Generalprobe überstanden

„Als Generalprobe war es in Ordnung, aber zur Premiere hätte es noch nicht gereicht“ sagte Roland Schnell zu der Präsentation „So klingt deutsche Literatur auf Esperanto“ in der Anton-Saefkow-Bibliothek in Lichtenberg am Mittwoch, den 22. August 2012. Die Veranstaltung war als Werbung für den Volkshochschulkurs gedacht, der im selben Raum am 6. September beginnen soll und an 12 Abenden Esperanto nach dem Lehrbuch von Wingen vermittelt. Alternativ gibt es einen Wochenendkurs. Alternativ gibt es auch einen Wochenendkurs am  6./7. Oktober.

Die Veranstaltung mußte in sehr kurzer Zeit konzipiert und umgesetzt werden. Erst eine Woche vor dem geplanten Termin  die Bestätigung der Bibliothek vor und so beschränkte sich die Werbung auf die Tageszeitungen, die Rundfunksender und das Internet. Immerhin fanden zwei Besucher darüber den Weg, aber leider kamen sie aus München bzw. Graz.

Die Idee war, relativ bekannte deutsche Literatur in der Übersetzung in Esperanto vorzustellen. Der Esperanto-Text wurde gelesen, wozu sich in letztem Moment Maria Merla aus Darmstadt bereitfand. Sie konnte auch erläutern, daß das Lied „Der Mond ist aufgegangen“ auf einer Wiese bei Darmstadt entstanden ist. Es wurde in einer Aufnahme des Chors der Bayerischen Staatsbibliothek vorgestellt. Der deutsche Text wurde jeweils als Großbild projiziert. Durch die moderne Ausstattung der Stadtbiblothek Lichtenberg (Whiteboard, Sound System) war die technische Qualität hervorragend.

Schon bei einem ersten Sichten der aus deutsch in Esperanto übersetzten Literatur zeigte es sich, daß hier ein reicher Schatz gehoben werden kann. Gerd Bussing hatte eine Reihe von Werken nach ihrer literarischen Qualität ausgewählt, aber nicht immer waren die Texte digital zu bekommen. Es wurde ein Bogen von den Klassikern (Goethe, Schiller, Lessing, Heine, Gebrüder Grimm) bis zur Moderne geschlagen. Aus Zeitgründen mußte Patrick Süßkinds Roman „Das Parfum“ in der Übersetzung von Wilhelm Luttermann gestrichen werden. Von den zeitgenössischen Autoren waren Graß, Jandl und Schädlich vertreten.

Der Bezug zu Berlin wurde durch die Beispiele der vier Übersetzer Adolf Sproeck, Karl Schulze, Karl Vanselow und Wilhelm Luttermann hergestellt. Deren Produktion würde einen Abend allein füllen.

Peter Bäß ermunterte die Teilnehmer zum Mitsingen eines deutschen Kanons aus dem Büchlein „La Verdaj Paseroj kantas“, das ebenfalls ein regionales Produkt ist.

Die schnell zusammengezimmerte Veranstaltung wurde wohlwollend aufgenommen und die Kritik war berechtigt. Aber da die meiste Arbeit schon gemacht wurde, kann die Veranstaltung jederzeit mit besserer Vorbereitung und in größerem Kreis wiederholt werden. Und es gibt zahllose Möglichkeiten Esperanto-Literatur unter den unterschiedlichsten Gesichtspunkten vorzustellen.

  • Die Literatur kleiner Sprachen auf Esperanto: Isländisch, Estnisch, Vietnamesisch……
  • Orginale Literatur in Esperanto
  • Lieder auf Esperanto (auch zum Mitsingen)
  • Große Werke der Weltliteratur auf Esperanto
  • Don Quichotte, Herr der Ringe, Bibel, Koran….
  • Frauen schreiben auf Esperanto
  • Science Fiction – Orginal und übersetzt
  • Berliner Esperanto-Verlage, Autoren und Übersetzer

Die technischen Möglichkeiten in Lichtenberg erlauben es problemlos diverse Ton- oder Videobeispiele zu integrieren.

Damit ließen sich auch die Schätze, die völlig ungenutzt in der Esperanto-Bibliothek im Esperanto-Haus lagern, produktiv nutzen. Ein Großteil der in Frage kommenden Literatur konnte dort gefunden werden. Allerdings ist das eine Sache, die ohne Unterstützung von Experten nicht möglich ist, da der Katalog in einem beklagenswerten Zustand ist.

Öffentliche Veranstaltungen können auch eine Möglichkeit sein, die Doubletten vieler Jahrzehnte antiquarisch zu verkaufen, um mit dem eingenommenen Geld aktuelle Literatur anzuschaffen.

Über Roland Schnell

Eo ekde 1969, aktiva ekde 1974.
Dieser Beitrag wurde unter Lesung, Berlin, Lichtenberg, Anton-Saefkow-Bibliothek, VHS, Neuigkeiten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar