Grünes Blut 2 erfolgreich aufgeführt

 

Im Dachgeschoss des Kulturzentrums danziger50 sammelten sich am 12. April 2019 um 15.00 Uhr Besucher des 2. Blut-Festivals um den Künstler Claus Utikal, der zu Sätzen über das Leben, die Kunst und ihre Vergänglichkeit blutfarbene Farbe verspritzte, während die Sängerin Christina Harslem den Vorgang mit Sirenen-Gesängen begleitete. Die Gesellschaft zog dann durch das Treppenhaus in den Keller, blutrote Spuren hinterlassend. Hier setzte sich die Performance fort, bei der schließlich ein  Bild gemalt, gemischt, geformt wurde, das am Ende des Festivals auf dem Hof verbrannt werden sollte. Dazu verkündete der Künstler seine Gedanken, und es erklang die wundervolle helle Stimme der Sängerin.

Damit war ein Festival eröffnet, bei dem am Abend auch das ironisch amüsante Spektakel „Grünes Blut 2“ mit Texten in Deutsch und in Esperanto aufgeführt wurde.

Der Doktor, gespielt vom Regisseur des Spektakels Fritz Wollenberg,  begrüßte die Zuschauer im Saal als Patienten in seiner Notaufnahme, akzeptierte etwas genervt aber mit wachsendem Interesse die Bemühungen der Oberschwester, dargestellt von Wera Blanke, ihm etwas Esperanto und einiges aus der Esperanto-Literatur zu vermitteln, damit er sich auf grünblütige Patienten einstellen konnte, womit begeisterte Esperanto-Sprecher gemeint waren. Etwas misstrauisch ließ er es zu, dass der grünblütige Sänger Kaŝi (Carsten Schnathorst aus Hamburg) in seiner Notaufnahme singt, nachdem die Oberschwester bereits das Gedicht von Ossaka Kenji (1888-1969) „Ho, juna sango!“ (Oh, junges Blut) deklamiert hatte. Er war aber doch froh, dass der Vampir, der auch hier behandelt werden musste, durch die Musik friedlich gestimmt werden konnte.

Der Vampir, verkörpert durch Peter Kühnel, gab unumwunden zu, dass er es, als Esperanto-Lehrer getarnt, auf das grüne Blut der begeisterten Esperanto-Schüler abgesehen hatte. Er konnte die Aufregung um den kleinen Biss und das bisschen grüne Blut während des Esperanto-Unterrichts überhaupt nicht verstehen. Schließlich beherrscht er die berühmte Ĉe-Methode und demonstrierte das auch gleich dem Publikum bei einem Crash-Kurs Esperanto, den der Doktor allerdings unterbrach, aus Sorge um die Sicherheit seiner Patienten.

Die Oberschwester wusste natürlich Genaueres über den Erfinder der Unterrichtsmethode Andreo Cseh (1895-1979) und trug das Kapitel aus „El la Verda Biblio“ von Izrael Lejzerowicz (1901-1944) vor, das im Stil der Bibel über Csehs Wirken berichtet. Auch aus einer anderen Satire, dem „Krieg der Hüte“ von Louis Beaucaire (1925-1983) bot sie eine Kostprobe. Darin löst der reĝo (König) einen „Bürgerkrieg“ aus, da er nicht dasselbe Überzeichen (auch Hut genannt) über dem g haben wollte, wie der ĉambelano (Kammerdiener) über seinem c, sondern einen luxuriöseren Hut, eine Krone. Die Oberschwester erzählt das satirische Märchen, um zu zeigen dass auch bei den Grünblütigen nicht alles ohne Konflikte abgeht, obwohl sie am Ende doch hervorhebt, dass der Frieden ein wichtiges Ziel der Grünblütigen sei.

Das bestätigt der Zeitmaschinennavigator Phila, hinter dem sich der Schriftsteller Dr. Philipp Sonntag verbarg, der von Begegnungen mit grünblütigen Esperanto sprechenden Aliens berichtet, die eine völlig neue Stufe der Zivilisation erreicht hätten und auf deren Erscheinen in der Notaufnahme sich der Doktor einzustellen habe. Als Beweis zitiert er einen Mutanten.

Der schräge Humor des Spektakels erreichte die Zuschauer, unter denen sich einige Esperanto-Sprecher befanden. Ulrich Wilke sorgte für die Projektion der deutschsprachigen Übersetzung von Esperanto-Texten auf die Leinwand, so dass alles für das gesamte Publikum verständlich blieb.

 

Besonderen Applaus bekam der Sänger und Musiker am Keyboard, der seine in der Esperanto-Szene bereits bekannten Lieder „Tango  de Esperantuj‘“ (Esperantoland-Tango), „Renkontiĝa kanto“ (Lied der Begegnung), „Amu min!“ (Liebe mich!), „Verda fabelo“ (Ein grünes Märchen) und „Preĝo de anĝelo“ (Gebet eines Engels) vortrug.

 

 

Am Ende tanzten mit den Darstellern auch Zuschauer seinen „Esperanto-Rock ‘n‘  Roll“ mit.

Text und Fotos: Fritz Wollenberg

 

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