Robert Biedroń: Esperantist

Atheist, schwul und Esperantist. Robert Biedroń ist bestimmt nicht das, was eine polnische Mutter für ihren Sohn in ihren Gebeten an  die  schwarzen Madonna in Tschenstochau erfleht. Der neue Star am Politikhimmel in Polen ist nach der Gründung seiner Partei »Wiosna« (deutsch. Frühling) auch im Ausland zu einer Berühmtheit geworden.

Als Bürgermeister der Stadt Słupsk pflegte er freundschafliche Beziehungen zu der örtlichen Esperanto-Bewegung. Darüber hat die polnische Seite für Słupsk (esperanto: Slupsko, deutsch Stolp) in den letzten Jahren ausgiebig informiert. Ein ganzer Abschnitt listet die Kontakte zu Lokalpolitikern auf und hebt besonder die Unterstützung durch Robert Biedroń hervor, der am 24. April 2017 als Bürgermeister der Stadt höchstpersönlich die Ausstellung »130 Jahre Esperanto« im Rathaus eröffnet hatte.

Biedroń zum Anfassen in Woodstock

Biedroń (3. von links) eingekreist von Esperantisten (Ausgabe Oktober 2017 der Zeitschrift revuo Esperanto)

Esperanto-Freunde aus der Region Berlin-Brandenburg konnten 2017 ganz in der Nähe auf Tuchfühlung zu Biedroń gehen, als er bem Festival »Przystanek Woodstock« in Kostrzyn an der Oder das »Multi-Kulti Dorf« der polnischen Esperantisten besuchte.

In der Zeltstadt wurde über Esperanto informiert, es gab Sprachkurse und Vorträge. Auch Besucher aus dem Ausland liessen sich das einmalige Festival nicht entgehen.

Biedroń hat angekündigt, dass seine neue Partei schon im Mai 2019 zu den Europawahlen antreten werde und es werden ihr gewisse Chancen eingeräumt. Das ist natürlich eine mächtige Konkurrenz zu einer anderen Gruppierung, die unter dem Namen »Europa – Demokratie – Esperanto (Kurzbezeichnung: EDE)« in Deutschland auftritt. Sie stand mehrfach bei Europawahlen auf dem Stimmzettel ohne nennenswerte Resonanz bei den Stimmberechtigten. Pikanterweise wurde der Kontakt zu Biedroń von Edward Kozyra gehalten, der auch seit 2017 die betreffenden Einträge in Wikipedia, einschliessliche seines eigenen, gepflegt hat. Darin wird Biedroń als  Mitglied von »EDE Pollando« bezeichnet:

La renkontiĝo de la Estraro de EDE-Pollando la 19-an de januaro 2016 en Slupsko kun nia ano Robert Biedroń, kiu estas Urbestro en tiu urbo.

Auch im Wikipedia-Eintrag von Polskie Stowarzyszenie Europa – Demokracja – Esperanto (kurz: EDE-Pollando) wird Biedroń mit einem Foto von 2014 als Mitglied genannt. Unter den Leistungen von EDE-Pollando wird hervorgehoben, dass im Oktober 2012 eine Gruppe von Parlamentariern zur Förderung von Esperanto »Parlamenta Grupo Apoganta Esperanton (PGAE)« gebildet wurde, zu der auch Biedroń gehörte.

Frühling bringt mehr Englisch

Welche Position die Partei »Wiosna« zu Esperanto hat, ist noch nicht bekannt. Die Forderung nach einer Verdopplung der Stunden für den Englisch-Unterricht und dass ein Schulfach auf Englisch unterrichtet werden solle, dürfte sie eigentlich für Esperantisten unwählbar machen, auch wenn die anderen Forderungen ziemlich sympathisch klingen: Gleicher Lohn für Mann und Frau, Erhöhung von Mindestlohn und Rente, Recht auf Abtreibung, „Homoehe“, kostenloser Eintritt in kulturelle Einrichtungen am Sonntag, moderne Sexualerziehung, gegen Gewalt an Schulen – [deutsche Version auf Basis der Esperanto-Version in Wikipedia].

Die Breite des Spektrums der Esperanto-Sprecher zeigt sich auch daran, dass die »taz« zu  dem umstrittenen Professor Werner Patzelt in Dresden anmerkt, dass er »Esperanto spricht und auf dem Cello musiziert«. Tatsächlich ist er sogar Vorsitzender des »Esperanto-Zentrum „Marie Hankel“« (Freundeskreis Esperanto an der TU Dresden im Deutschen Esperantobund e.V.  und Sächsisches Esperanto-Archiv). Dort hat es niemand gestört, dass er seit 2015 Leitartikler der Zeitschrift »Junge Freiheit« ist.

 

 

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