„Quo Vadis“ – Lesung in Szczecin auf Esperanto

In der Bibliothek „Ksiaznica Pomorska“ in Szczecin fand am 3. September eine Lesung aus dem Roman „Quo Vadis“ von Henryk Sienkiewicz in verschiedenen Sprachen statt. Da es eine Übersetzung des Werkes von Lidja Zamenhof aus dem Jahr 1933 gibt, war es auch auf Esperanto zumindest in dieser einen Stadt vertreten. Entsprechende Lesungen sollten in ganz Polen stattfinden.

Die Passagen in Esperanto sind auf dem Video von Minute 4:30 bis 6:05 und dabei ist auch die reizende Karolina Rzeszuto zu hören und zu sehen, die vielleicht manche vom Zamenhof-Fest in Berlin kennen.

Der Text in Esperanto ist auf der CD von Bialystok zu finden, die 2008 der Tageszeitung Gazeta Wyborcza beilag und noch heruntergeladen werden kann (530 MB)

Bericht mit Video in 24Kurier.pl auf polnisch.

Zum Hintergrund der Veranstaltung

aus polen.pl (Quo vadis, Polen? oder warum Sienkiewicz dieses Jahr Kulturpatron ist)

Die Kulturpatrone des Jahres 2016 sind patriotische Helden. Ihre Werke und ihre Taten formten Generationen von Polen und Polinnen. Es überrascht also nicht, dass die Entscheidung der Kommission für Kultur im Sejm auf den Nobelpreisträger Henryk Sienkiewicz sowie den Komponisten zahlreicher patriotischer Lieder, Feliks Nowowiejski, fiel.

Henryk Sienkiewicz war der erste Pole, der einen Nobelpreis für Literatur erhielt. „Seine historischen Romane gaben Generationen von Polen in Zeiten nationalen Unglücks seelischen Halt“, so die Begründung der Kommission. Er war ein Botschafter des Polentums. Einer, der als geistiger Hetman (Heerführer im ehemaligen Königreich Polen) der Polen bezeichnet wird. Sienkiewicz schrieb, als sein Land von drei Großmächten – Preußen, Russland und Habsburg – geteilt war [und in diesem Land lebte Ludwig Zamenhof bis 1917]

Am 15. November jährt sich sein Todestag zum 100. Mal. Dazu wird es im Verlauf des Jahres zahlreiche Veranstaltungen und Lesungen geben, die an das vielfältige Werk des Autors erinnern sollen.

Langläufig nehmen viele Menschen an, dass Sienkiewicz 1905 für Quo vadis? den Nobelpreis erhielt. Die Auszeichnung galt aber dem gesamten literarischen Oeuvre. Wie all seine anderen Romane auch, publizierte Sienkiewicz Quo vadis? als Folgeroman in der Zeitung Gazeta Polska zwischen 1895-96.

Er entführt den Leser ins spätantike Rom, in die Zeit der Schreckensherrschaft Neros. Detailverliebt gibt er dokumentarisch die historische Wirklichkeit wider. Er zeigt die dekadente und grausame Seite Roms, die von Gewalt gezeichnet ist. Seien es brutale Gladiatorenkämpfe, Hinrichtungen, der von Nero angeordnete Brand Roms oder schließlich die bestialische Christenverfolgung. Und mittendrin im Strudel des Chaos spielt sich eine Liebesgeschichte ab. Ein junger Offizier und Patrizier des römischen Feldherrn Corbulo, Marcus Vinicius, verliebt sich in die Königstochter Lygia. Sie ist Christin und lebt bei einer reichen römischen Familie, die zum Christentum konvertiert ist, jedoch ist sie aus dem Volk der Lygier (das etwa im Raum des heutigen Schlesiens liegt) und wurde als Sklavin von einem Feldzug mitgebracht und als Tochter angenommen. Eine Tragödie scheint vorprogrammiert zu sein. Doch es wäre nicht Sienkiewicz, wenn diese Love-Story nicht mit einem Happy End enden würde. Schließlich behauptet sich das Christentum in der Geschichte.

 

Über Roland Schnell

Eo ekde 1969, aktiva ekde 1974.
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3 Responses to „Quo Vadis“ – Lesung in Szczecin auf Esperanto

  1. Die Wahl des Werkes „Quo Vadis“ verwundert einen nicht. Die Mischung aus Nationalismus und Katholizismus prägt das heutige Polen. Inwieweit seine Beschreibungen des Lebens im Alten Rom, die ja auch durch Hollywood-Filme populär gemacht wurden, den historischen Tatsachen entsprechen, wäre zu prüfen. Aber gilt ja auch für Karl May. Nero wird ja inzwischen milder beurteilt als im 19. Jahrhundert.

  2. Johano sagt:

    In Bialystok wurden vorgetragen Teile aus der neu erschienenen, neuüberarbeiteten Ausgabe von „Quo vadis“. Die Überarbeitung und Herausgabe bewirkte der in Lublin lebende Esperantist und Germanist Tomasz CHMIELIK. Er übersetzte schon mehrere Werke, wie z.B. „Die Blechtrommel“ von Günter Grass.

  3. Johano sagt:

    Auch in Krakaux haben örtlichen Esperantisten Tekste aus dem Quo Vadis öffentlich auf Esperanto vorgetragen.

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