Besuch im Herrenhaus

Am 26. Juni 2019 hatte mich der Besucherdienst des Deutschen Bundesrats eingeladen, die Räume, in denen Max Josef Metzger vor genau 100 Jahren am 8. Deutschen Pazifistenkongress vom 13. bis 15. Juni teilgenommen hat, zu besichtigen.

Das imposante Gebäude in der Leipziger Strass 3-4 (genüber der Mall of Berlin) wirkt nicht besonders einladen, ist aber für Besucher offen und immer Freitags kann man auf der Tribüne die Sitzungen des Bundesrats verfolgen (auch im Lifestream).

Frau Lorenz erläuterte in ihrer Führung die wechselhafte Geschichte des Hauses, das bis 1918 als „Preussisches Herrenhaus“ diente. Es war 1898 auf den Grundstücken Leipziger Strasse 3 (mit einem Mitte des 18. Jahrhundert erbauten Palais, das als Seidenmanufaktur und Porzellanfabrik (KPM) genutzt wurde) und  Leipziger Strasse 4 (repräsentatives Wohngebäude der Familie Mendelssohn Bartholdy) errichtet worden. Mit einem Gang war es mit dem preussischen Landtag (heute Abgeordnetenhaus von Berlin) verbunden.

Nach dem Ende des Kaiserreichs wurde es der Schulverwaltung übergeben und für eine Vielzahl von öffentlichen Veranstaltungen benutzt. Es wurden Hinweise auf über 1.000 solcher Veranstaltungen gefunden.

Propagando für Esperanto

Neben dem erwähnten Pazifistenkongress 1919 mit namhaften Esperantisten unter den Teilnehmern fand 1925 auch eine Propagandaveranstaltung der Esperanto Gruppen von Berlin statt, an der im Plenarsaal 500 Teilnehmer aus dem öffentlichen Leben, aus Ministerien, von der Stadtverwaltung und von der Presse gezählt wurden. Darüber gibt es einen ausführlichen Bericht in der Zeitschrift „Heroldo de Esperanto“ von 14. Januar 1925 und ein Foto im „Germana Esperantisto“ Nr. 2 auf Seite 38 mit allen namhaften Esperantisten um das Rednerpult gruppiert.

Diese Periode endete 1933, als das Gebäude als „Preußenhaus“ dem Reichsluftfahrtministerium angegliedert wurde, das auf dem angrenzenden Grundstück errichtet worden war (heute Sitz des Bundesministeriums der Finanzen). Während des Krieges wurde der Plenarsaal zerstört und nach 1946 wurden Teile des Gebäudes von der Akademie der Wissenschaften der DDR genutzt. Seit dem 29. September 2000 ist es Sitz des deutschen Bundesrates, der hier bis zu zwölf Mal jährlich tagt. Dafür wurden die alte Bausubstanz im Eingangsbereich und die Wandelhalle behutsam restauriert, aber der grosse Saal wurde völlig neu und modern gestaltet.

In der Wandelhalle ist noch der orginale Fussboden erhalten über den Max Josef Metzger 1919 und alle die namhaften Esperantisten 1925 geschritten sein mögen.

Namentlich erwähnt werden Dr. Kliemke, Telegrafendirektor Behrendt, Dr. Glück, Dr. Liebeck als Redner und als Ehrengäste Prof Dietterle aus Leipzig und Dr. Arnhold, aus Dresden, sowie Herr Blankenheim als Vertreter von UEA.

 

 

Über Roland Schnell

Eo ekde 1969, aktiva ekde 1974.
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