger leitete den Paulus-Verlag, der das durch die Herausgabe von preiswerten Schriften publizistisch unterstützte.

Esperanto für die katholische Internationale

Ein Thema, das Metzger seit der Revolution in Russland umtrieb, war die Gründung einer »Katholischen Internationale« als Gegengewicht zur kommunistischen. Als Pazifist hatte er unter der Tatsache gelitten, dass sich die Katholiken aller Länder kaum für den Frieden eingesetzt hatten, sondern der nationalen Euphorie folgend begeistert in den Krieg gegen ihre Glaubensgenossen gezogen waren. Metzger fühlte sich mehr mit Benedikt VX verbunden, der von seinem Amtsantritt am 3. September 1914 an versucht hatte als Friedensstifter zu wirken, aber dabei ziemlich erfolglos blieb.

Die gemeinsame Sprache der »Katholischen Internationale« sollte die internationale Sprache Esperanto sein und gerade damit eckte er bei der seit 1910 bestehenden Esperanto-Organisation für Katholiken (Internacia Katolika Unuiĝo Esperantista, heute  “IKUE”) an, deren Führung seine weitreichenden Pläne und Ideen (Pazifismus, Lebensreform) nicht zu teilen vermochte.

Die offizielle Sprache der von Metzger 1919 gegründeten Orgnisation »Mondjunularo Katolika« (MOKA) war Esperanto und es war die einzige Sprache der internationalen Zeitschrif t (La juna Batalanto), die bis 1934 erscheinen konnte. Viele Jahre lang wurde diese Zeitschrift von Wilhelm Solzbacher geleitet, der 1933 nach Luxemburg und 1940 in die USA emigrieren musste. In den 1960er Jahren war er für die Esperanto-Sendungen bei »Voice of America« verantwortlich. Er hat Max Josef Metzger noch 1939 in Luxemburg getroffen.

Wegbereiter der Ökumene

Versammlung 16. November 1940 Hofkirche Dresden

Heute wird Metzger als Vordenker und Wegbereiter der Ökomene betrachtet. Aber zu seiner Lebenszeit war der Dialog zwischen den christlichen Religionen verpönt. Unter dem Druck der politischen Situation ab 1933 in Deutschland kam es zu einer Annäherung zwischen einzelnen Vertretern der verschiedenen Glaubensgemeinschaften, was auch die Unterstützung der zunehmend unter staatlicher Repression leidenden Juden einschloss. Der Auslöser für Metzger war  die Friedens-Tagung des »Internationalen Versöhnungsbundes« 1923 in Nyborg, wo es an einem freien Nachmittag eine Zusammenkunft von Amtsträgern der verschiedenen Konfessionen gab.

Daraufhin veranstaltete er 1924 in Graz einen Vortrags- und Ausspracheabend für katholische und evangelische Christen zum Thema: »Die Protestanten und wir« und es gabe eine rege Beteiligung. Die erste Begegnung mit der weltweiten Ökumenischen Bewegung war für ihn die »Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung« 1927 in Lausanne. Er verfasste drei Aufsätze für verschiedene Leserkreise und schrieb: »An uns Katholiken ist es, alle Einigungsbestrebungen, wo sie auch ohne uns in Angriff genommen werden, mit Wohlwollen und schuldigem Interesse zu verfolgen und für alle daran Teilnehmenden um den Heiligen Geist, den Führer zur wahren Einheit, erfürchtig zu flehen«.

Unu Sancta

Von 1938 an schrieb er unzählige Briefe an Priesterfreunde und Theologen der verschiedenen Konfessionen. Er lässt Gebetszettel mit Einheitsgebeten drucken, die durch Mitglieder seiner Gemeinschaft bei der Weltgebetswoche 1939 zu Tausenden verteilt wurde. Er verfasst Flugschriften wie »Muss die «Glaubensspaltung sein?«, »Um die Einheit der Kirche» oder »Aufbruch zur Una Sancta« und gründete schliesslich im Winter 1938/39 die »Bruderschaft Una Sancta« nach dem dem Vers in Matthäus 23.8  »Ihr aber, laßt ihr euch nicht Rabbi nennen; denn einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder. «.

Um Pfingsten 1939 richtet er einen Brief an die evangelischen Geistlichen. Darin lädt er
mit seiner Anrede „Im Herrn geliebte Mitbrüder!“ seine evangelischen Brüder herzlich ein, die vorerst mögliche Einheit zu verwirklichen und bietet als sichtbare Möglichkeit die Bruderschaft Una Sancta dazu an.

Allein der Begriff »Una Sancta« führte beim Prozess im Volksgerichtshof zu wütenden Ausfällen von Roland Freisler, der darin einen Angriff auf das ideologische Monopol der NSDAP erkannte.

Im Gefängnis schrieb Max Josef Metzger am 18. Januar 1944 in einem Gedicht mit dem Titel »Una Sancta«:

Ihr lest:„Ein Herr! Ein Glaube! Eine Taufe!“ –
In euren Kirchen predigt ihr die Schrift,
doch eurer Gottesmänner Wortgeraufe
als Ärgernis das Ohr der Heiden trifft.

„Ein Herr!“ Vor Ihm sollt ihr die Knie beugen,
einmütig preisend Ihn aus Herzensgrund!
Für Kreuz und Auferstehung sollt ihr zeugen
vor aller welt mit einer Kirche Mund!

Gedenken dezentral

Lange Zeit war Max Josef Metzger nur wenigen Getreuen bekannt, aber in den letzten Jahren kamen immer neue Erinnerungsorte hinzu und es haben Veranstaltungen stattgefunden.

  • An seinem letzen Wohnort in Freiheit in Wedding ist das Gedenken fest verwurzelt. Es gibt eine ständige Gedenkstätte in der Krypta der Kirche St. Joseph, eine Gedenktafel in der Willdenowstrasse und eine Tafel im Innenhof unter seiner Wohnung. Die Gemeinde hat in früheren Jahren am Todestag die Hinrichtungsstätte im Zuchthaus Brandenburg-Görden besucht.

Müllerstr. 161

  • 2018 ist ein Stolperstein vor der Kirche St. Joseph im Gehweg dazugekommen.
  • Die Umbenennung der Willdenowstrasse war von den Anwohnern abgelehnt worden. Stattdessen wurde der vorherige Courbière-Platz in Max-Josef-Metzger-Platz umbenannt. Er wird seit 2017 umgebaut und sollte 2019 wieder eröffnet werden.
  • In Freiburg, seiner Heimatdiözese, wurde 2006 wurde das Seligsprechungsverfahren für Dr. Max Josef Metzger mit Übersendung der in acht Jahren zusammengetragenen Dokumente und Aussagen von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch nach Rom eingeleitet.
  • In Freiburg hält Pax Christi die Erinnnerung  wach.
  • Christian Heß, der heutige Leiter des Erzbischöflichen Priesterseminars Collegium Borromaeum in Freiburg hat sich in seiner Promotion mit Metzger beschäftigt und als Buch veröffentlicht. »Ohne Christus, ohne tiefstes Christentum ist Krieg« (Die Christkönigsthematik als Leitidee im kirchlich-gesellschaftlichen Engagement Max Josef Metzgers) Bonifatius Verlag, 2017, 499 Seiten
  • Die von Metzger gegründete »Societas Christi Regis (Christkönigsgesellschaft)« besteht unter dem Namen »Christkönigs-Institut«bis heute. Hier befindet sich auch die Grabstätte von Metzger, der ursprünglich in Berlin begraben worden war, aber 1946 umgebettet wurde.
  • In Augsburg gibt es seit Jahren eine Gedenkveranstaltung neben dem Dim, die von Pax Christi und VVN veranstaltet wird. Im Jahr 2019 um 17 Uhr Am Domplatz – vor der Dr. Max Josef Metzger Gedenkstelle.
  • In seinem Geburtsort  Schopfheim es schon 1987 eine Ausstellung gegeben, die von dem Heimathistoriker und in der Wolle gefärbter Katholik Heiner A. Baur gestaltet worden war.
  • In Graz gibt es eine Gedenktafel in dem Haus, in dem sich das »Vegetarische und alkoholfrei Speisehaus« befunden hatte.
  • 1990 wurde der Vorschlag verbreitet eine »Kapelle Max-Josef Metzger«in dem Esperanto-Kulturzentrum von La Chaux-de-Fonds (Schweiz) einzurichten.

Esperanto-Berlin

 

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