Ido für alle – Journal55plus

Wie das weltweite Sprachenproblem lösen?

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Ido für alle

Wenn sie sich jeden Freitag im ver.di-Haus an der Köpenicker Straße treffen, Kaffee kochen und Kuchen aufschneiden, dann haben die Vertreter der Berliner Ido-Gesellschaft, vorwiegend Männer im Seniorenalter, eine Vision: Jedes Volk behält seine Muttersprache und es gibt eine neutrale Fremdsprache für alle. Die Sprache wäre für alle gleichermaßen vertraut und fremd. Auch wenn sie nur wenige sind, die Berliner Idisten sind sich sicher: Das leicht zu erlernende Ido bietet sich an. Die Sprache, auf der Basis von Esperanto entwickelt, nimmt nach ihrer Häufigkeit ausgewählte Wörter anderer Sprachen auf. Es gibt eine regelmäßige Satzstellung wie im Englischen und keine unregelmäßigen Verben, kein ß und keine Umlaute – von Fremdwörtern abgesehen. Ido wird gesprochen, wie es geschrieben wird, es kennt keine stummen und Doppelbuchstaben und keine Überzeichen. Geschlechtsneutral ist es auch: La hundo ist ein männlicher oder weiblicher Hund, hundino die Hündin, hundulo der Rüde.

Mit einer Fremdsprache für alle, so die Idisten, könne allein der Aufwand der Übersetzungen in Brüssel enorm verringert werden. Rudolf Gensch: „Derzeit gibt es 27 Staaten mit 23 Amtssprachen, und es werden mehr… Eigentlich bräuchte man immer zwei Übersetzer in jede Richtung, aber wie viele Malteser gibt es, die litauisch können? Es stellt sich künftig immer mehr die Frage: Wählt man Vertreter nach ihrer fachlichen oder nur nach sprachlicher Kompetenz?“ Was die Idisten zusammenführte, ist das lebenslange Interesse an Sprache, mit der sie meist beruflich gar nichts zu tun hatten. Eberhard Scholz war bis zum Alter von 62 Jahren Arbeiter in der Zuckerfabrik in Anklam. Er hatte sich schon dort in der Freizeit für Esperanto und das Plattdeutsche engagiert, bevor er mit seiner Frau in die Nähe der Söhne und Enkel nach Friedrichsfelde zog. Der Urberliner Günter Schlemminger, in Köpenick zuHause, war Chemielehrer. Der Lichtenberger Rudolf Genschwar Straßenbahnfahrer. Über Esperanto und Zeitungsartikel fanden sie zueinander und zur Ido-Gesellschaft, in der sie mit Interessierten weltweit kommunizieren. Jeder engagiert sich, wo er es am besten kann und mag: Seit elf Jahren geben sie das kleine Magazin „Ido-Saluto“ heraus. Günter Schlemminger übersetzt Texte, „die auf der Straße liegen“ und die sie bewegen. Rudolf Gensch verschickt das Heft „in viele europäischen Länder, nach Australien, China, Japan, Kanada, Mexiko und in die USA…“

Interessierte erhalten es zunächst kostenfrei, dann mit der Bitte um Mitgliedschaft oder Spende. Jüngere kümmern sich um die Webseite und Eberhard Scholz knüpft über Facebook Kontakte zu Idisten rund um den Erdball. Wer nach Berlin kommt, erhält die gewünschten Infos. Sie sind stets auf der Expolinguia im Russischen Haus vertreten, knüpfen hier Kontakte und geben danach Ido-Unterricht. Nach zehn Seminaren könneman alleine weiterlernen, sagen sie. Auch am Kreativitätsgymnasium haben sie schonmal ein Jahr unterrichtet, der Kontakt müsste aufgefrischt werden. Wenn es finanziell geht, fährt mindestens einer zum jährlichen „Internationalen Treffen“. In diesem Jahr findet es in Valencia in Spanien statt. Eberhard Scholz ist dabei.

Birgit Nößler

Ido-Amiki Berlin c/o verdi, FB 8, Köpenicker Straße 30, 10179 Berlin www.ido.berlin.de

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